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D i e m e r
Das Erscheinen beider in ein und derselben Handschrift mit
andern grösstentbeils oesterreichischen Dichtungen ist offenbar kein
blosser Zufall, und zwar um so weniger, als zwischen beiden auch
sonst noch ein so enger, äusserer und innerer Zusammenhang bestellt.
Die Erfahrung lehrt uns, dass Sammelhandschriften in der Regel
solche Gedichte enthalten, welche in der Heimat des Sammlers oder
in dessen Nähe entstanden sind, z. ß. die Vorauer Handschrift und
jene der Wiener Hofbibliothek Nr. 317(1 mit Konrad’s von Fussesbrunnen
Leben Jesu, Urstende und Jüdel, Heinrich’s Gehugede, dem
jungern Angehge etc. Daher schreibt sich auch das Vorkommen
ganzer oder bruchstückweise erhaltener Handschriften meist in den
Gegenden, wo der Verfasser lebte, welche in sehr vielen Fällen
gewichtige Zeugnisse für das Vaterland der Dichtungen seihst sind.
Einen Beleg des Gesagten liefert uns eben „die Schöpfung“, von
welcher im Jahre 18S3 in Nürnberg ein Fragment gefunden wurde,
welches mit der 27. Strophe hei Miilleuhoff vollkommen übereinstimmt,
und zuerst in dem Berliner Jahrbuch X, 185 und zuletzt von Bartsch
in Pfeiffers Germania VIf. 267, veröffentlicht wurde und wahrscheinlich
aus Bamberg stammt, wo die Verfasser lebten, während
Ezzo’s Lied von dorther vollständig nach Oesterreich gelangte.
Ebenso fand sich in neuester Zeit in der Bibliothek des Linzer
Museums wieder ein Bruchstück des 12. Jahrhunderts, die Bücher
Moyses enthaltend, das mit dem von mir herausgegebenen Texte
S. 37, 23 bis 66, 8 übereinstimmt (vergl. Germania 1862, S. 230 ff.),
welches wahrscheinlich aus dem nahe gelegenen früheren Kloster
Garsten kam i ).
*) Ein zweites nicht minder interessantes Zeugniss eben auch für die Bücher Moyses
fand ich in der Lyceaibibliothek zu Linz, und zwar in derPgmt. Hds. desl2.Jh. Foi.
T. o. Nr. 16 aus dem obgenannten Kloster. Diese Hds. enthält auf dem Innern des
rückwärtigen Deckels von gleich alter Hand die dem Moyses über die Ankunft des
Erlösers von Gott gegebene Verheissung (siehe meine Ausg. S. 66, 28), von welcher
der Verf. sagt: dass er das, was Gott damals zu Moyses gesprochen habe,
verschweigen müsse, lateinisch wolle er es aber sagen und derjenige, der es verstehen
wolle, möge alle seine Sinne anstrengen; die Stelle lautet: Moyses interroyavit
dominum deum ita dicens: quanta quantitus transierit et quanta remanserit,
cui dominus respondit sic: Istic mel maynus apex momenti pleniludo et cyati guta
et omnia compleuit, tempus quatuor enim semis praeterierunt et adhuc duo semis
restant. Was hierin vor Allem auffällt, ist der Umstand, dass hier nach den Worten
„quanta quantitas“ dasselbe bezeichnende Wort, nämlich „temporis“ eben so wie