Beiträge zur altern deutschen Sprache und Literatur.
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er vil so nidire, daz er nimmer liamit widiri. Gehen wir auf die
IV. Strophe, ebenfalls mit 12 Versen, über, so sehen wir in den zwei
ersten Versen wieder eine unnöthige Einleitung, welche kaum vom
Verfasser herrühren dürfte. Die Strophe fing vielleicht so an: Got
mit siner wislieit rät ellu dinch giworcht hat. Nehmen wir nun die
X. Strophe mit 11 Versen, so haben wir Vers 2—5 auf einmal
drei Reime statt der gewöhnlichen zwei, was nicht wahrscheinlich
ist. Die Verse mögen ursprünglich gelautet haben: er gab im duz
gisuni von dem vuri, von den höhirin luftin daz gihori. Auf die
IX. Strophe mit 13 Versen werden wir sogleich zurückkommen.
Einen anderen Beleg, wie die Schreiber mit ihren Vorlagen willkürlich
verfahren, liefert auch der Paternosterleich (hei Müllenhotf
Denkm. S. 126). Hier soll die IV. Strophe allein 14 Verse enthalten,
während alle andern 19 Strophen nur je 12 Verse haben. Es ist dies
kaum möglich. — Offenbar hat da ein übereifriger Schulmeister die
Verse S u. G eingeschaltet, um die Strafen des Erziehers bei mutliwilligen
Knaben mit einem Beispiel aus der heiligen Schrift zu rechtfertigen.
Einen ähnlichen Fall liefert die Strophe 12 b im Liede von
der Schöpfung. Auch hier liegt die Unechtheit offen am Tage, was
Scherer auch richtig erkannte. Es ist nur zu wundern, dass er dieselbe
nicht auch bei den obgenannten Stellen der Schöpfung und bei
der ganzen IX. Strophe bemerkt hat. Auch diese halte ich für eine
Interpolation, die wahrscheinlich nur aus einem althochdeutschen
Gesprächsbüchlein herrührt, denn sie unterscheidet sich rücksichtlich
ihres Metrums zum Nachheil von allen übrigen, auch hat sie in
den Versen 4—6 drei Reime, was sonst nie mehr vorkommt. Ferner
verräth ihre Fassung durchaus eine ungeübte Hand, denn crefti V. 2.
passt nicht hieher, V. 4 und 9 sind nichtssagend, überflüssig und
verrathen die Noth des Schreibers, die kurzen Verse des Originals in
längere umzubilden. Übrigens ist die ganze Strophe auch dem
Sinne nach unnöthig und schliesst sich nur mehr gezwungen an die
vorausgehende an. Diese sagt schon V. 3, dass Gott den Menschen
schuf. Hier wäre der geeignete Ort gewesen von der Art und Weise
zu reden, wie die» geschah, nicht aber erst in der Strophe IX,
nachdem inzwischen VIII, 4—12 schon davon gesprochen wurde»
wie Gott die ganze Welt für den Menschen geschaffen habe, wie er
ihn durch die Wonne, welche er in der ganzen Schöpfung fand, fü
seine künftige Verbannung trösten und an die Freuden der himmlischen