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D i e m e r
Heimat erinnern wollte. Aus diesem Grunde (so schliesst sich die
X. Strophe unmittelbar an) wollte Gott auch den Menschen ganz besonders
schmücken. Er gab ihm das Augenlicht von dem Feuer, das
Gehör von den höhern Lüften u. s. w. und schuf ihn aufrecht, dass er
empor schaue und sich von dem Vielie unterscheide. Diese Strophe
ist vollkommen berechtigt und an ihrem Orte, nicht aber die vorhergehende
IX. welche daher ganz aus den gleichen Gründen wie jene
XII 1 ’ als unecht ausgeschieden werden muss.
Hierzu tritt noch ein anderer Umstand der Beachtung verdient.
Das Lied enthält nämlich, wenn man die genannte Strophe entfernt
gerade 30 Strophen, jede mit 10 Versen, was ein schönes natürliches
Verhältniss bildet. Vergleicht man dieses mit andern völlig
gleichzeitigen Liedern, z. B. mit dem Liede Salomon mit 20 Strophen
von je 10 Versen, dem Paternosterleich mit ebenfalls 20 Strophen
und je 12 Versen; so sieht man, dass eine gerade Zahl von Strophen
selbst bei grossem Liedern nicht ganz zufällig sei. Ist aber das Lied,
wie ich schon oben bemerkte, an die Sancta Trinitas gerichtet, so
gewinnt diese Zahl noch eine höhere mystische Bedeutung, denn es
ist nicht unwahrscheinlich, dass die Verfasser für je eine göttliche
Person 10 Strophen oder eine Decade bestimmten, welche dreimal
genommen, das ganze Gedicht oder die drei göttlichen Personen als
Einen Gott darstellen.
Wir wollen jedoch auf diese Deutung, obwohl sie Manches für
sich hat, kein besonderes Gewicht legen, sondern kehren auf unsere
Vermuthung zurück, dass nicht selten eine runde Strophenzahl bei
einzelnen Dichtungen beabsichtigt war. Wenn diese Vermuthung gegründet
ist, so erscheinen im Ezzoliede die 33 Strophen, jede mit
12 Versen um so auffallender und es tritt da die Absichtlichkeit des
Verfassers und die Deutung der ersten Zahl auf die Lebe n s j a h r e des
Heilands und der zweiten auf die 12 Monate eines Jahres um so bedeutsamer
hervor. Diese, gewiss mehr als bloss nur zufällige Übereinstimmung
würde auch einen neuen Beleg liefern für die Identität
unseres Liedes mit der Cantilena Ezzo’s, denn leicht konnte der Biograph
Altmann’s selbe im Sinne gehabt haben* wenn er von Ezzo
sagt: cantilenam patria lingua mir ab Hit er composuit. Jedenfalls
würde diese Art künstlicher Fassung dem Geiste und der beliebten
Zahlensymbolik jener Zeit mehr entsprechen als der complicirte Leich,
welchen Müllenhoff herausbrachte.