Roswitha und Conrad Celtes.
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mitgetheilt und mit Wissen, Zustimmung und Unterstützung ihrer
Abtissin sich den gelehrten und dichterischen Beschäftigungen gewidmet
hatte. Es sollten die Dichtungen der Roswitha zugleich wie ein
Triumph des weiblichen Geschlechtes anzusehen sein, das von dem
Talent und der Möglichkeit der Erwerbung ausgezeichneter Kenntnisse
nicht ausgeschlossen sei, sondern ebenso gut wie begabte
Männer auf geistigem Gebiete zu glänzen wohl vermöge i).
Die im Legendenbuch der Roswitha vorkommenden Stücke
wurden zur poetischen Bearbeitung unter eine Anzahl Humanisten
vertheilt, welche Celtes unter dem Siegel des tiefsten Geheimnisses
in das Vorhaben gezogen und zur Übernahme der Sache bereit
gefunden hatte. Einige Legenden sollten in heroischem, andere in
elegischem Versmasse behandelt, ein anderer Theil nach dem Muster
des Terenz und Plautus dramatisirt werden. Celtes selbst behielt sich
die Behandlung mehrerer Legenden vor, und zwar sowohl in dichterischer
Form, als auch für die Dramatisirung in Prosa.
Schon im Jahre 1494, als Celtes bereits Professor der Rhetorik
und Poesie an der Ingolstädter Universität war, hatte er die dichterischen
Bearbeitungen der rheinischen Sodalität in einer Sammlung
vereinigt. Doch vergingen noch sieben Jahre (also im Ganzen ein
Decennium nach der Auffindung des Legendenbuches) ehe die Productionen
der rheinischen Sodales zum Druck gelangten. Es geschah
dieses erst in der Zeit, als Celtes in Wien für die Verbreitung des
Humanismus an der Universität gewirkt und durch die Errichtung
der gelehrten Donaugesellschaft in der genannten Richtung grosse
Erfolge erzielt hatte. Dann entschloss er sich endlich, die dichterische
Sammlung als Werke der sächsischen Nonne zu Nürnberg im Jahre
1 SO 1 durch den Druck zu veröffentlichen. Er versah sie mit einer an
den sächsischen Kurfürsten Friedrich, seinen Gönner, gerichteten
Vorrede: liess die auf die sächsische Nonne, als deutsche Sapplio
und zehnte Muse, gedichteten Epigramme von 14 Mitgliedern der
*) Vorrede des Celtes zur Roswitha, wo eben auf die zeitgenössische gelehrte Charitas
Pirkheimer hingewiesen wird.