Beiträge zur altern deutschen Sprache und Literatur.
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gen, so müssten deswegen die Weltgeistlichen doch
nicht als faulende Glieder gänzlich von der Kirche abgeschnitte
n werden: denn wenn auch Sterne von Sternen
im Glanze verschieden wären, so schmückten sie doch
ein und dasselbe Angesicht des Himmels auf das
Schönste durch ihre Mannigfaltigkeit, und wenn auch
die Glieder ungleich wären und jedes besondere Dienste
verrichtete, so erfüllten sie doch mit einträchtiger,
wenn auch verschiedener Dienstbarkeit das Bedürfniss
eines und desselben Leibes.“ Vgl. Lambert’s Jahrb. v. Hasse.
S. 189—191.
Vergleichen wir den Schluss dieser Stelle Lambert’s mit der
19. Strophe der Schöpfung, so muss es auffallen, dass sich die Bamberger
Domherren in ihrer Bekämpfung des Mönchthums im Jahre
1075 ganz der gleichen Beweggründe bedienten, welche sie 10 bis
12 Jahre früher unter Bischof Günther geltend machten. Obwohl
beide Stellen aus der heiligen Schrift entlehnt sind, so ist doch die
vollständige Mittheilung derselben und ihre Anwendung für den
gleichen Fall meiner Ansicht nach nicht zufällig. Wer anders als
gerade die Bamberger Geistlichkeit würde darauf verfallen sein sie
für politische Zwecke zu gebrauchen? Wem anders konnte das herbeigezogene
Gleichniss von dem Leibe Christi und seiner Glieder
und dessen Nutzanwendung mehr im Andenken sein, als eben nur
ihnen, welche dasselbe aus dem von ihnen verfertigten und vielleicht
wiederholt gesungenen Liede genau kannten? Ja seihst der keineswegs
geläufige Vergleich frommer Männer mit hellleuchtenden Sternen,
die da den Himmel schmücken, war ihnen aus Strophe 10 und 11
des Ezzoliedes gewärtig. Hiezu kommt noch die auffallend gleichartige
Fassung und der Sinn der unmittelbar folgenden Strophe 20,
3. 4. „sui s'i unsich dunkin mislich zi demo gotis lobi sint s’alli gilich“
mit den Worten Lamberts: „und wenn auch die Glieder
ungleich wären, so erfüllten sie doch mit einträchtiger
1 ) Si Deo familiarius adhaereant monaclii, tamquaM honestior et sublimior portio corporis
Christi, non idcirca clericos tamquam membra putrida penitus abscindendos
esse ab ccclcsia, quia, licet stellac ab stellis differant in claritatc 3 unam tarnen cceli
fadem decentissime distinguant sua varictate et licet membra disparia sint et suis
singula functa officiis, concordi tarnen licet dispari famulatu necesitatem cxpleant
unius eiusdcmque corporis. Pertz. Moniim. Germ . Script. V. p. 220.
Sitzb. d. phil.-hist. CI. LV. Bd. II. Hft. 20