Beiträge zur altern deutschen Sprache und Literatur. 323
und dem Bekenntniss der h. Dreieinigkeit als geeigneter Schluss des
Ganzen zu betrachten.
Das Lied enthält viele schöne, wenn auch nicht originelle Gedanken,
welche streng logisch auf einander folgen und jede Strophe
ordentlich, ja was für diese Zeit nicht übersehen werden darf, viele
sogar mehr oder minder sinnreich abschliessen. Die Sprache ist durchaus
klar und bündig, zwar ohne Schmuck poetischer Bilder und Tropen,
welche man überhaupt in dieser Zeit vergeblich suchen wird,
aber stets edel und gehoben und oft voll dichterischen Schwunges.
Dadurch allein schon erhält unser Lied einen grossen Werth. Dieser
wird aber noch erhöht durch die lebendige Schilderung der zwar allbekannten
aber grossartigen Thaten des Heilands vor und nach
seiner Menschwerdung, so wie seines Lebens und Wirkens hiernieden,
was Alles hier in einfacher und schlichter Rede ohne Prunk und
Wortschwall, ohne Haschen nach Erfolg mit der innern Glut und
Kraft unerschütterlichen Glaubens und echter Frömmigkeit in grossartigen
und allgemein fasslichen Umrissen nur mehr angedeutet als
weitläufig ausgeführt wird. Besonders hervorzuheben ist am Schlüsse
der Hymnus an das Kreuz Christi, welcher durch die Tiefe und Innigkeit
der Empfindung gewiss Jedermann ansprechen dürfte. Das
Ezzolied gleicht in vieler Beziehung den alten lateinischen Kirchenliedern,
welche eben auch durch ihre edle Einfachheit Allen verständlich
sind, und durch ihre innere Wahrheit und Andacht das Gemütli
verwandter Seelen tief ergreifen und da eine bleibende Stätte
finden, welche ihnen selbst die neuere Kritik die mehr nach Gebrechen
und Mängel sucht, und für religiöse Stoffe, wie schön und erhaben
sie auch seien, weniger Sinn und Gefühl hat, nimmer zu rauben
im Stande sein wird.
Das Lied beginnt nach der vielfach besprochenen Einleitung mit
dem Evangelium Johannis: In principio erat verbum und stellt
Christum dar, als den wahren Gottes Sohn, als den Heiland der Welt
und das Licht, das da leuchtet in der Finsterniss. Hierauf schildert
der Verfasser in einem hymnenartigen Glaubensbekenntniss Christum
als den eigentlichen Schöpfer des Himmels und der Erde, d. i. nach
der Auslegung des Conciliums von Nicäa, der unsichtbaren und sichtbaren
oder der geistigen und materiellen Welt und dann des Menschen,
der als ein Mittelglied zwischen beiden zuerst geistig, nach dem
Ebenhilde Gottes, geschaffen wurde, indem er ihm seinen Geist ein-