292
D i e m e r
in drin ginennidin || ist daz anegengi edler dincli. Per unitatem
itaque ipse fons et prineipium omniurn rerum Deus intelligitur.
Honor. August. Hexaemeron p. 2636, wodurch der obige Titel alsogleicli
Bedeutung erhält. Aber auch schon der unerhörte schwache
Genit. dingin deutet auf eine Änderung im Texte. Diesem ältesten
Titel entspricht auch das ganze Lied; denn dasselbe handelt von
Schöpfung der geistigen und materiellen Welt, der Engel und des
Menschen durch die heilige Dreieinigkeit, worauf die Auflehnung und
Verstossung des Teufels in die Hölle, dann der Sündenfall und die
Erlösung des Menschen folgt. Daran schliesst sich in gleichartigen
Umrissen eine Darstellung der Hauptlehren des Heilands, die Notliwendigkeit
ihrer Befolgung zur Erlangung der ewigen Seligkeit, das
jüngste Gericht, die Strafe der Verdammten und die Belohnung der
Auserwählten im Himmelreiche. Die Tendenz des Ganzen ist das
Lob und die Verherrlichung der Sanctci Trinitas in ihrem vereinten
Schaffen und Wirken als ungetheilte Unitas.
Die zweckmässige Wahl des Gegenstandes, der kunstvolle
Strophenbau, die darin niedergelegte Gelehrsamkeit und die schöne
kernige Sprache, der Reichthum an Thatsachen und der Schwung
einer gehobenen Darstellung sind Eigenschaften, in Folge deren die
Schöpfung auch in dieser Beziehung das von Bischof Günther befohlene
guote liet sein kann. Als Beleg des Gesagten mögen hier
die zwei ersten und die zwei letzten Strophen nach Scherer’s
Recension einen Platz finden, welche wir zum allgemeinen Verständniss
zugleich mit einer neudeutschen Übersetzung begleiten.
Sie lauten:
I. Got ul eine in drin ginnenidin
ist daz anegengi allir dincli').
der gibundin hat den diuval
des mäncraft wonit ubir al:
h. su ist obini du dinc riclitinti,
undin uf habinti,
innin si irvullinti,
uzzin umbi vdhinti.
dar an ist unvirwandillieit
uni unmüzi und uni arbeit.
!) Vgl. oben S. 21.