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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

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P  f  i  z  m  a  i  e  r

Farbe  ist  grün.  Ist  ein  solcher  Mensch  gestorben  und  die  Farbe
seines  Leibes  ist  grün,  so  hat  sich  das  Yin  noch  nicht  von  dem  Leibe
getrennt.  Deswegen  weiss  man,  dass  die  Luft  des  Yin  sich  später
erschöpft  hat.  Ist  die  Farbe  seines  Leibes  roth,  sind  die  Achselhöhlen
warm,  die  Gegend  unter  dem  Herzen  heiss,  so  hat  sich  das  Yang
noch  nicht  von  dem  Leibe  getrennt.  Deswegen  weiss  man,  dass  die
Luft  des  Yang  sich  später  erschöpft  hat.
Tscliing-tschi  sagt:  Wo  die  Luft  des  Yang  früher  abgeschnitten ­
  worden,  ist  eine  Krankheit  der  Kälte.  Wo  die  Luft  des  Yin  früher
abgeschnitten  worden,  ist  eine  Krankheit  der  Hitze.  Auf  die  Weise
der  Behandlung  der  Hitze  und  Kälte  ist  besonders  zu  achten.  Seihst
nach  dem  Tode  gibt  es  noch  Kennzeichen,  und  es  ist  in  Wahrheit
ehrwürdig.
Die  nächste  Auseinandersetzung  lautet:
Der  Meister  sagt:  Ist  der  Puls  krank,  der  Mensch  nicht  krank,
so  heisst  dies  mit  Namen:  der  wandelnde  Leichnam.  Es  ist  hier
keine  Vorgesetzte  Luft.  Wo  man  plötzlich  von  Schwindel  erfasst
wird,  zu  Boden  fällt  und  die  Menschen  nicht  erkennt,  ist  kurzes
Leben  und  es  erfolgt  der  Tod.  Ist  der  Mensch  krank,  der  Puls  nicht
krank,  so  heisst  dies  mit  Namen:  innerliche  Leere.  Es  ist  hier  kein
Geist  der  Kornfrucht.  Ist  der  Zustand  auch  mühselig,  es  bringt  keinen
Schaden.
Hierzu  die  Erklärung:
Der  Puls  ist  die  Wurzel  und  der  Stamm  des  Menschen.  „Der
Puls  krank,  der  Mensch  nicht  krank“  hat  die  Bedeutung:  Ist  die
äussere  Gestalt  nicht  krank  und  man  entdeckt  den  Puls  der  Krankheit
des  wahren  Eingeweides,  so  ist  der  innere  Stamm  bereits  abgeschnitten. ­
  Besteht  auch  das  Leben,  es  ist  gleichsam  der  Tod.  Es  ist  nicht
mehr  als  die  bei  einem  Leichnam  verbleibende  überflüssige  Luft.  Deswegen ­
  heisst  es:  der  wandelnde  Leichnam.
Die  überflüssige  Luft  ist  die  noch  nicht  zu  Ende  gegangene,
durch  die  fünf  Eingeweide  hervorgebrachte  und  vorherrschende  überflüssige ­
  Luft.  Wenn  die  vorherrschende  Luft  einmal  zurückweicht,
so  ist  plötzlich  Schwindel,  man  fällt  zu  Boden,  erkennt  nicht  die
Menschen  und  es  erfolgt  der  Tod.  Wenn  ein  geschickter  Heilkünstler
  bei  Zeiten  forscht,  ehe  sich  die  vorherrschende  Luft  noch  zurückgezogen ­
  hat,  und  er  Rath  schafft,  so  ist  es  noch  nicht  so  weit  gekommen, ­
  dass  es  sich  nicht  gut  machen  Hesse.
            
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