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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

Beiträge  zur  altern  deutschen  Sprache  und  Literatur.

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Schöpfung  unmittelbar  geübt  haben,  da  ihm  beide  Handschriften  in
Göttweig  zu  Gebot  standen,  und  so  viele  Belege  da  sind,  dass  er  sie
auch  wirklich  benützt  hat.  Auf  ähnliche  Weise  mag  auch  Gottfried
von  Viterbo,  der  in  Bamberg  seine  Jugendbildung  erhielt,  die  Stelle
von  der  Schöpfung  des  Menschen  aus  einer  dort  befindlichen  Handschrift ­
  entnommen  haben.  Diese  Umstände  sind  aber  für  die  Richtigkeit ­
  unserer  Vermuthung,  dass  wir  in  der  Schöpfung  jenes  Lied  der
Bamberger  Geistlichkeit  vor  uns  haben,  von  hoher  Wichtigkeit,  denn
die  Schriftsteller  oder  Dichter  benützen  vor  allem  nur  die  einheimischen ­
  Dichtungen  und  solche  Handschriften,  die  ihnen  leicht  zugänglich ­
  sind.  Daher  sind  derlei  Parallelstellen  für  die  Literatur-Geschichte
beachtenswerthe  Hinweisungen  auf  das  Vaterland  der  betreffenden
Dichtungen  seihst.  So  findet  sich  z.  B.  in  der  Kaiserchronik  eine
lange  Stelle  aus  dem  Liede  „vom  heiligen  Geist“  (vergl.  Kaiserchronik
20,  1—21,4  und  „Loblied  auf  den  heiligen  Geist.“  Diemer  S.  349,
19—352,  7)  und  dieses  beruft  sich  wieder  auf  ein  Lied,  welches  uns
die  Vertreibung  der  Hagar  aus  dem  Hause  Abrahams  in  die  Wüste
berichtet,  (vergl.  am  angef.  0.  353,  13—18.)  womit  entweder  „die
Bücher  Mosis“  oder  die  Wiener  Genesis  gemeint  sein  kann.  Auf  beide
letztere  beziehen  sich  ferner  einige  Stellen  in  dem  „Lehen  Jesu“  der
Ava  (vergl.  meine  Ausgabe  von  Genesis  und  Exodus,  Einleitung  VIII.
IX)  und  so  könnten  wir  noch  eine  Menge  anderer  Belege  hersetzen,
wenn  die  Sache  von  den  Fachmännern  nicht  längst  anerkannt  wäre.
Dieses  nachgewiesene  äussere  sowohl  als  innere  Verhältniss
der  Handschriften  und  des  Liedes  der  Schöpfung  mit  Göttweig  und
dem  Ezzoliede  verdient  daher  jedenfalls  hohe  Berücksichtigung.
Aber  auch  die  Zeit,  in  welcher  das  Lied  von  der  Schöpfung  verfasst ­
  wurde,  stimmt  mit  jener  der  Regierungsjahre  des  Bischofs  Günther ­
  (1056—1065),  welcher  den  Befehl  zu  dessen  Abfassung  gab,
wie  wir  sehen  werden,  vollkommen  überein.  Schon  die  Alterthümlichkeit
  in  der  Sprache  und  in  den  Reimen  zeigen  sein  hohes  Alter,  weshalb ­
  W.  Grimm  es  in  seiner  Geschichte  des  Reims  S.  173  sogar  in
den  Anfang  des  11.  Jahrhunderts  setzte.  Ihm  folgte  Wilhelm  Wackernagel ­
  in  der  deutschen  Literatur-Geschichte  S.  86.  Auf  beide  gestützt
glaubte  auch  Gervinus  in  seiner  Geschichte  der  deutschen  Dichtung
V.  Auflage,  1853,  S.  109,  meine  schon  im  Jahre  1851  in  den  Beiträgen ­
  I,  10  ausgesprochene  Ansicht,  dass  die  Schöpfung  fast  zu
gleicher  Zeit  wie  das  rekle  Anegenge  verfasst  worden  sei,  bezwei-
            
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