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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

Notiz  über  Gerätschaften  aus  der  Steinzeit.  £)£9
könnte  dieses  Instrument  wohl  ein  Quetscher  gewesen  sein,  doch
fehlt  das  dazu  gehörige  Gegenstück  —  der  Reibnapf.  Man  würde
sicherlich  zu  weit  gehen,  wenn  man  sich  über  seine  Anwendung  in
Conjecturen  verlöre.
Alle  die  bisher  genannten  Steinwerkzeuge  sind  ohne  Ausnahme
aus  Serpentin  geformt,  einerFelsart,  die  zur  Steinzeit  häufig  zuGeräthschatten
  verwendet  wurde  und  weniger  wegen  ihrer  Härte  als  wegen
ihrer  Zähigkeit  den  gemachten  Anforderungen  entsprach.  Merkwürdig ­
  ist  es,  dass  nicht  zwei  der  eben  besprochenen  Werkzeuge
aus  einem  und  demselben  Stücke  verfertigt  worden  sind,  im  Gegentheile
  jedwedes  durch  die  verschiedene  Farbe  und  Einmengung
fremder  Bestandtheile  seinen  verschiedenen  Ursprung  offen  an  sich
trägt.  Es  zeigen  dies  die  drei  in  Fig.  1,  2  und  3  abgebildeten
Gegenstände.
Noch  auffallender  ist  ein  plattes,  viereckiges,  roh  geschliffenes
Stück  mit  einer  in  der  Mitte  befindlichen  ebenso  unschön  geformten
Durchbohrung  aus  einer  weichen  Gesteinsart  wie  Serpentin,  Fig.  4.
Durch  die  spargelgrüne  Farbe  und  Durchscheinigkeit  eignete  es  sich
sehr  gut  zu  einem  Schmuckgegenstande.  Durch  eine  nähere  Untersuchung ­
  und  Vergleichung  ergab  sich  die  grösste  Wahrscheinlichkeit  für
Miemit,  einer  Gesteinsart,  die  in  unregelmässigen  Gangtrümmern  im
Serpentine  gefunden  wird.  Es  geht  daraus  mit  vieler  Sicherheit  hervor,
dass  sowohl  der  Serpentin,  wie  dieses  Gestein  von  einem  Orte  zur  Verfertigung ­
  dieser  Steingeräthschaften  bezogen  wurde.  Fragt  man  nun
um  die  Vorkommnisse  des  Miemits,  so  stellt  sich  Rakovacz  in  Slavonien
  als  der  nächste  Ort  heraus,  wo  im  Serpentinfels  diese  Gesteinsart ­
  gebrochen  wird.  Leider  fehlt  mir  das  nöthige  Material,  um  auch
den  Serpentin,  aus  welchem  die  besprochenen  Geräthschaften  fabrizirt
  sind,  mit  dem  Serpentin  von  Rakovacz  zu  vergleichen.  So  viel  ist
indess  sicher,  dass  weder  die  lichten  lauch-,  pistazien-  und  olivengrünen ­
  mit  Flecken  versehenen  so  wie  die  ganz  homogenen  dunkeln
Serpentine  unserer  Steingeräthe  mit  den  Serpentinen  von  Steiermark,
die  sich  durch  die  Beimengung  von  Bronzit  und  Chromeisen  auszeichnen, ­
  übereinstimmen,  und  eben  dadurch  auf  einen  ausser  Steiermark ­
  liegenden  Fundort  hinweisen.
Es  deuten  daher  die  Gesteinsarten,  aus  welchen  die  Steinwerkzeuge ­
  von  Luttenberg  bestehen,  mit  grosser  Wahrscheinlichkeit  auf
den  südlichen  Theil  von  Slavonien  bin,  und  machen  die  Ansicht  sehr

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