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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

Beiträge  zur  altern  deutschen  Sprache  und  Literatur.

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wohl,  dass  Günther  zu  viel  Zeit  dem  Schlafe  gönne,  dass  er  lieber
von  Etzel  und  Amalung  und  andern  Helden  der  Sage  lese,  als  von
Gregor  dem  Grossen  und  Augustin,  dass  ihm  der  Kriegslärm  mehr
beschäftige,  als  einem  Bischof  zieme,  aber  aus  jeder  dieser  Rügen,
halb  scherzhaft,  halb  im  Ernste  vorgetragen,  sieht  doch  die  zärtlichste
Liehe  zu  dem  leutseligen,  klugen  und  schönen  Bischof  hervor“  4 ).
Directe  Belege  für  Günthers  „Abstammung  aus  einem  sehr  vornehmen, ­
  in  der  Mark  Oestreich  angesessenen  Geschleckte“  sind  mir
nicht  vorgekommen,  vielleicht  liefert  GieseDrecht  solche  in  den  Anmerkungen ­
  zu  dem  genannten  Theile  seiner  Geschichte.  Wohl  aber
fand  ich  in  Meiller’s  Regesten.der  Babenberger,  S.  7,  dass  Kaiser
Heinrich  III.  im  Jahre  1035  Günthern  quodclam  nostrurh  predium
in  comitatu  Ernestonis  osterich  dicto  und  ein  Paar  mansos  als  freies
Eigen  schenkte.  Günther  war  vom  17.  Februar  1054  bis  4.  Juli  1056
Kanzler  in  Italien,  mithin  erfolgte  diese  Schenkung  noch  vor  seiner
Ernennung  zum  Bischof  von  Bamberg  im  Jahre  1057.  Sein  Yerhältniss
  zu  Anno,  seine  Streitigkeiten  mit  der  Kaiserin  Witwe  Agnes,  so
wie  die  innern  Beweggründe  der  hohen  Theilnehmer  an  der  grossen
Fahrt  nach  Jerusalem  berühren  uns  weniger,  als  diese  selbst.  Günther ­
  veranstaltete  sie  im  Jahre  1064,  also  vor  mehr  als  800  Jahren,
mit  grossem  Eifer.  Die  mächtigsten  und  angesehensten  Kirchenfürsten
betheiligten  sich  daran,  wie  der  Erzbischof  Siegfried  von  Mainz  mit
seinem  Vicedomus  Heriman,  die  Bischöfe  Otto  von  Regensburg,  Wilhelm ­
  von  Utrecht  und  Altmann  der  Hofcaplan  der  Kaiserin  Agnes.
Mehr  als,  7000  Menschen  vereinigten  sich  zu  dem  Zuge,  theils  aus
Frömmigkeit,  theils  in  der  allgemein  verbreiteten  Meinung,  das  jüngste
Gericht-stehe  bevor,  weil  in  dem  Jahre  1065  Ostern  auf  den  27.  April
fiel,  an  welchem  Tage  damals  die  Feier  der  Auferstehung  des  Herrn
als  unbewegliches  Fest  begangen  wurde.  Seihst  aus  dem  fernen  England ­
  kamen  30  wohlgerüstete  Ritter  herbei  und  nahmen  an  der  Fahrt
Theil.  Vgl.  Ingulphus,  Rerum  anglicarum  scriptores  post  Bedam  praecipui.
  Francof.  Wechel,  1601,  S.  903—4.  Die  grosse  Zahl  der  Theilnehmer, ­
  die  Fürsten  mit  ihrem  Gefolge,  auf  hohem  Rosse  im  Gold-  und

l)  Numquam  Ule  Augustinum,  numquam  illc  Gregorium  recolit,  semper  ille  Attilam,
Semper  Amahmgum  et  cetera  id  gerne  portenta  traclat,  versat  ille  non  libros  sed
lanceas,  miratur  Ule  non  litterarum  apices  sed  mucronum  acies.  vgl.  Sudendorf’s
Registrum  11,  10.  und  Haupt  s  Zeitschr.  XU,  311.
            
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