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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 56. Band, (Jahrgang 1867)

Roswitha  und  Conrad  Celtes.

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eines  von  Celtes  selbst.  Es  ist  diese  Glorification  dev  sächsischen
Nonne  von  Seite  dev  deutschen  Humanisten,  die  wohl  wussten,  dass
hiev  untev  den  Namen  Roswitha  die  duvch  Celtes  in  Deutschland
eingeführte  Dichtkunst  nach  dem  Mustev  der  alten  römischen  Poeten
gemeint  sei,  nichts  anderes  als  ein  Hymnus  auf  des  Celtes  Verdienste
um  die  Verbreitung  des  Humanismus.  Es  entspricht  ganz  und  gar
der  Art  und  Weise,  wie  der  gekrönte  deutsche  Dichter  vieles  andere
in  seinen  poetischen  Productionen  allegorisirte.  Es  ist  auffallend,
dass  in  der  neuesten  kritischen  Ausgabe  der  Werke  der  Roswitha
von  Rarack  des  Celtes  Vorrede  wie  auch  die  Epigramme  der  rheinischen ­
  Sodales  nicht  abgedruckt  sind,  und  dadurch  ein  wesentlicher
Punct,  der  bei  der  Untersuchung  über  die  Echtheit  in  Frage  kommt,
der  Kritik  entzogen  wird.
Betrachten  wir  nun  die  von  Celtes  unter  den  Namen  der  Roswitha ­
  edirten  Werke  näher,  so  finden  wir,  dass  sie  im  Grunde  alle
historischer  Art  sind:  sie  gehören  mit  Ausnahme  des  Panegyricus
auf  Kaiser  Otto  I.  sämmtlich  der  Heiligengeschichte  an.  Nur  ist  ihre
dichterische  Behandlung  eine  ungleiche,  zum  Theil  eine  dramatische,
zum  Theil  eine  epische.  Darnach  ist  die  Eintheilung  in  zwei  Büchern
getroffen,  wovon  das  erstere  sechs  Comödien  in  Prosa,  das  andere
acht  Legenden  in  heroischen  Versen  (nur  eine  im  elegischen  Versmass)
  umfasst  <).  Celtes  scheint  anfänglich  die  Absicht  gehabt  zu
haben,  die  versificirten  Dichtungen  als  erstes  Buch  vorauszuschicken,
und  als  zweites  die  Comödien  folgen  zu  lassen  —  diese  Ordnung  ist
auch  in  dem  angeblichen  alten  Codex  beobachtet  —  aber  heim  Drucke
umstellte  er  die  Bücher  und  so  finden  sich  die  Comödien  an  der  Spitze.
Jedem  Buche  wird  eine  Praefatio  Hrosvithae  vorausgeschickt:
dem  ersten  ausserdem  noch  ihre  Epistola  ad  quosdam  sapientes  hujus
lihri  fautores.  Sprechen  wir  von  der  Praefatio  der  Comödien,  da  sie
im  Druck  zuerst  mitgetheilt  wird  3 ),  zunächst.

*)  Joh,  Trithem.  scriptt.  eccl.  1.  c.  macht  über  das  Versmass  der  Legenden  die  unrichtige ­
  Angabe:  In  laudes  beatae  Yirginis  elegiaco  et  hexametrico  versu,  Item
passionem  S.  Dionysii  Carmine  elegiaco,  Item  de  S.  Gangolfo  et  aliis  sanctis:  nur
das  Leben  des  bl.  Gangolf  ist  im  elegischen  Yersmass,  alle  übrigen  Legenden  sind
in  Hexametern  geschrieben.
2 )  Nur  mit  den  zwei  Worten  Hrosvithae  Praefatio:  im  Codex  lautet  die  Überschrift
von  der  Hand  des  Celtes:  Hrosvithae,  illustris  mulieris  germanae,  gente  Saxonica
ortae,  in  sex  Comoedias  suas  praefatio  feliciter  incipit.
            
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