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Aschbach
Stücke der Roswitha, welche in der Celtischen Ausgabe vom Jahre
1501 Vorkommen, namentlich aufführt i).
Celtes gesteht in der Vorrede ein (offenbar um nahe liegenden
Verdachtsgründen an der Echtheit zu begegnen), es habe bei ihm
Staunen und Überraschung erregt, als er gelesen, wie eine deutsche
Frau im zehnten Jahrhundert so correct Latein und mit solcher
Kunst der Versification sich ausgedrückt, auch habe er über die
alterthümliche Sprache und die mancherlei Kenntnisse der Nonne
in den Wissenschaften und schönen Künsten sich höchlich verwundert;
jedoch solle, meint Celtes, man bedenken, nicht allein unter
den Männern, sondern auch unter den Frauen könnte es ausgezeichnete,
ungewöhnlich begabte Geistergeben. Die sächsische Nonne, die
als „nostra Cymbrica mulier“ bezeichnet wird, findet er zwar
als eine höchst seltene Erscheinung in Deutschland, aber doch nicht
ganz ohne Beispiel. Er weist auf seine eigenen Zeitgenossinen hin:
auf die Friesin Anna oder Agnuia, eine Dichterin wie auch eine im
bürgerlichen und kirchlichen Rechte und in der Philosophie seingelehrte
Frau 2 ) und dann auf die Nürnberger Clarissinen-Nonne
Charitas, die Schwester seines berühmten Freundes und Humanisten
Willibald Pirkheimer, welche in der Fertigkeit des Gebrauchs der
lateinischen Sprache und im gewandten Briefstil ausgezeichnet sei.
Nach der Vorrede lässt Celtes die Epigramme von 14 Mitgliedern
der rheinischen So'dalität auf die Nonne Roswitha als die zehnte Muse
und deutsche Sappho folgen 3 ). Unter diesen Epigrammen ist auch
*) Trithem. de script. eccl. ed. Fabric. p. 99. Rosvida nobilis mulier in Saxonia nata
in Gandeshemensi coenobio — sanctimonialis miro ingenio et doctrina damit et
in utroque scribendi genere admirabilis, ad virgines enim sacratas castitatem et
continentiam hortando latino conscripsit:
Comoedias sex,
De gestis Oddonum panegyricum versu bexametro,
In laudes beatae virginis elegiaco et hexametrico versu,
Item passionem S. Dionysii carmine elegiaco
Item de S. Gangolfo et aliis sanctis.
3 ) Sie war die Schwester des Jacob Canter, Magisters und gekrönten Dichters, der zu
Krumau (curva insula) in Mähren lebte und in Briefwechsel mit Celtes stand (Cod.
epist. Celt. lib. II. ep. 11. p. 16. III. 2. p. 18. VII. 30. p. 84. VIII. 1. p. 87).
Jacob Canter sagt von seinem Vater Johannes Canter, Doctor der freien Künste
und der Rechte, zu Groningen in Friesland: filios filiasqite omnes litteras docuit.
3 ) S. Beilage 11.