Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

286

D  i  e  m  e  r

Das  Erscheinen  beider  in  ein  und  derselben  Handschrift  mit
andern  grösstentbeils  oesterreichischen  Dichtungen  ist  offenbar  kein
blosser  Zufall,  und  zwar  um  so  weniger,  als  zwischen  beiden  auch
sonst  noch  ein  so  enger,  äusserer  und  innerer  Zusammenhang  bestellt.
Die  Erfahrung  lehrt  uns,  dass  Sammelhandschriften  in  der  Regel
solche  Gedichte  enthalten,  welche  in  der  Heimat  des  Sammlers  oder
in  dessen  Nähe  entstanden  sind,  z.  ß.  die  Vorauer  Handschrift  und
jene  der  Wiener  Hofbibliothek  Nr.  317(1  mit  Konrad’s  von  Fussesbrunnen
  Leben  Jesu,  Urstende  und  Jüdel,  Heinrich’s  Gehugede,  dem
jungern  Angehge  etc.  Daher  schreibt  sich  auch  das  Vorkommen
ganzer  oder  bruchstückweise  erhaltener  Handschriften  meist  in  den
Gegenden,  wo  der  Verfasser  lebte,  welche  in  sehr  vielen  Fällen
gewichtige  Zeugnisse  für  das  Vaterland  der  Dichtungen  seihst  sind.
Einen  Beleg  des  Gesagten  liefert  uns  eben  „die  Schöpfung“,  von
welcher  im  Jahre  18S3  in  Nürnberg  ein  Fragment  gefunden  wurde,
welches  mit  der  27.  Strophe  hei  Miilleuhoff  vollkommen  übereinstimmt,
und  zuerst  in  dem  Berliner  Jahrbuch  X,  185  und  zuletzt  von  Bartsch
in  Pfeiffers  Germania  VIf.  267,  veröffentlicht  wurde  und  wahrscheinlich ­
  aus  Bamberg  stammt,  wo  die  Verfasser  lebten,  während
Ezzo’s  Lied  von  dorther  vollständig  nach  Oesterreich  gelangte.
Ebenso  fand  sich  in  neuester  Zeit  in  der  Bibliothek  des  Linzer
Museums  wieder  ein  Bruchstück  des  12.  Jahrhunderts,  die  Bücher
Moyses  enthaltend,  das  mit  dem  von  mir  herausgegebenen  Texte
S.  37,  23  bis  66,  8  übereinstimmt  (vergl.  Germania  1862,  S.  230  ff.),
welches  wahrscheinlich  aus  dem  nahe  gelegenen  früheren  Kloster
Garsten  kam  i ).
*)  Ein  zweites  nicht  minder  interessantes  Zeugniss  eben  auch  für  die  Bücher  Moyses
fand  ich  in  der  Lyceaibibliothek  zu  Linz,  und  zwar  in  derPgmt.  Hds.  desl2.Jh.  Foi.
T.  o.  Nr.  16  aus  dem  obgenannten  Kloster.  Diese  Hds.  enthält  auf  dem  Innern  des
rückwärtigen  Deckels  von  gleich  alter  Hand  die  dem  Moyses  über  die  Ankunft  des
Erlösers  von  Gott  gegebene  Verheissung  (siehe  meine  Ausg.  S.  66,  28),  von  welcher ­
  der  Verf.  sagt:  dass  er  das,  was  Gott  damals  zu  Moyses  gesprochen  habe,
verschweigen  müsse,  lateinisch  wolle  er  es  aber  sagen  und  derjenige,  der  es  verstehen ­
  wolle,  möge  alle  seine  Sinne  anstrengen;  die  Stelle  lautet:  Moyses  interroyavit
  dominum  deum  ita  dicens:  quanta  quantitus  transierit  et  quanta  remanserit,
cui  dominus  respondit  sic:  Istic  mel  maynus  apex  momenti  pleniludo  et  cyati  guta
et  omnia  compleuit,  tempus  quatuor  enim  semis  praeterierunt  et  adhuc  duo  semis
restant.  Was  hierin  vor  Allem  auffällt,  ist  der  Umstand,  dass  hier  nach  den  Worten
„quanta  quantitas“  dasselbe  bezeichnende  Wort,  nämlich  „temporis“  eben  so  wie
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.