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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

Beiträge  zur  altern  deutschen  Sprache  und  Literatur.

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Nach  der  im  Eingang  angeführten  Stelle  aus  Altmann’s  Leben
geht  hervor,  dass  Cuonrad  der  Reisegefährte  Ezzo’s  später  als  Propst
nach  Göttweig  kam.  Da  mochte  er  den  dortigen  Canonikern  oft  und
Vieles  von  jener  grossen  Pilgerfahrt  nach  Jerusalem  und  von  dem
ausgezeichneten  Liede,  welches  sein  Freund  während  derselben
verfasst  hatte,  erzählt  haben,  was  der  in  Göttweig  anwesende  Biograph ­
  Altmann’s,  der  bald  nach  1123  schrieb,  noch  selbst  gehört
haben  konnte.  Daraus  erklärt  sich  am  einfachsten  seine  genauere  Nachricht ­
  sowohl  über  die  genannte  Pilgerfahrt,  als  auch  über  unsern  Ezzo.
Ferner  ist  es  natürlich,  dass  sich  Cuonrad  von  Bamberg  eine
Abschrift  seines  Liedes  und  auch  des  andern  der  dortigen  Geistlichkeit ­
  nach  Göttweig  mitgenommen  hat,  und  dass  beide  dort  allgemein
bekannt  und  gelesen,  und  von  unseren  heimischen  Schriftstellern
auch  gelegentlich  benützt  wurden,  z.  B.  von  der  Ava  im  Leben  Jesu.
Diem.  233,  3,  7,  8  vergl.  zu  14,  4;  vom  Verfasser  des  Johannes.
Fdgb.  2,  139,  5  vergl.  zu  17,  9  und  noch  früher  von  dem  Dichter
der  Bücher  Mosis  Diem.  41,1—6.  Moyses  der  guote,  wie  wol  er  sie
behuote,  er  liiez  slahen  ein  lamb,  diu  harmscar  sd  erwant,  mit
des  lambes  bluote  ir  tur  si  segendten,  er  streich  ez  an  daz  ubertur,
der  sinkende  engel  vuor  da  fuor  mit  Strophe  26,  3—10.  Daraus
erklärt  sich  ferner  die  unzweifelhafte  Benützung  unseres  Liedes  von
Seite  des  Honorius  Augustodunensis,  der  höchst  wahrscheinlich  in
Göttweig  lebte  und  auf  den  wir  später  zurückkommen  werden.
Nachdem  wir  hinlänglich  dargethan  zu  haben  glauben,  dass
unser  Lied  vom  reilten  anegenge  mit  dem  Ezzo’s  von  den  Wundern
Christi  ein  und  dasselbe  sei,  scheint  es  angezeigt  zu  untersuchen,  ob
sich  denn  nicht  auch  Ezzo’s  Bericht  über  das  Lied,  welches  die
Bamberger  Geistlichkeit  auf  Befehl  ihres  Bischofs  verfasste,  mit  irgend
einem  der  uns  erhaltenen  Gedichte  in  näherer  Beziehung  stehe.
Schon  oben  habe  ich  ausführlich  gezeigt,  dass  sich  der  genannnte
Bericht  keineswegs  auf  unser  Lied,  sondern  auf  jenes  frühere  beziehen ­
  müsse  und  die  eben  angeführte  Stelle  lenkt  unsern  Blick  unwillkürlich ­
  auf  „die  Schöpfung“  bei  Diemer.  Auch  sie  konnte  auf  dieselbe
Weise  wie  Ezzo’s  Lied  von  Cuonrad  aus  Bamberg  nach  Göttweig
gebracht  und  von  da  später  nach  Vorau  gelangt  sein,  indem  es  den
dortigen  Chorherren  vor  Allen  daran  gelegen  sein  musste,  so  berühmte
Geistesproducte  ihrer  Ordensbrüder,  die  ihnen  seihst  zur  Ehre
gereichten,  in  Abschrift  zu  erhalten.

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