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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

Beiträge  zur  altern  deutschen  Sprache  und  Literatur.

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ganze  Strophe  ist  so  künstlich  und  sinnig  abgefasst,  dass  sie  nicht  nur
auf  die  Kirche  im  Allgemeinen  und  ihr  altes  Erbe,  d.  i.  das  Himmelreich
etc.,  sondern  ohne  den  geringsten  Zwang  auch  auf  die  Haupthegebenheiten ­
  und  Beschwerden  der  Fahrt  und  auf  das  irdische  Jerusalem
bezogen  werden  kann.  So  kann  man  unter  der  obgenannten  Befreiung
vom  Joche  Pharao’s,  d.  i.  des  Teufels,  recht  gut  die  Befreiung  der
Pilger  aus  den  Händen  der  Beduinen  verstehen,  worauf  wir  später
zurückkommen  werden.  So  kann  man  ferner  unter  dem  alten  Feinde,
der  den  Eintritt  in  das  Land  wehren  will,  so  dass  wir  den  Weg  nur
mit  Kampf  wandeln  sollen,  eben  auch  den  Anführer  der  Araber  verstehen, ­
  welcherdie  christliche  Pilgerschaar  bekämpfte,  durch  volle  drei
Tage  belagerte  und  ihr  jede  Zufuhr  von  Lebensmitteln  absebnitt,  so
dass  sie  vor  Hunger  und  Durst  fast  kampfunfähig  wurde.  So  kann  sich
die  Stelle:  „unser  lierzog  oder  Heerführer  ist  so  gut,  wenn  wir  den
Muth  nicht  sinken  lassen  und  so  gross  seine  Gewalt,  dass  wir  das  ersehnte ­
  Land  besitzen  oder  erreichen  werden,  ebenso  gut  auf  Christus
und  das  Himmelreich,  als  auf  den  BischofGunther  und  das  heilige  Land
beziehen,  das  sie  nun  schauen  sollen.“  Denn  dieser  war  es,  der  den
Anführer  der  Beduinen,  welcher  bei  der  Capitulation  der  Christen
nicht  nur  all  ihr  Hab  und  Gut,  sondern  auch  ihr  Fleisch  und  Blut
begehrte  und  frevelhaft  an  Günther  selbst  Hand  anlegte,  mit  einem
einzigen  kräftigen  Faustschlag  zu  Boden  warf  und  dadurch  alle
Andern  ermuthigte,  auch  die  übrigen  Araber  energisch  anzugreifen,
so  dass  dadurch  die  ganze  Christenschaar  gerettet  wurde.
Bezeichnend  ist  ferner  die  schöne  Anrede  an  das  Kreuz,  Strophe
XXX—XXXII,  welches,  wie  bei  solchen  Gelegenheiten  gewöhnlich  den
Pilgern  vorausgetragen  wurde;  ebenso  die  beiden  Schlusszeilen
XXXIII  du  wir  den  Mp  n&men,  dar  wulere  scul  wir  Amen,  indem  wir
unser  Heil  nicht  im  himmlischen,  sondern  im  irdischen  Jerusalem
erhalten  haben,  wo  Christus  für  uns  den  Tod  des  Kreuzes  starb  und
uns  zu  erneutem  Leben  führte.
Doch  aus  all  den  angeführten  Belegen  geht  nur  hervor,  dass
unser  Lied  jenes  des  Ezzo  sein  könne,  aber  nicht,  dass  es  unbedingt ­
  dasselbe  sein  müsse,  denn  es  kann  ja  auch  ein  anderer
Dichter  auf  der  Fahrt  anwesend  gewesen  sein  und  es  gedichtet
haben.
Obwohl  hei  gar  manchen  Dichtungen  die  Autorschaft  nicht  besser ­
  begründet  ist,  können  wir  jedoch  den  Kreis  der  Möglichkeiten  für
Sitzb.  <1.  phil.-hist.  CI.  LV.  Bd.  II.  Hft.  |9
            
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