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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 56. Band, (Jahrgang 1867)

Roswitha  und  Conrad  Celtes.

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mitgetheilt  und  mit  Wissen,  Zustimmung  und  Unterstützung  ihrer
Abtissin  sich  den  gelehrten  und  dichterischen  Beschäftigungen  gewidmet ­
  hatte.  Es  sollten  die  Dichtungen  der  Roswitha  zugleich  wie  ein
Triumph  des  weiblichen  Geschlechtes  anzusehen  sein,  das  von  dem
Talent  und  der  Möglichkeit  der  Erwerbung  ausgezeichneter  Kenntnisse ­
  nicht  ausgeschlossen  sei,  sondern  ebenso  gut  wie  begabte
Männer  auf  geistigem  Gebiete  zu  glänzen  wohl  vermöge  i).

Die  im  Legendenbuch  der  Roswitha  vorkommenden  Stücke
wurden  zur  poetischen  Bearbeitung  unter  eine  Anzahl  Humanisten
vertheilt,  welche  Celtes  unter  dem  Siegel  des  tiefsten  Geheimnisses
in  das  Vorhaben  gezogen  und  zur  Übernahme  der  Sache  bereit
gefunden  hatte.  Einige  Legenden  sollten  in  heroischem,  andere  in
elegischem  Versmasse  behandelt,  ein  anderer  Theil  nach  dem  Muster
des  Terenz  und  Plautus  dramatisirt  werden.  Celtes  selbst  behielt  sich
die  Behandlung  mehrerer  Legenden  vor,  und  zwar  sowohl  in  dichterischer ­
  Form,  als  auch  für  die  Dramatisirung  in  Prosa.
Schon  im  Jahre  1494,  als  Celtes  bereits  Professor  der  Rhetorik
und  Poesie  an  der  Ingolstädter  Universität  war,  hatte  er  die  dichterischen ­
  Bearbeitungen  der  rheinischen  Sodalität  in  einer  Sammlung
vereinigt.  Doch  vergingen  noch  sieben  Jahre  (also  im  Ganzen  ein
Decennium  nach  der  Auffindung  des  Legendenbuches)  ehe  die  Productionen
  der  rheinischen  Sodales  zum  Druck  gelangten.  Es  geschah
dieses  erst  in  der  Zeit,  als  Celtes  in  Wien  für  die  Verbreitung  des
Humanismus  an  der  Universität  gewirkt  und  durch  die  Errichtung
der  gelehrten  Donaugesellschaft  in  der  genannten  Richtung  grosse
Erfolge  erzielt  hatte.  Dann  entschloss  er  sich  endlich,  die  dichterische
Sammlung  als  Werke  der  sächsischen  Nonne  zu  Nürnberg  im  Jahre
1  SO  1  durch  den  Druck  zu  veröffentlichen.  Er  versah  sie  mit  einer  an
den  sächsischen  Kurfürsten  Friedrich,  seinen  Gönner,  gerichteten
Vorrede:  liess  die  auf  die  sächsische  Nonne,  als  deutsche  Sapplio
und  zehnte  Muse,  gedichteten  Epigramme  von  14  Mitgliedern  der

*)  Vorrede  des  Celtes  zur  Roswitha,  wo  eben  auf  die  zeitgenössische  gelehrte  Charitas ­
  Pirkheimer  hingewiesen  wird.
            
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