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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

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D  i  e  m  e  r

als  Beleg  nur  die  beiden  letzten  Verse  der  vorletzten  Strophe  an,  in
welchen  von  den  Freuden  der  Seligen  die  Rede  ist,  es  heisst  da:  got
ist  ir  lig,  räwa  unde  minne,  also  daz  licht  ist  der  ougen  wunni.
Diera.  103,  10,  welchen  schönen  und  gewiss  nicht  häufigen  Gedanken,
was  Scherer  entgangen  ist,  wir  in  folgenden  Stellen  des  Ilonorius
wieder  finden:  Deus  est  gaudium  angelorum,  ut  ista  lux  J.  Ch.  cst
gaudium  oculorum  pag.  1184,  6,  ferner:  Erit  Deus  (ibi)  omnia
in  omnibus  et  ut  lux  oculis  sic  gaudium  animabus  pag  596.  Dass
die  Verfasser  der  Schöpfung  den  Honorius  ausgeheutet  haben  sollten,
wie  solches  von  Scherer,  vgl.  Denkmäler  S.  372,  als  möglich  aufgestellt ­
  wird,  kann  schon  aus  dem  einfachen  Grunde  nicht  geschehen
sein,  weil  die  Schöpfung,  wie  wir  später  ausführlicher  zeigen  werden, ­
  in  die  Mitte  und  nicht  in  das  Ende  des  11.  Jahrhunderts  zu
setzen  ist  und  die  Wirksamkeit  des  Honorius  erst  mit  dem  Anfänge
des  12.  Jahrhunderts  beginnt.  Der  Umstand,  dass  sich  in  drei
Parallelstellen,  Avie  Scherer  1.  c.  S.  372  meint,  Alnveichungen  und
Verkürzungen  der  gleichlautenden  in  der  Schöpfung  sollen  nacli-Aveisen
  lassen,  beAveist  gegen  die  grosse  Anzahl  anderer,  Avelehe
schlagend  die  Entlehnung  dartlnin,  um  so  Aveniger,  als  Honorius  von
Autun  ja  kein  geistloser  Abschreiber  Avar,  sondern  frei  und  selbstständig ­
  arbeitete  und  so  von  den  ihm  vorliegenden  Originalen  beliebig
abAvich.  Überdies  besass  Honorius  eine  gründliche  und  universelle
Bildung,  namentlich  in  der  Theologie,  dem  dieselben  Quellen  für
seine  Schriften  eben  so  gut,  Avie  dem  Ezzo  und  den  Verfassern  der
Schöpfung  bekannt  und  geläufig  waren.  Es  ist  daher  natürlich,  dass
er  oft,  Avenn  es  ihn  passend  dünkte,  einzelne  Stellen  der  letzteren
entweder  verkürzte  oder  andere  aus  dem  reichen  Schatze  seines
Wissens,  z.  B.  aus  dem  Isidorus  Hispal.  Beda  Venerab.,  Gregor  dem
Grossen,  Ambrosius  etc.  und  der  heiligen  Schrift  hiezu  fügte,  ohne
dass  desshalb  die  Hauptsache,  die  Benützung  unserer  beiden  Lieder
aufgehoben  zu  werden  braucht.  Auch  macht  Honorius  gar  kein  Hehl
daraus,  dass  er  die  Werke  Anderer  benütze  und  ausbeute,  sondern
sagt  imPrologus  zumEucharistion,Pez  thesaur.  aneedot.  Tom.  IIpars.  I,
Spalte  349  ausdrücklich:  Estnamque  in  campis  scripturae  discurrentibus
  familiäre  aliorum  Studium,  aliorum  opus  commendare.  Sicuti
mutuo  se  amantes  varios  de  gratis  flores  legentes,  serta  ab  aliis
contexta  sibi  tollere,  a  se  autem  nexa  solent  aliis  imponere.  Warum
soll  er  diese  GeAvohnheit  so  Avie  bei  Ezzo  nicht  auch  bei  der
            
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