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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

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D  i  e  m  e  r

die  Gewalt  der  Juden  kam,  und  das  heil.  Opfer  lag  auf  des  Kreuzes
Altar,  da  zerstörte  unser  Held  des  alten  Wüthrichs  Land  und  den
Teufel  sammt  seinem  ganzen  Heere  verschlang  das  rothe  Taufmeer.
So  starh  von  dem  Tode  der  Tod  und  die  Hölle  ward  beraubt.  Dies
gab  uns  die  freie  Wiederkehr  in  unser  altes  Erbtheil  und  durch  Flut
und  Land  haben  wir  dahin  nun  einen  geistlichen  Gang.  Das  himmlische ­
  Brot  ist  unser  Lamm,  der  Gottes  Quell,  das  Blut  auf  der  Thürschwelle, ­
  vor  dem  der  Todesengel  vorbeifuhr.
Hierauf  wendet  sich  der  Dichter  direct  an  die  Pilgerschaar  und
nennt  sie  das  geistige  Israel,  d.  i.  die  gesammte  Christenheit,  die  nun
ihr  Erbe,  das  ist  Jerusalem  wieder  schauen  soll,  nachdem  sie  vom
Joche  des  Teufels  befreiet  sei.  Unser  Erbfeind  wolle  uns  zwar  das
Landwehren  und  mit  Kampf  müssen  wir  den  Weg  fahren,  jedoch
mit  Hilfe  unseres  Heerführers  werden  wir  dasselbe  besitzen.
Strophe  30—32  folgt  ein  Hymnus  an  das  heil.  Kreuz  Christi,  der
wohl  als  die  Krone  des  ganzen  Liedes  gelten  kann.  Er  lautet  wie  folgt:
0  crux  benedictn,  aller  Holze  bestes!  an  dir  ward  gefangen
der  gierige  Leviathan.  Voll  Lebens  sind  deine  Aste,  da  wir  durch
dich  das  Leben  erhielten.  Deine  Aste  trugen  die  himmlische  Bürde,
auf  dich  floss  das  heil.  Blut,  deine  Frucht  ist  süss  und  gut,  durch  sie
ward  die  Menschheit  erlöst.  0  Herr!  du  hast  stets  erfüllt,  was  du
versprochen,  du  sagtest  uns  gnädig,  du  werdest  uns  zu  dir  emporheben, ­
  wenn  du,  o  Herr!  von  der  Erde  an  das  Kreuz  erhöht  würdest.
Dein  Leiden  ist  nun  vollbracht:  erfülle  deine  Worte,  ziehe,  o  Himmelskönig! ­
  nun  unser  Herz  auch  dahin,  wo  du  bist,  damit  wir  deine
Dienstmannen,  nimmer  von  dir  geschieden  werden.
0  crux  salvatoris!  du  bist  unser  Mastbaum,  all  die  Welt  ist
das  Meer,  du,  o  Herr!  das  Schiff  und  der  Steuermann,  der  heil.  Geist
ist  der  Wind,  der  führt  uns  den  rechten  Sint  (Weg),  der  Segel,  der
wahre  Glaube,  der  hilft  uns  zu  der  Liehe,  die  Werke  sind  die  Segeltaue, ­
  sie  richten  heim  die  Fahrt,  das  Himmelreich  ist  unsere  Heimat,
da  werden  wir  landen,  Gottlob.  —  Die  Schlussstrophe  lautet:  Unsere
Erlösung  ist  vollbracht,  deshalb  loben  wir  alle  Gott  Vater,  so  wie
auch  seinen  Sohn,  pro  nobis  crucifixum,  und  den  heil.  Geist,  der
als  der  dritte  uns  seine  Gnade  gebe.  Wir  glauben,  dass  die  drei  Personen ­
  Ein  wahrer  Gott  sind.  Wie  uns  hierniederi  findet  der  Tod,  so
wird  uns  dort  gelohnt,  dahin,  wo  wir  das  Leben  nahmen,  dahin
sollen  wir  wieder.  Amen.
            
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