Beiträge zur altern deutschen Sprache und Literatur.
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Zu diesen äussern Beziehungen, die man nicht unterschätzen darf,
kommen noch die inriern, zu welchen ich besonders rechne, wenn einheimische
Dichter sich gegenseitig benützen und mehr oder minder
aussehreiben. Dass die Schöpfung auf Ezzo’s Gedicht nicht geringen
Einfluss übte, zeigt der in einzelnen Theilen auffallend gleichartige
Ideenkreis in beiden Gedichten. Es zeigt sich hierin zugleich, dass
unser Verfasser kein sclavischer Nachahmer war, sondern denselben
Gedanken in seiner Art selbstständig ausführte. Als Beweis vergleiche
man S. 321, 20—28 mit S. 96, 13—22; 321, 6—9 mit 96, 17 bis
22; 323, 10—13 mit 101, 8—18; 325, 27 ff. mit 97, 9—13; 326,
2—4 mit 100, 8—-10, vorzüglich aber über die Schöpfung des
Menschen S. 320, 6—20 mit 95, 18—96, 13. Einen Hauptheleg
gewähren uns auch die Werke des schon oben erwähnten Honorius
August., der wahrscheinlich ein Schottenmönch als Gast und Lehrer zu
Göttweig lebte, wie ich bereits im IV. Theile meiner Beiträge nacligewiesen
habe, und da auch eifrig im Dienste des Herrn theils mündlich,
theils durch seine Schriften wirkte. Es gibt kein altes Stift oder
Kloster in Oesterreich in dem sich nicht Handschriften derselben
fänden, von denen sehr viele bis in das 12. Jahrhundert hinaufreichen,
z. B. in Göttweig aus Heinrich’s Schenkung (vergl. meine Beiträge,
Theil III, 65), in Melk, in Heiligen-Kreuz, St. Florian etc., ja in der
Universitäts-Bibliothek zu Gräz allein fand ich deren mehr als 30,
welche offenbar aus den aufgehobenen Klöstern Steiermarks und
Kärnthens stammen. Man kann ihn daher mit Beeilt für den Gründer
und Hauptträger der theologischen Wissenschaft in diesen Ländern
halten und seine Werke zeigen in einer Unzahl von Stellen, wie er
nicht nur selbst unsere altern oder gleichzeitigen Dichtungen benützte
und ausbeutete, sondern wie auch manche heimatliche Dichter wieder
mit ihm dasselbe thaten. So hat er offenbar eben in Göttweig unsern
Ezzo vielfach benützt, vergl. Anmerkungen zu 6, 4; 17, 3; 32, 1 etc.,
und die Schöpfung bietet nicht weniger Belege dafür. Ich führe hier
in der Vor. Hds. ausgelassen wurde. Vgl. Diem. zu S. 26. Daraus lässt sich unserer
Ansicht nach ziemlich wahrscheinlich folgern, dass dein Abschreiber unsere Recension
dieses Gedichtes vorlag, welches einer der Capitularen des Stiftes Göttweig,
vielleicht Wir nt selbst, der vom Prälaten Ilartmnnn, wie wir wissen in das
Kloster Garsten geschickt wurde, um da auch die Benedictiner einzuführen (Vgl.
Kuen tom. II. p. 1. S. 12) dahin brachte, so dass sich der Schreiber diese Stelle
wegen ihres mystischen Inhalts besonders notiren konnte.