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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

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Z  i  n  g  e  i*  I  e

alten  Pergamentcodices  zu  Einbänden  auf,  —  und  in  neuerer  Zeit
wanderten  die  Pergamente  in  die  Werkstätten  der  Goldschmiede  <)
und  in  die  Hände  der  Antiquare  und  Pergamenthändler.
Am  ärgsten  wurde  aber  mit  alten  Schriften  und  Büchern  in
Tirol  aufgeräumt,  als  die  Reformation  auch  hierzulande  das  Haupt
erhob  und  Erzherzog  Ferdinand  die  Ketzerei  mit  eiserner  Strenge
unterdrückte.  Da  eine  hochweise  Regierung  den  Samen  der  Neuerung ­
  in  den  lutherischen  Traktätlein  und  Büchern  vermuthete,  wurde
eine  grosse  Streitjagd  nach  denselben  angestellt.  Eigens  zu  diesem
Zu  ecke  bestellte  Commissionen  gingen  von  Haus  zu  Haus,  forschten
nach  den  Büchern,  verzeichneten  und  confiscirten  die  gefundenen
wenn  diese  nicht  ganz  dem  Geschmacke  der  frommen  Visitatoren
entsprachen.  Ein  grosser  Stoss  solcher  Verzeichnisse  liegt  heutzutage ­
  noch  im  k.  k.  Statthalterei-Archive  und  bezeugt  uns,  dass  damals ­
  mancher  Bauer  mehr  Bücher  besessen  habe,  als  man  nun  in
einem  ganzen  Dorfe  finden  dürfte.  Dass  bei  dieser  grossartigen  Bücherjagd ­
  die  Confiscirung  vieler  Werke  erfolgt  ist,  deren  Verlust
wir  bedauern  müssen,  mögen  folgende  Excerpte  aus  diesen  Akten
(Sign.  Religionssekten  Nr.  237  F.  Fol.  zeigen.  Es  begegneten
mir  darin  ausser  unzähligen  Bibeln,  Hauspostillen,  theologischen  und
polemischen  Werken  folgende,  deren  Titel  ich  genau  den  Akten
entlehne:
1.  Etliche  geistliche  und  weltliche  Lieder.
2.  Ungever  bei  zwainzig  Lieder  geistlichen  und  weltlichen.
3.  Etfliche  geschribene  carmina.  Ludus  peregrinorum.
4.  Ain  alts  puech,  darinnen  lateinische  carmina  geschriben.
5.  Zway  Lieder,  das  ain:  „Es  fleucht  ain  vögele  leise“,  das  ander:
„Kompt  her  zu  mir,  spricht  Gottes  Sohn“.
G.  Mer  drei  Lied.  Ains:  „Hilff  Gott,  das  mir  gelinge“;  das  ander:
„Gott  in  deim  namen  t'aren  wir“;  das  dritt  von  dem  reichen
Mann  und  armen  Lasaro.
7.  Ain  gesang  mit  3  Stimmen:
„Frisch  ist  mein  Sin,
Klain  ist  mein  gewin“

D  Seihst  viele  Pergameritcodices  der  Innsbrucker  Universitätsbibliothek  wurden  am
Ende  der  Zwanziger  Jahre  zu  Kindertronnneln  verwendet  oder  ins  Ausland  verkauft.

            
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