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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

Beiträge  zur  altern  deutschen  Sprache  und  Literatur.

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Zu  diesen  äussern  Beziehungen,  die  man  nicht  unterschätzen  darf,
kommen  noch  die  inriern,  zu  welchen  ich  besonders  rechne,  wenn  einheimische ­
  Dichter  sich  gegenseitig  benützen  und  mehr  oder  minder
aussehreiben.  Dass  die  Schöpfung  auf  Ezzo’s  Gedicht  nicht  geringen
Einfluss  übte,  zeigt  der  in  einzelnen  Theilen  auffallend  gleichartige
Ideenkreis  in  beiden  Gedichten.  Es  zeigt  sich  hierin  zugleich,  dass
unser  Verfasser  kein  sclavischer  Nachahmer  war,  sondern  denselben
Gedanken  in  seiner  Art  selbstständig  ausführte.  Als  Beweis  vergleiche
man  S.  321,  20—28  mit  S.  96,  13—22;  321,  6—9  mit  96,  17  bis
22;  323,  10—13  mit  101,  8—18;  325,  27  ff.  mit  97,  9—13;  326,
2—4  mit  100,  8—-10,  vorzüglich  aber  über  die  Schöpfung  des
Menschen  S.  320,  6—20  mit  95,  18—96,  13.  Einen  Hauptheleg
gewähren  uns  auch  die  Werke  des  schon  oben  erwähnten  Honorius
August.,  der  wahrscheinlich  ein  Schottenmönch  als  Gast  und  Lehrer  zu
Göttweig  lebte,  wie  ich  bereits  im  IV.  Theile  meiner  Beiträge  nacligewiesen
  habe,  und  da  auch  eifrig  im  Dienste  des  Herrn  theils  mündlich, ­
  theils  durch  seine  Schriften  wirkte.  Es  gibt  kein  altes  Stift  oder
Kloster  in  Oesterreich  in  dem  sich  nicht  Handschriften  derselben
fänden,  von  denen  sehr  viele  bis  in  das  12.  Jahrhundert  hinaufreichen,
z.  B.  in  Göttweig  aus  Heinrich’s  Schenkung  (vergl.  meine  Beiträge,
Theil  III,  65),  in  Melk,  in  Heiligen-Kreuz,  St.  Florian  etc.,  ja  in  der
Universitäts-Bibliothek  zu  Gräz  allein  fand  ich  deren  mehr  als  30,
welche  offenbar  aus  den  aufgehobenen  Klöstern  Steiermarks  und
Kärnthens  stammen.  Man  kann  ihn  daher  mit  Beeilt  für  den  Gründer
und  Hauptträger  der  theologischen  Wissenschaft  in  diesen  Ländern
halten  und  seine  Werke  zeigen  in  einer  Unzahl  von  Stellen,  wie  er
nicht  nur  selbst  unsere  altern  oder  gleichzeitigen  Dichtungen  benützte
und  ausbeutete,  sondern  wie  auch  manche  heimatliche  Dichter  wieder
mit  ihm  dasselbe  thaten.  So  hat  er  offenbar  eben  in  Göttweig  unsern
Ezzo  vielfach  benützt,  vergl.  Anmerkungen  zu  6,  4;  17,  3;  32,  1  etc.,
und  die  Schöpfung  bietet  nicht  weniger  Belege  dafür.  Ich  führe  hier

in  der  Vor.  Hds.  ausgelassen  wurde.  Vgl.  Diem.  zu  S.  26.  Daraus  lässt  sich  unserer
Ansicht  nach  ziemlich  wahrscheinlich  folgern,  dass  dein  Abschreiber  unsere  Recension
  dieses  Gedichtes  vorlag,  welches  einer  der  Capitularen  des  Stiftes  Göttweig,
  vielleicht  Wir  nt  selbst,  der  vom  Prälaten  Ilartmnnn,  wie  wir  wissen  in  das
Kloster  Garsten  geschickt  wurde,  um  da  auch  die  Benedictiner  einzuführen  (Vgl.
Kuen  tom.  II.  p.  1.  S.  12)  dahin  brachte,  so  dass  sich  der  Schreiber  diese  Stelle
wegen  ihres  mystischen  Inhalts  besonders  notiren  konnte.
            
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