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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

Beiträge  zur  altern  deutschen  Spruche  und  Literatur.

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im  Ezzoliede  ein  schöner  wohldurchdachter  Plan  schon  im  Eingänge
und  in  der  Durchführung  leicht  erkennbar  ist  und  die  einzelnen  Tlieile
sich  natürlich  aneinanderfügen,  hat  man  in  der  Schöpfung  oft  Mühe
den  Inhalt  und  die  eigentliche  Tendenz  des  Ganzen  herauszufinden
und  die  Motive  der  Übergänge  von  einer  Strophe  zur  andern  zu  erkennen. ­
  Während  der  Styl  im  erstem  sich  durch  Einfachheit  und
Klarheit  auszeichnet,  ist  er  im  letztem  gedrängt  und  oft  überladen.
Man  sieht  daraus,  dass  es  den  Verfassern  vorzüglich  daran  gelegen
war,  ihr  Licht  nicht  unter  den  Schädel  zu  stellen,  sondern  überall
hell  leuchten  zu  lassen.  Daher  die  vielfachen  Beziehungen  auf  die
heilige  Schrift  und  die  Lehren  der  Kirchenväter,  die  sie  im  engsten
Rahmen  nur  mehr  andeuteten  als  weiter  auszuführen  suchten,  so  dass
sie  nur  dem  Eingeweihten  verständlich  sind.  Das  Lied  ist  durchaus
ein  gelehrtes,  welches  das  üdi  profunum  vulgus  et  arceo  überall  an
der  Stirne  trägt,  und  ein  solches  zu  liefern,  war  auch  offenbar  die
Absicht  der  Verfasser.  Aus  diesem  Grunde  kann  man  ihm  wohl  kaum
mit  Scherer  den  äusserst  prosaischen  Titel  Summa  theologiae  geben,
welche  in  der  Regel  nur  für  Anfänger  und  leicht  verständlich  abgefasst
  ist.  Ein  Styl  aber,  in  welchem,  wie  Scherer  selbst  zugesteht,  die
Worte  gewissermassen  nur  Symptome  der  Gedanken,  also  erst  dann
zu  verstehen  sind,  wenn  man  hinter  sie  zurück  auf  die  dem  Dichter
vorschwebeude  Anschauung  gebt,  ein  Styl,  der  viele  der  geläufigen
Deutungen  mittelalterlicher  Theologie  mehr  voraussetzt  und  streift
als  mittheilt  und  entwickelt,  passt  doch  offenbar  nicht  für  eine  solche
Summa.  Eine  solche  zu  dichten  lag  auch  nicht  in  der  Absicht  der
Geistlichen,  denn  dazu  hätten  sie  sich  wie  gewöhnlich  der  lateinischen ­
  Sprache  und  der  Prosa  bedient.  Sie  wollten  vielmehr  ein  Loblied ­
  auf  die  heilige  Dreieinigkeit  und  ihr  Wirken  verfassen,  und  diesen
Titel  scheint  auch  das  Lied  ursprünglich  gehabt  zu  haben;  denn  in
der  Handschrift  findet  sich  von  einer  Hand  des  13.  oder  14.  Jahrhunderts ­
  mit  sehr  kleinen  IJuchstaben  unmittelbar  über  dem  Anfang  die
Aufschrift:  De  sancta  trinitate.  Ich  habe  dieselbe  bei  dem  Abschreiben ­
  nicht  beachtet,  weil  sic  jünger  ist,  und  ich  sie  damals  nicht  für
passend  hielt.  Da  aber,  wie  aus  dem  oucli  der  Strophe  II,  2  hervorgeht, ­
  die  beiden  ersten  Verse  des  Liedes  sehr  wahrscheinlich  verderbt ­
  sind,  und  Got  vater  allein  nicht  die  Trinitas  bedeuten  kann,
mithin  das  Object  der  nachfolgenden  Vergleichung  fehlt,  so  lässt  sich
vermuthen,  dass  die  Stelle  ursprünglich  gelautet  habe:  Got  al  eine
            
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