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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

Beiträge  zur  altern  deutschen  Sprache  und  Literatur.

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er  vil  so  nidire,  daz  er  nimmer  liamit  widiri.  Gehen  wir  auf  die
IV.  Strophe,  ebenfalls  mit  12  Versen,  über,  so  sehen  wir  in  den  zwei
ersten  Versen  wieder  eine  unnöthige  Einleitung,  welche  kaum  vom
Verfasser  herrühren  dürfte.  Die  Strophe  fing  vielleicht  so  an:  Got
mit  siner  wislieit  rät  ellu  dinch  giworcht  hat.  Nehmen  wir  nun  die
X.  Strophe  mit  11  Versen,  so  haben  wir  Vers  2—5  auf  einmal
drei  Reime  statt  der  gewöhnlichen  zwei,  was  nicht  wahrscheinlich
ist.  Die  Verse  mögen  ursprünglich  gelautet  haben:  er  gab  im  duz
gisuni  von  dem  vuri,  von  den  höhirin  luftin  daz  gihori.  Auf  die
IX.  Strophe  mit  13  Versen  werden  wir  sogleich  zurückkommen.
Einen  anderen  Beleg,  wie  die  Schreiber  mit  ihren  Vorlagen  willkürlich ­
  verfahren,  liefert  auch  der  Paternosterleich  (hei  Müllenhotf
Denkm.  S.  126).  Hier  soll  die  IV.  Strophe  allein  14  Verse  enthalten,
während  alle  andern  19  Strophen  nur  je  12  Verse  haben.  Es  ist  dies
kaum  möglich.  —  Offenbar  hat  da  ein  übereifriger  Schulmeister  die
Verse  S  u.  G  eingeschaltet,  um  die  Strafen  des  Erziehers  bei  mutliwilligen
  Knaben  mit  einem  Beispiel  aus  der  heiligen  Schrift  zu  rechtfertigen.
  Einen  ähnlichen  Fall  liefert  die  Strophe  12 b  im  Liede  von
der  Schöpfung.  Auch  hier  liegt  die  Unechtheit  offen  am  Tage,  was
Scherer  auch  richtig  erkannte.  Es  ist  nur  zu  wundern,  dass  er  dieselbe ­
  nicht  auch  bei  den  obgenannten  Stellen  der  Schöpfung  und  bei
der  ganzen  IX.  Strophe  bemerkt  hat.  Auch  diese  halte  ich  für  eine
Interpolation,  die  wahrscheinlich  nur  aus  einem  althochdeutschen
Gesprächsbüchlein  herrührt,  denn  sie  unterscheidet  sich  rücksichtlich ­
  ihres  Metrums  zum  Nachheil  von  allen  übrigen,  auch  hat  sie  in
den  Versen  4—6  drei  Reime,  was  sonst  nie  mehr  vorkommt.  Ferner
verräth  ihre  Fassung  durchaus  eine  ungeübte  Hand,  denn  crefti  V.  2.
passt  nicht  hieher,  V.  4  und  9  sind  nichtssagend,  überflüssig  und
verrathen  die  Noth  des  Schreibers,  die  kurzen  Verse  des  Originals  in
längere  umzubilden.  Übrigens  ist  die  ganze  Strophe  auch  dem
Sinne  nach  unnöthig  und  schliesst  sich  nur  mehr  gezwungen  an  die
vorausgehende  an.  Diese  sagt  schon  V.  3,  dass  Gott  den  Menschen
schuf.  Hier  wäre  der  geeignete  Ort  gewesen  von  der  Art  und  Weise
zu  reden,  wie  die»  geschah,  nicht  aber  erst  in  der  Strophe  IX,
nachdem  inzwischen  VIII,  4—12  schon  davon  gesprochen  wurde»
wie  Gott  die  ganze  Welt  für  den  Menschen  geschaffen  habe,  wie  er
ihn  durch  die  Wonne,  welche  er  in  der  ganzen  Schöpfung  fand,  fü
seine  künftige  Verbannung  trösten  und  an  die  Freuden  der  himmlischen
            
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