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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

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M  ii  I  I  e  r

persischen  -tan  (altpers.  -tanaiy),  so  fühlt  man  sich  stark  versucht,
es  mit  demselben  zu  identificiren.  Diesem  stehen  aber,  wie  ich  bereits ­
  in  meiner  Abhandlung:  „Die  Sprache  der  Avghänen  (Payto)“,
II,  p.  21  bemerkt  habe,  zwei  Punkte  entgegen.  Erstens  lässt  sich
Payto  l  =  altem  n  gar  nicht  belegen,  und  zweitens  bleibt,  da  man
dieselbe  Form  für  das  Participium  perfecti  pass,  annehmen  muss,
dieses  unerklärlich:  daher  habe  ich  in  der  eben  citirten  Abhandlung
eine  andere  Erklärung  versucht.  Ich  zerlegte  das  Suffiz  tal  in  ta-la
=  ta-ta  (avghän.  I  entsteht  oft  aus  Dentalen),  und  sah  das  erste  ta
für  ein  Überbleibsel  der  alten  Participial-Biklung  mittelst  ta  an.  —
Es  schien  mir,  dass  diese  Participial-Bildung  als  Substrat  hei  Bildung ­
  des  Infinitivs  und  des  Participium  perf.  pass,  angewendet  worden ­
  sei,  und  sich  an  dieselbe  die  Zeichen  der  beiden  Formen  -ta  und
-tan,  die  beide  im  Payto  in  -l  übergingen,  anschlossen.
Dieser  Ansicht  steht  aber,  wie  mir  nun  klar  geworden,  ein
grosses  Bedenken  von  lautlicher  Seite  entgegen.  —  Wir  finden  nämlich ­
  in  den  modernen  eränisehen  Sprachen  (mit  manchen  Ausnahmen
in  den  Volksdialekten)  nur  schliessende  Vocale,  Nasale,  und  bei  gehäuften ­
  Consonanten  die  letzten  derselben  abgeworfen,  die  Nasale
aber,  wo  sie  durch  darauf  folgende,  besonders  lange  Vocale  geschützt
sind,  getreulich  erhalten.  —  Da  nun  die  neupersische  Form  -tan  aus
altem  -tanaiy  entstanden  ist,  mithin  sein  n  durch  darauffolgendes  ai
geschützt  wird,  so  müsste  die  Form  des  Suffixes  nach  eränisehen
Lautgesetzen  -lan  lauten,  und  von  dem  Suffixe  das  Participium  perf.
pass.  -I  geschieden  sein.
Darnach  scheint  es,  dass  das  Suffix  des  Infinitivs  -tal,  -dal  mit
dem  neupersischen  -tan,  -dan  gar  nicht  zusammenhängt.
Wenn  meine  bereits  früher  ausgesprochene  Vermuthung,  dass
das  Afghanische  als  directer  Nachkomme  eines  der  altbaktrischen
Dialekte  gelten  kann,  richtig  ist,  so  begreifen  wir  nun  leicht,  wie  es
kommt,  dass  das  Avghänische  im  Suffixe  des  Infinitivs  mit  dem  Neupersischen
  nicht  zusammenstimmt.  Denn  bekanntlich  ist  dem  Altbaktrischen ­
  das  Infinitivsuffix  -tana,  in  welchem  das  neupersische
-tan  wurzelt,  unbekannt,  und  lässt  sich  .dieses  nur  im  Altpersischen,
dem  Idiom  der  achämcuidischen  Keilinschriften,  nachweisen.
Nach  meiner  Ansicht  entspricht  das  avghanische  -tal,  -dal
einem  alten  Suffixe  ta-ta,  einer  Verdopplung  des  Suffixes  -ta.  —
-ta  ist  aber  innig  verwandt  mit  -tu  und  -tana.  In  Betreff  der  Ver-
            
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