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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

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Diemer

dessen  Erinnerung  die  Melker  Bibliothek  in  einem  Martyrologium
zwei  Briefe  des  Abtes  Hermann  bewahrt.  Vgl.  Jäck,  Gesell.  Michelsbergs ­
  S.  S.  i)
Ob  diese  Verbrüderung  eine  Nachwirkung  des  Andenkens  an
unsern  Ezzo  sei,  lässt  sieh  vermuthen,  aber  nicht  beweisen.  Oder  ob
überhaupt  um  diese  Zeit  zwischen  Bamberg,  dem  Stammsitze  unserer
Regenten,  und  der  Ostmark  eine  nähere  Verbindung  oder  ein  engerer
Verkehr  bestand,  ist  die  Aufgabe  der  Specialhistoriker  zu  erforschen.
Ja  es  dünkt  uns  nicht  unwahrscheinlich,  dass  die  wohlhabenden
edleren  Familien  damals  ihre  Söhne  theils  nach  Bec  theils  nach  der
berühmten  Schule  zu  Bamberg  zur  Ausbildung  sandten,  und  zwar
um  so  mehr  in  die  letztere,  als  Günther  der  dortige  Bischof,  wie  schon
oben  gemeldet  wurde,  in  der  Ostmark  reich  begütert  und  natürlich
auch  bekannt,  viele  Jünglinge  zum  Besuche  seiner  Schule  aufmuntern
mochte,  von  wo  sie  dann  gehörig  unterrichtet  zu  liöhern  geistlichen
oder  weltlichen  Würden  und  Ämtern  in  die  Heimat  wieder  zurückkehrten. ­
  Ein  ähnliches  Beispiel  haben  wir  aus  etwas  späterer  Zeit  in
Otto  von  Freisingen,  von  dem  ebenfalls  berichtet  wird,  dass  er  mit
IS  Jünglingen  der  angesehensten  Familien  zur  vollen  Ausbildung
nach  Paris  ging  und  dass  die  letztem  alle  dann  hier  höhere  geistliche ­
  Pfründen  erhielten  -).  So  würde  sich  auch  die  Berufung  Konrad’s
  nach  Göttweig  und  die  wahrscheinliche  Ezzo’s  nach  Melk,
welche,  da  Melk  eine  markgräfliche  Familienstiftung  war,  nur  mit
Einwilligung  des  Markgrafen  statt  haben  konnte,  noch  um  so  leichter
erklären  lassen,  weil  sie  als  einheimische  und  sehr  gelehrte  Männer

*)  Vgl.  auch  Keiblinger’s  Gesell,  des  Benedictiner-Stiftes  Melk.  Wien  18S1  S.  294
und  1137,  welcher  diese  zwei  hierauf  bezüglichen  Urkunden  in  das  Ende  des  XII.
Jahrh.  setzen  will,  indem  dieselben  an  den  Prälaten  C.  (Conrad)  gerichtet  seien.
Allein  dies  ist  aus  dem  einfachen  Grunde  nicht  wahrscheinlich,  da  nach  dem  Tode
des  Abtes  Herman  das  Kloster  und  die  dortige  Schule  immer  mehr  in  Verfall  geriethen
  und  nie  wieder  emporgebracht  wurden,  ferner  kann  C.  sehr  leicht  ein
Schreibfehler  für  E  sein,  wo  also  Erchenfried  der  von  1122—1163)  regierte,
gemeint  sein  kann.
2 )  lbi  (in  Paris)  proposito  tempore  studii  transaeto,  dum  ad  propria  redire  properaret,
  in  coenobio  Morimundensi  ubi  pernoctaverat,  se  monachum  fecit,  cum  aliis
quindecim,  qui  secum  venerant  electissimis  clericis.  Qui  etiam  ut  ab  uno  illorum
aitdivi  Friderico  nomine,  qui  et  ipse  in  abbatem  Povmkartenperge  et  deinde  in
Hungaria  in  episcopum  electus  fuerat,  omnes  in  diversas  dignitates  promoti  erant.
Pertz.  Scriptt.  tom.  XI.  p.  610.
            
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