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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

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Diener

welche  dort  bestanden  haben  soll  <).  Beide  Anstalten  geriethen  aber
nach  dem  Tode  Günther's  allmählich  in  Verfall.  An  der  Domschule
mögen  die  Kämpfe  der  Priester  mit  dem  simonistischen  Bischöfe
Hermann  (1065  —  1075)  und  Bobert  (1075  —  1102)  nachtheilig ­
  gewirkt  haben.  In  Michelsberg  untergrub  der  Abt  Rupert,
während  seiner  einjährigen  Verwaltung  1071  —1072  durch  seine
Habsucht,  weshalb  er  der  Wucherer  und  Geldmäkler  hiess,  den
Wohlstand  und  die  klösterliche  Ordnung  so  sehr,  dass  auch  seine
vier  Nachfolger  Ekbert,  Otto,  Willo  (-j-  1080)  der  die  Weise  zu  dem
Liede  der  Bamberger  Domherren  fand,  und  Thiemo  den  Verfall  nicht
aufhalten  konnten,  bis  endlich  im  Jahre  1112,  unter  Bischof  Otto  dessen ­
  Verwandter,  Aht  Wolfram,  wieder  Sitte  und  Ordnung  und  den
alten  Glanz  des  Klosters  herstellte.
Günther's  Leutseligkeit  und  Herablassung  gegen  seine  Umgehung
rühmt  Lambert  insbesonders,  die  Freundlichkeit,  mit  welcher  er
gelehrte  und  fromme  Männer  behandelte,  und  an  sich  zu  fesseln
wusste,  lässt  sich  aus  den  Briefen  Meinhard’s  erkennen.  (Vgl.  Sudendorf's
  Registrum  HI,  S.  20,  XII  und  XIII  und  das  Trostschreiben
Meinhard’s  an  einen  Freund  in  der  Diöcese  über  Günther’s  Tod
S.  28.)  Es  ist  daher  wahrscheinlich,  dass  auch  unsere  beiden  Scolastikcr
  Konrad  und  Ezzo  die  besondere  Gunst  und  Auszeichnung  ihres
geliebten  Herrn  genossen,  und  auf  der  grossen  Pilgerfahrt  sich  viel
in  dessen  unmittelbarer  Nähe  bewegt  haben.  Sie  theilten  mit  ihm
das  gleiche  Schicksal  und  die  grosse  Noth  der  dreitägigen  Belagerung
durch  die  Araber,  sie  erfreuten  sich  aber  auch  des  grossen  Sieges,
welchen,  wie  auf  göttliche  Fügung,  Günther  durch  seinen  Muth  und
seine  riesige  Stärke  herbeiführte.
Vielleicht  war  es  bald  nach  dieser  entscheidenden  Katastrophe,
nachdem  die  Pilgerschaar  sich  wieder  erholt  hatte  und  die  Stimmung
eine  allgemein  freudige  war,  dass  Bischof  Günther  Ezzo  aufforderte,
so  wie  in  der  Heimat  auch  da  seine  Kunst  zu  zeigen  und  ein  schönes
Lied  zu  dichten,  denn  um  diese  Zeit,  ehe  die  Pilger  Jerusalem
erreichten,  muss  dasselbe  entstanden  sein.  Ezzo  konnte  aus  dem
früheren  Vorgänge  den  Wunsch  seines  Herrn  vorhergesehen  oder
selbst  schon  daran  gedacht  haben,  diese  Gelegenheit  zu  benützen,

*)  Vgl.  hierüber  JäcVs  Geschichte  von  Michelsberg.  München.  1826  und  Siegf.
Hirsch,  Jahrbücher  des  deutschen  Reichs  unter  Heinrich  II.  S.  100—114.
            
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