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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

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Dieme  r

diu  sele  shol  ir  selber  rätent,  al  ghut  der  diue  gibitent,  der  völlig
unerhört  ist.  Welche  Freiheiten  sieh  die  Schreiber  bei  der  Abschrift
der  ihnen  vorliegenden  Originale  erlaubten,  und  wie  sie  selbe  oft  in
einen  ganz  verschiedenen  Dialekt  umschrieben,  sehen  wir  ja  in  sehr
vielen  Beispielen,  wie  in  Notker’s  Psalmen  bei  Graff,  in  Williram’s
hohem  Liede  bei  Hoffmann,  und  worauf  ich  schon  bei  andern  Gelegenheiten ­
  und  jüngst  wieder  zu  Joseph  1166  hingewiesen  habe,  in  Heinrich’s
  Litanei  nach  den  Fundgruben  und  der  Recension  beiMassmann,
im  Alexanderliede  bei  Diemer  und  Massmann,  in  der  Kaiserchronik
nach  der  Vorauer  und  Heidelberger  Handschrift,  welche  alle  auf  das
Schlagendste  beweisen,  dass  man,  wenn  andere  Gründe  dagegen
sprechen,  aus  dem  Dialekte  der  Überlieferung  allein  keinen  festen
Schluss  auf  das  Vaterland  einer  Dichtung  machen  dürfe.  Wollte  man
auf  die  erstere  ein  solches  Hauptgewicht  legen,  so  müsste  man  auch
das  Ezzolied  nicht  Bamberg,  sondern  Österreich  zuweisen.  Obwohl
die  Sprache  in  unserm  Denkmale  noch  sehr  alterthümlich  ist,  so  berechtigt ­
  sie  doch  nicht  zur  Voraussetzung,  dass  sie  durchaus  authentisch ­
  sei,  deshalb  kann  sie  keineswegs  als  massgebend  für  die  Bestimmung ­
  des  Vaterlandes  der  Dichtung  gelten.
Nachdem  ich  nun,  wie  ich  glaube,  hinlänglich  nachgewiesen
habe,  dass  wir  in  der  rede  von  dem  reliten  anegenge  Ezzo's  cantilena
  de  miraculis  Christi  vor  uns  haben,  und  dass  das  Lied  von  der
Schöpfung  nicht  unwahrscheinlich  ein  und  dasselbe  sei  mit  dem,  welches ­
  die  Domgeistlichen  Bambergs  auf  Befehl  des  Bischofs  Günther
verfassten,  will  ich  das  für  uns  Wesentliche  hier  zusammenstellen,
was  uns  aus  dem  Leben  der  daran  betheiligten  Personen  überliefert
und  bekannt  geworden  ist.
„Bischof  Günther,“  sagt  Giesebrecht  (Geschichte  der  deutschen
Kaiserzeit  Bd.  3,  56),  „stammte  aus  einer  sehr  vornehmen,  in  der
Mark  Ostreich  angesessenen  Familie,  war  in  Bamberg  erzogen  und
hatte  dann  Kaiser  Heinrich  III.  als  Kanzler  in  Italien  gedient.  Selten
hat  der  Himmel  mehr  für  einen  Sterblichen  gethan,  als  für  ihn.  Mit
Glücksgütern  übermässig  gesegnet,  von  stattlichstem  Körperbau  und
solcher  Schönheit,  dass  auf  seiner  Reise  nach  dem  Orient  die  Araber
von  weither  zuströmten,  um  ihn  zu  sehem,  von  leichter  Fassungsgabe
und  grösster  Anziehungskraft  im  Umgänge,  schien  er  Allen,  die  ihm
näher  standen,  gleich  wie  ein  besonderes  Geschenk  des  Himmels.
Meinhard,  der  damalige  Lehrer  der  Bamberger  Domschule,  tadelt
            
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