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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 56. Band, (Jahrgang 1867)

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Aschbach

Stücke  der  Roswitha,  welche  in  der  Celtischen  Ausgabe  vom  Jahre
1501  Vorkommen,  namentlich  aufführt  i).
Celtes  gesteht  in  der  Vorrede  ein  (offenbar  um  nahe  liegenden
Verdachtsgründen  an  der  Echtheit  zu  begegnen),  es  habe  bei  ihm
Staunen  und  Überraschung  erregt,  als  er  gelesen,  wie  eine  deutsche
Frau  im  zehnten  Jahrhundert  so  correct  Latein  und  mit  solcher
Kunst  der  Versification  sich  ausgedrückt,  auch  habe  er  über  die
alterthümliche  Sprache  und  die  mancherlei  Kenntnisse  der  Nonne
in  den  Wissenschaften  und  schönen  Künsten  sich  höchlich  verwundert; ­
  jedoch  solle,  meint  Celtes,  man  bedenken,  nicht  allein  unter
den  Männern,  sondern  auch  unter  den  Frauen  könnte  es  ausgezeichnete, ­
  ungewöhnlich  begabte  Geistergeben.  Die  sächsische  Nonne,  die
als  „nostra  Cymbrica  mulier“  bezeichnet  wird,  findet  er  zwar
als  eine  höchst  seltene  Erscheinung  in  Deutschland,  aber  doch  nicht
ganz  ohne  Beispiel.  Er  weist  auf  seine  eigenen  Zeitgenossinen  hin:
auf  die  Friesin  Anna  oder  Agnuia,  eine  Dichterin  wie  auch  eine  im
bürgerlichen  und  kirchlichen  Rechte  und  in  der  Philosophie  seingelehrte
  Frau  2 )  und  dann  auf  die  Nürnberger  Clarissinen-Nonne
Charitas,  die  Schwester  seines  berühmten  Freundes  und  Humanisten
Willibald  Pirkheimer,  welche  in  der  Fertigkeit  des  Gebrauchs  der
lateinischen  Sprache  und  im  gewandten  Briefstil  ausgezeichnet  sei.
Nach  der  Vorrede  lässt  Celtes  die  Epigramme  von  14  Mitgliedern
der  rheinischen  So'dalität  auf  die  Nonne  Roswitha  als  die  zehnte  Muse
und  deutsche  Sappho  folgen  3 ).  Unter  diesen  Epigrammen  ist  auch

*)  Trithem.  de  script.  eccl.  ed.  Fabric.  p.  99.  Rosvida  nobilis  mulier  in  Saxonia  nata
in  Gandeshemensi  coenobio  —  sanctimonialis  miro  ingenio  et  doctrina  damit  et
in  utroque  scribendi  genere  admirabilis,  ad  virgines  enim  sacratas  castitatem  et
continentiam  hortando  latino  conscripsit:
Comoedias  sex,
De  gestis  Oddonum  panegyricum  versu  bexametro,
In  laudes  beatae  virginis  elegiaco  et  hexametrico  versu,
Item  passionem  S.  Dionysii  carmine  elegiaco
Item  de  S.  Gangolfo  et  aliis  sanctis.
3 )  Sie  war  die  Schwester  des  Jacob  Canter,  Magisters  und  gekrönten  Dichters,  der  zu
Krumau  (curva  insula)  in  Mähren  lebte  und  in  Briefwechsel  mit  Celtes  stand  (Cod.
epist.  Celt.  lib.  II.  ep.  11.  p.  16.  III.  2.  p.  18.  VII.  30.  p.  84.  VIII.  1.  p.  87).
Jacob  Canter  sagt  von  seinem  Vater  Johannes  Canter,  Doctor  der  freien  Künste
und  der  Rechte,  zu  Groningen  in  Friesland:  filios  filiasqite  omnes  litteras  docuit.
3 )  S.  Beilage  11.
            
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