Beiträge zur altern deutschen Sprache und Literatur.
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Schöpfung unmittelbar geübt haben, da ihm beide Handschriften in
Göttweig zu Gebot standen, und so viele Belege da sind, dass er sie
auch wirklich benützt hat. Auf ähnliche Weise mag auch Gottfried
von Viterbo, der in Bamberg seine Jugendbildung erhielt, die Stelle
von der Schöpfung des Menschen aus einer dort befindlichen Handschrift
entnommen haben. Diese Umstände sind aber für die Richtigkeit
unserer Vermuthung, dass wir in der Schöpfung jenes Lied der
Bamberger Geistlichkeit vor uns haben, von hoher Wichtigkeit, denn
die Schriftsteller oder Dichter benützen vor allem nur die einheimischen
Dichtungen und solche Handschriften, die ihnen leicht zugänglich
sind. Daher sind derlei Parallelstellen für die Literatur-Geschichte
beachtenswerthe Hinweisungen auf das Vaterland der betreffenden
Dichtungen seihst. So findet sich z. B. in der Kaiserchronik eine
lange Stelle aus dem Liede „vom heiligen Geist“ (vergl. Kaiserchronik
20, 1—21,4 und „Loblied auf den heiligen Geist.“ Diemer S. 349,
19—352, 7) und dieses beruft sich wieder auf ein Lied, welches uns
die Vertreibung der Hagar aus dem Hause Abrahams in die Wüste
berichtet, (vergl. am angef. 0. 353, 13—18.) womit entweder „die
Bücher Mosis“ oder die Wiener Genesis gemeint sein kann. Auf beide
letztere beziehen sich ferner einige Stellen in dem „Lehen Jesu“ der
Ava (vergl. meine Ausgabe von Genesis und Exodus, Einleitung VIII.
IX) und so könnten wir noch eine Menge anderer Belege hersetzen,
wenn die Sache von den Fachmännern nicht längst anerkannt wäre.
Dieses nachgewiesene äussere sowohl als innere Verhältniss
der Handschriften und des Liedes der Schöpfung mit Göttweig und
dem Ezzoliede verdient daher jedenfalls hohe Berücksichtigung.
Aber auch die Zeit, in welcher das Lied von der Schöpfung verfasst
wurde, stimmt mit jener der Regierungsjahre des Bischofs Günther
(1056—1065), welcher den Befehl zu dessen Abfassung gab,
wie wir sehen werden, vollkommen überein. Schon die Alterthümlichkeit
in der Sprache und in den Reimen zeigen sein hohes Alter, weshalb
W. Grimm es in seiner Geschichte des Reims S. 173 sogar in
den Anfang des 11. Jahrhunderts setzte. Ihm folgte Wilhelm Wackernagel
in der deutschen Literatur-Geschichte S. 86. Auf beide gestützt
glaubte auch Gervinus in seiner Geschichte der deutschen Dichtung
V. Auflage, 1853, S. 109, meine schon im Jahre 1851 in den Beiträgen
I, 10 ausgesprochene Ansicht, dass die Schöpfung fast zu
gleicher Zeit wie das rekle Anegenge verfasst worden sei, bezwei-