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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

G78

Müller

Wie  man  aus  meiner  Anfangs  citirten  Abhandlung  zur  Genüge  ersehen ­
  kann,  stimmt  das  avghänische  Nomen  vollkommen  mit  dem  neupersischen
  überein,  und  wie  wir  aus  der  nachfolgenden  Untersuchung
entnehmen  werden,  schliesst  sich  das  avghänische  Verbum  in  zwei
wesentlichen  Punkten  —  der  Unterscheidung  zwischen  Intransitivum
und  Transitivum  und  der  Bildung  des  Causals  —  genau  an  das  Verbum ­
  der  meisten  modernen  Sanskritsprachen  an.
In  Betreff  der  Conjugationsform  gibt  es  im  Avghänischen  —  wie
im  Neupersischen  —  eine  doppelte,  nämlich  starke  und  schwache.
Der  Unterschied  beider  ist  ebenso  wie  im  Neupersischen  aufzufassen.
Jedoch  differirt  in  diesem  Punkte  das  Pa^to  etwas  vom  Persischen. ­
  Während  dort  die  schwache  Bildung  sich  nur  auf  das  Particip.
Perf.  Pass,  und  den  Infinitiv  beschränkt,  ist  sie  im  Avghänischen  in
den  meisten  Fällen  auch  auf  die  anderen  Formen  ausgedehnt.  —  Bei
dieser  Gelegenheit  wird  zwischen  das  Zeichen  der  schwachen  Bildungen ­
  -e-  und  die  Personalsuffixe  ein  y  eingeschoben  —  wie  dies  auch
sonst  häufig  in  den  indogermanischen  Sprachen  stattfindet  —,  welches
in  dieser  Stellung  in  j  (z)  übergeht.
Wenn  in  diesem  Punkte  das  Avghänische  mit  dem  Neupersischen ­
  im  Ganzen  übereinstimmt,  weicht  es  wieder  in  einer  andern
Beziehung  von  demselben  ab.  Das  Neupersische  hat  nämlich  von  der
alten  Conjugatiou,  welche  im  Präsens  und  den  damit  zusammenhänden
  Formen  eine  Erweiterung  der  Wurzel  vornimmt,  einige  ansehnliche ­
  Überreste  erhalten,  das  Avghänische  hingegen  seihst  diese  eingebüsst.
  Daher  weichen  Präsensstamm  und  Wurzel  von  einander
entweder  gar  nicht  ab,  oder  unterscheiden  sich  nur  durch  einige
rein  lautliche  Differenzen  von  einander.
Als  Grundlage  der  ganzen  Conjugation  (als  ererbtes  Sprachgut)
können  gelten:
I.  Präsensstamm,  der  hier  mit  der  Wurzel  zusammenfällt.
II.  Participium  perfecti  passivi  in  -ta.
Mit  dem  Participium  perfecti  passivi  hängt  —  wie  im  Neupersischen ­
  —  lautlich  der  Infinitiv  zusammen,  welchen  wir  also  gleich
hier  mit  demselben  behandeln  werden.
Das  Zeichen  des  Particip.  perf.  pass,  lautete  ursprünglich  -ta',
dasselbe  erhielt  sich  jedoch  in  dieser  Form  nur  nach  ursprünglichen
stummen  Gutturalen  (Palatalen),  Dentalen  und  l,  r,  falls  diese  vor
demselben  in  s  übergingen,  ferner  auch  tönenden  Gutturalen  (Pala-
            
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