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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

Die  chinesische  Lehre  von  den  regelmässigen  Pulsen.

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„Der  Mensch  krank,  der  Puls  nicht  krank“  hat  die  Bedeutung:
Ist  die  äussere  Gestalt  mager  und  abgezehrt,  so  dass  der  Zustand  mit
einer  Krankheit  Ähnlichkeit  hat,  ist  aber  der  Puls  gleichmässig,  so
sind  Wurzel  und  Stamm  noch  immer  fest  und  es  ist  nicht  mehr  als
dass  die  Luft  die  Kornfrucht  nicht  ausfüllt.  Es  heisst  dies  mit
Namen:  „innerliche  Leere“,  und  der  „wandelnde  Leichnam“  kann
hiermit  nicht  verglichen  werden.  Ist  der  Zustand  auch  mühselig,  es
bringt  keinen  Schaden.  Die  Luft  des  Magens  kehrt  zurück,  die  Luft
der  Kornfrucht  füllt  aus,  und  die  Beruhigung  erfolgt  von  selbst.
Der  „Geist  der  Kornfrucht“  ist  die  Luft  der  Kornfrucht.
Als  weitere  Erklärung  wird  noch  angeführt:
Fang-yeu-Uchi  sagt:  Tscheu-schi  thut  den  Ausspruch:  Bemerkt
man  an  der  Gestalt  und  den  Gliedmassen  ein  Schwinden,  ist  der
Geist  umdunkelt  und  verstört,  ist,  wenn  Speise  genommen  wird,
keine  Freude  an  dem  Wohlgeschmack,  findet  man  aber  an  dem  Pulse
das  Regelmässige  der  vier  Jahreszeiten  ohne  die  Abweichungen  des
Überschreitens  und  Niehterreichens,  so  ist  der  Mensch  krank,  der
Puls  nicht  krank.
Sind  Gestalt  und  Gliedmassen  ruhig  und  gleichmässig,  ist  aber
der  Athem  des  Pulses  bald  gross,  bald  klein,  wenn  er  bisweilen
schlägt,  bisweilen  verloren  geht,  ist  er  straff,  streng,  schwimmend,
schlüpfrig,  versunken,  rauh  und  nicht  der  nämliche,  so  ist  dies  für
die  gleichmässige  Luft  verderblich  und  der  Athem  des  Pulses  stimmt
mit  der  Gestalt  nicht  überein.  Hier  ist  der  Puls  krank,  der  Mensch
nicht  krank.
Tschang-si-kiü  sagt:  Der  Geist  der  Kornfrucht  ist  der  Geist,  in
welchen  das  Wasser  und  die  Kornfrucht  sich  verwandeln.  Der  Mensch
stützt  sich  auf  diesen  und  verbringt  dadurch  das  Leben.  Bei  innerlicher ­
  Leere  geniesst  man  wenig  Nahrung,  die  Luft  der  Kornfrucht
füllt  nicht  aus,  und  es  mangelt  dann  der  Geist  der  Kornfrucht.  Deswegen ­
  wird  gesagt:  es  bringt  keinen  Schaden.  Ist  aber  der  eigentliche ­
  Geist  des  Magens  nicht  vorhanden,  wie  kann  man  da  sagen,
dass  es  keinen  Schaden  bringt?
Der  nächste  Ausspruch  lautet:
Ferner  weiss  man  noch  nicht,  welches  Eingeweide  früher  das
Verderben  aufgenommen.  Bricht  Schweiss  hervor  und  ist  das  Haupthaar ­
  feucht,  ist  Kurzathmigkeit  ohne  Aufhören,  so  sind  die  Lungen
früher  ahgeschnitlen.

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