170 Müssen
diese Weise mit wenigen Ausnahmen in den Besitz von Johann Meermann.
Nach dessen Tode wurde die Mehrzahl der Handschriften
Meermann's und mit diesen die Mehrzahl der Handschriften der Jesuiten
von Sir Thomas Phillipps erworben. Unter den letztem befinden
sich auch einige wichtigen Sammlungen von Quellen des canonischen
Rechts. Es würde für meinen Zweck von Interesse gewesen
sein, diese seihst zu sehen. Bisher noch nicht bekannte Quellenstücke
dürften sie allerdings kaum enthalten, da sie für die grossen
Sammlungen Sirmond’s, Hardouin’s u. a. benutzt sind. Aber es wäre
für die Geschichte der Quellen des canonischen Rechts von Wichtigkeit,
von einigen dieser Canonensammlungen eine genaue Beschreibung
zu besitzen. Ich habe aber auf die Autopsie verzichten müssen.
Bei meinem Aufenthalt in Oxford im März 18ß6 wurde mir von seingut
unterrichteter Seite so entschieden versichert: es sei an einen
Zutritt in die Bibliothek des Sir Phillipps und an Recherchen in ihr
durchaus nicht für mich zu denken, dass ich es für überflüssig hielt,
mir durch eigne Erfahrung die Bestätigung zu verschaffen. Glücklicherweise
ist das, was mit Hülfe der Angaben andrer sich feststellen
lässt, noch immer so viel, dass eine eigentliche Lücke in der Kette
des historischen Zusammenhanges dadurch vermieden wird.
Eine Hauptquelle für die Kenntniss der Handschriften des Sir
Thomas Phillipps, soweit sie aus der Bibliothek der Jesuiten stammen,
ist der im Jahre 1764 für den Zweck des Verkaufes der Sammlung
edirte Katalog derselben : Catalogus manuscriptorum codieum collegii
Claromontani, quem excipit catalogus manuscriptorum codicum uomus
professaeParisiensis. Parisiis 1764. 8. Die in der BibliothecaMeermanniana
T. IV. und bei Haenel Catalogi col. 846 sq. gegebene Beschreibung
dieser Manuscripte beruht im wesentlichen auf dem genannten
Katalog. Seit dem Erscheinen der Hänel’schen Verzeichnisse sind die
Handschriften des Sir Thomas Phillipps neu signirt worden. Da ich
nur von einigen Handschriften die jetzige Signatur weiss, so werde
ich alle noch mit den Nummern anführen, mit denen sie bei Hänel
verzeichnet sind. Ein Katalog der Sammlung des Sir Phillipps nach
dieser neuen Signirung der Manuscripte befindet sich in der k. Bibliothek
zu Berlin. Ich erfuhr dies durch Herrn Professor Mommsen,
als er im Octoher 1866 sich in Gratz einige Tage aufhielt. Nach den
Mittheilungen, die Mommsen später so freundlich war mir aus diesem
Katalog zu machen, scheinen aber die Bestimmungen, welche der