8
A 3 C Jl J) 4 c )l
sehen Nonne aus dem 10. Jahrhundert veröffentlicht und damit
zunächst den Italienern die Spitze geboten werden.
Aber nicht allein als Tendenzschrift gegen die italienische
Überschätzung und Dünkelhaftigkeit fälschte Celtes die Roswitlm’schen
Werke, es trieb ihn zu der Sache auch noch ein besonderes persönliches
Motiv. Er war mit der Nürnberger Patricierfamilie Pirkheimer
auf das'innigste befreundet. Willibald Pirkheimer, einer der berühmtesten
Humanisten jener Zeit und namentlich ein tüchtiger Kenner
des Griechischen, war sein Gastfreund und vertrauter Genosse in
allen Studien. Pirkheimers Schwester Charitas, Nonne in dem Nürnberger
Clarissinenkloster, von ihrem Bruder und von Celtes für die
alte Literatur und vorzüglich für römische Dichtungen gewonnen,
besass eine für eine Frau ungewöhnliche Bildung: sie verstand die
lateinische Sprache und schrieb mit Zierlichkeit und Correctheit
lateinische Briefe, wie sie in dem lebhaften Briefwechsel mit Celtes
bekundet, für welchen sie auch eine innige Verehrung und schwesterliche
Liebe an den Tag legt *). Zelotische Cleriker, namentlich die
des Franciscaner-Ordens, dem die Aufsicht über die Nürnberger
Clarissinnen zustand, ohnehin der humanistischen Richtung entgegen,
eiferten gegen den Verkehr der Nonne mit dem Dichter, der so
manche schlüpfrige Poesien geliefert und darin auch die Geistlichkeit
nicht mit Schonung behandelt hatte.
Um der lateinischen Correspondenz zwischen Charitas und Celtes
indirect entgegen zu wirken, so wurde der erstem später überhaupt
das Lateinschreiben untersagt 3 ). Celtes wollte nun den Eiferern das
Beispiel einer sächsischen Nonne im 10. Jahrhundert vorführen,
welche ihre lateinischen Dichtungen nicht nur dem Kaiser Otto I.,
sondern auch dem Sohne desselben Wilhelm, Erzbischof von Mainz,
1 ) Briefe der Charitas Pirkheimer an Celtes (Cod. epistol, Celt. XII. 12 und 13. fol.
143 fgg.). Endlicher in Ilormayr’s Archiv XII. 486 gibt einen frühem Brief an den
gekrönten Dichter, worin derselbe von der Nonne aufgefordert wird, seine grossen
Talente der göttlichen Wissenschaft zuzuwenden. Die schöne Ode des Celtes an
die Charitas, welche nicht in dessen Oden-Sammlung vorkommt, rührt aus der
Zeit der Herausgabe der Roswitha. Vgl. Klüpfel, vita Conr. Celtis. II. 43, wo sie
auch abgedruckt ist. (Beilage 1. a u. ö.)
~) Brief des Willibald Pirkheimer an Celtes, d. d. Nürnberg 14. März 1304 im Cod.
epist. Celt. XIV. ep. 6. fol. 133. 'Ev'koKode.g (i. e. Franciscani) ipsi (Charitati)
inhibuerunt, ne posthac Iatine seribat.