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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

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Diem  er

nicht  sich  von  falscher  Hoffnung  täuschen  Hessen,  möchten  sie  wissen, ­
  dass  er  gedenke,  ihnen  zuvörderst  alles,  was  sie  besässen,  abzunehmen, ­
  sodann  aber  ihr  Fleisch  zu  essen  und  ihr  Blut  zu  trinken.
Und  unverzüglich  entfaltete  er  das  leinene  Tuch,  womit  er  den  Kopf
nach  der  Sitte  seines  Volkes  umwunden  hatte,  machte  daraus  eine
Schlinge  und  warf  sie  dem  Bischof  um  den  Hals.  Dieser,  als  ein  Mann
von  edler  Sittsamkeit  und  voll  gediegener  Würde,  duldete  die  Schmach
nicht,  sondern  schlug  jenen  mit  der  Faust  so  heftig  in’s  Gesicht,
dass  er  ihn  mit  einem  einzigen  Schlage  besinnungslos  niederwarf  und
jählings  zu  Boden  streckte,  laut  rufend,  dass  er  zuvor  für  seine
Gottlosigkeit  Strafe  leiden  solle,  weil  er,  als  ein  Ungeweihter  und
Götzendiener,  sich  unterstanden  hätte,  seine  unreinen  Hände  an  den
Priester  des  Herrn  zu  legen.  Sogleich  stürzen  die  anderen  Geistlichen ­
  und  Laien  herbei  und  binden  sowohl  diesem  als  den  Übrigen,
welche  in  das  obere  Stockwerk  gestiegen  waren,  die  Hände  so  fest
zusammengeschnürt  auf  den  Rücken,  dass  den  Meisten  das  Blut  aus
der  zerrissenen  Haut  durch  die  Nägel  hervorrann.  Als  die  Nachricht
von  dieser  kühnen  That  zu  denjenigen,  welche  in  dem  Erdgeschosse
standen,  gelangt,  so  machen  auch  sie  es  ebenso  mit  den  arabischen
Fürsten,  welche  bei  ihnen  waren.  Hierauf  erheben  alle  Laien  ein
lautes  Geschrei  zum  Himmel,  rufen  Gott,  den  Schöpfer  aller  Dinge,
um  Hülfe  an,  ergreifen  wieder  die  Waffen,  besetzen  die  Mauer,
werfen  sich  auf  die  Wachen,  welche  die  Thore  besetzt  hatten,
schlagen  sie  in  die  Flucht  und  zeigen  sich  überall  so  muthvoll,  so
gekräftigt  durch  den  unerwarteten  Erfolg,  dass  man  glauben  sollte,
es  habe  sie  keine  Abspannung  und  kein  Nachtbeil  durch  das  dreitägige ­
  Fasten  und  Mühsal  betroffen.  Über  so  grosse  Rührigkeit,  welche
so  plötzlich  aus  dieser  misslichen  Lage  und  äusserster  Verzweiflung
hervorgetreten  war,  staunen  die  Araber  sehr  und  vermuthen  keinen
andern  Grund  dieser  neuen  Erscheinung,  als  dass  an  ihren  Fürsten
die  Todesstrafe  vollzogen  worden  sei;  sie  stürzen  daher  voll  der
feindseligsten  Wuth  in  den  Kampf  und  schicken  sich  an,  in  gedrängter ­
  Schaar  mitten  durch  Waffen  und  Männer  in  das  Lager  einzubrechen. ­
  Und  es  wäre  um  die  Christen  geschehen  gewesen,  wenn  ihnen
nicht  noch  zu  rechter  Zeit  ein  rettender  Gedanke  gekommen  wäre.
Sie  stellten  nämlich  die  gefesselten  Fürsten  an  den  Platz,  wo  die
Feinde  mit  dem  kräftigsten  Andrang  und  dem  dichtesten  Pfeilregen
angriffen,  und  zu  ihren  Häupten  einen  Mann  zur  Beobachtung,  wel-
            
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