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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

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D  i  e  m  e  r

die  Zweifelnden  noch  etwas  enger  ziehen,  so  dass  am  Ende  kaum
eine  andere  Person  als  der  scolasticus  Ezzo  als  der  einzig  mögliche
Verfasser  übrig  bleibt.  Denn  wer  anders  als  ein  Bamberger  konnte
mit  der  Geschichte  des  Ortes  und  des  Domcapitels  so  innig  vertraut
sein  und  bis  auf  das  kleinste  Detail  selbst  die  kleinlichen  Umstände
wissen,  welche  die  Abfassung  und  Wirkung  eines  einfachen  Liedes
begleiteten?  Wer  anders  als  wieder  nur  ein  Bamberger  und  zwar  ein
Geistlicher  des  Domcapitels  würde  darauf  verfallen  sein,  diese  Umstände ­
  zu  benützen,  um  seinem  vielgeliebten  Bischof  im  Eingänge  seines ­
  Liedes  als  Freund  und  Förderer  der  deutschen  Poesie  ein  ebenso
schönes  als  ehrenvolles  Denkmal  zu  setzen?  Ja  selbst  das  Beiwort,
dessen  sich  der  Verfasser  bedient  „cler  guote  Gunthare“  beweist,  wie
sehr  der  Verfasser  seinen  Vorgesetzten  liebte  und  verehrte.  Dass  aber
Günther  die  Liehe  und  Achtung  Aller,  die  ihn  kannten  und  in  seiner
Nähe  waren,  auch  genoss  und  im  vollen  Masse  verdiente,  geht  aus
dem  gleichzeitigen  Zeugniss,  das  ihm  Lambert  von  Hersfeld  gibt,
unzweideutig  hervor.  Er  äussert  sich  über  ihn  folgendermassen:
„Diesen  so  grossen  Glanz  vergänglichen  Glücks  machte  noch  hellleuchtender ­
  und  vollkommener  der  reiche  Schatz  seiner  Seele,  die
Unschuld  seines  Lebens  und  die  Sittsamkeit  seines  Wandels,  denn
den  so  herrlichen  Ruhm  beider  Menschennaturen,  des  geistigen  nämlich ­
  und  des  irdischen  Menschen,  welchen  alle  an  ihm  bewunderten,
achtete  hlos  er  selbst  um  Gottes  Willen  so  gering,  dass  er  gegen
alle  Menschen  auch  vom  niedrigsten  Stande  sich  leutselig  wie  gegen
seinesgleichen  bewies.“  —  Alle  diese  Umstände  sprechen,  wie  wir
sehen,  entschieden  für  einen  Bamberger  als  Verfasser.  Nun  war  aber
nach  dem  Biographen  Altmann’s  Ezzo  ein  Bamberger  und,  was  noch
mehr  sagen  will,  Scolasticus  an  der  dortigen  berühmten  Schule  und
wie  es  weiter  heisst,  ein  vir  omni  scientia  et  eloquentia  praeditus,
und  nur  ein  solcher  Mann  konnte  unser  Lied  verfasst  haben,  das  sich
sowohl  durch  geistvolle  Anlage  als  geschickte  Durchführung  auszeichnet ­
  und  nicht  gewöhnliche  Kenntnisse  und  Übung  voraussetzt.  Aus
dem  Gesagten  geht  also,  wie  ich  glaube,  die  volle  Gewissheit  hervor,
dass  unser  Lied  wirklich  die  von  dem  Biographen  Altmann’s  erwähnte
cantilena  Ezzo's  sei.
Damit  stimmen  aber  auch  alle  andern  historischen  Verhältnisse
und  namentlich  der  Ort,  nämlich  Göttweig,  woher  uns  die  älteste
Nachricht  über  unser  Gedicht  zukam,  vollkommen  überein.
            
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