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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 56. Band, (Jahrgang 1867)

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sehen  Nonne  aus  dem  10.  Jahrhundert  veröffentlicht  und  damit
zunächst  den  Italienern  die  Spitze  geboten  werden.
Aber  nicht  allein  als  Tendenzschrift  gegen  die  italienische
Überschätzung  und  Dünkelhaftigkeit  fälschte  Celtes  die  Roswitlm’schen
Werke,  es  trieb  ihn  zu  der  Sache  auch  noch  ein  besonderes  persönliches ­
  Motiv.  Er  war  mit  der  Nürnberger  Patricierfamilie  Pirkheimer
auf  das'innigste  befreundet.  Willibald  Pirkheimer,  einer  der  berühmtesten ­
  Humanisten  jener  Zeit  und  namentlich  ein  tüchtiger  Kenner
des  Griechischen,  war  sein  Gastfreund  und  vertrauter  Genosse  in
allen  Studien.  Pirkheimers  Schwester  Charitas,  Nonne  in  dem  Nürnberger ­
  Clarissinenkloster,  von  ihrem  Bruder  und  von  Celtes  für  die
alte  Literatur  und  vorzüglich  für  römische  Dichtungen  gewonnen,
besass  eine  für  eine  Frau  ungewöhnliche  Bildung:  sie  verstand  die
lateinische  Sprache  und  schrieb  mit  Zierlichkeit  und  Correctheit
lateinische  Briefe,  wie  sie  in  dem  lebhaften  Briefwechsel  mit  Celtes
bekundet,  für  welchen  sie  auch  eine  innige  Verehrung  und  schwesterliche ­
  Liebe  an  den  Tag  legt  *).  Zelotische  Cleriker,  namentlich  die
des  Franciscaner-Ordens,  dem  die  Aufsicht  über  die  Nürnberger
Clarissinnen  zustand,  ohnehin  der  humanistischen  Richtung  entgegen,
eiferten  gegen  den  Verkehr  der  Nonne  mit  dem  Dichter,  der  so
manche  schlüpfrige  Poesien  geliefert  und  darin  auch  die  Geistlichkeit ­
  nicht  mit  Schonung  behandelt  hatte.
Um  der  lateinischen  Correspondenz  zwischen  Charitas  und  Celtes
indirect  entgegen  zu  wirken,  so  wurde  der  erstem  später  überhaupt
das  Lateinschreiben  untersagt 3 ).  Celtes  wollte  nun  den  Eiferern  das
Beispiel  einer  sächsischen  Nonne  im  10.  Jahrhundert  vorführen,
welche  ihre  lateinischen  Dichtungen  nicht  nur  dem  Kaiser  Otto  I.,
sondern  auch  dem  Sohne  desselben  Wilhelm,  Erzbischof  von  Mainz,

1 )  Briefe  der  Charitas  Pirkheimer  an  Celtes  (Cod.  epistol,  Celt.  XII.  12  und  13.  fol.
143  fgg.).  Endlicher  in  Ilormayr’s  Archiv  XII.  486  gibt  einen  frühem  Brief  an  den
gekrönten  Dichter,  worin  derselbe  von  der  Nonne  aufgefordert  wird,  seine  grossen
Talente  der  göttlichen  Wissenschaft  zuzuwenden.  Die  schöne  Ode  des  Celtes  an
die  Charitas,  welche  nicht  in  dessen  Oden-Sammlung  vorkommt,  rührt  aus  der
Zeit  der  Herausgabe  der  Roswitha.  Vgl.  Klüpfel,  vita  Conr.  Celtis.  II.  43,  wo  sie
auch  abgedruckt  ist.  (Beilage  1.  a  u.  ö.)
~)  Brief  des  Willibald  Pirkheimer  an  Celtes,  d.  d.  Nürnberg  14.  März  1304  im  Cod.
epist.  Celt.  XIV.  ep.  6.  fol.  133.  'Ev'koKode.g  (i.  e.  Franciscani)  ipsi  (Charitati)
inhibuerunt,  ne  posthac  Iatine  seribat.
            
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