Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

280

D  i  e  in  e  r

völlig  verschiedenen  ersten  Person  Gottes  spricht.  Dies  ist  jedoch
nicht  der  Fall,  indem  Christus  da,  wo  er  als  Gott  vor  seiner  Menschwerdung ­
  handelnd  auftritt,  seihst  von  den  deutschen  Schriftstellern
und  Dichtern,  (vgl.  Anmerk,  zu  4,  1,)  oft  auch  als  „Gott“  bezeichnet
wird.  Aus  dem  Gesagten  geht  aber  auf  das  unzweideutigste  hervor,
das  unser  Lied  durchaus  von  den  Wundern  Christi  handelt,  die  er
als  Gott  und  Schöpfer  der  Welt  und  des  Menschen  und  als  Erlöser
hiernieden  gewirkt  hat.  Darin  liegt  aber  ein  Hauptbeweis  für  die  Identität ­
  desselben  mit  der  im  Leben  Altmann’s  erwähnten  Cantilena
de  miraculis  Christi.
4.  Unser  Bericht  sagt  ferner,  dass  dasLied  auf  der  grossen  Pilgerfahrt ­
  nach  Jerusalem,  welche  Bischof  Günther  von  Bamberg  im
Jahre  1064  unternahm,  gedichtet  wurde.
Es  fragt  sich  nun,  ob  der  Inhalt  des  Gedichtes  wohl  der  grossartigen ­
  Veranlassung  entspricht  und  derselben  würdig  sei.  Auch  diese
Frage  werden  wir  unbedenklich  bejahen  können;  denn  welcher  Gegenstand ­
  hätte  wohl  einer  solchen  frommenPilgerrei.se  in  das  heilige
Land  angemessener  und  würdiger  sein  können  als  eine  Darstellung
des  Lebens  und  der  Wunder  Christi  eben  in  jenem  Lande,  von  dem
uns  allein  das  Heil  und  die  Erlösung  kam  und  zu  dem  die  fromme
Schaar  der  Pilger  hinströmte.
Auch  die  Fassung  des  Liedes  in  der  2.  Strophe  des  Einganges:
Ih  teil  eu  eben  allon  ein  vil  wäre  rede  vor  tuon  beweist,  dass  dasselbe ­
  nicht  zum  blossen  Lesen  in  einsamer  Abgeschiedenheit,  sondern
zum  Gesänge  oder  wenigstens  zum  Vortrage  vor  einer  grossem
Schaar  von  Zuhörern  bestimmt  war.
Vor  Allem  bezeichnend,  ja  wir  können  sagen  entscheidend  ist
die  Strophe  XXIX.  Der  Verfasser  redet  da  die  Versammlung  als  das
Spiritalis  Israel  an.  Nun  habe  ich  aber  in  der  Anmerkung  zu  29,  1
gezeigt,  dass  darunter  nur  die  von  den  Banden  des  Teufels  durch  die
Erlösung  befreite  Christenheit  verstanden  werden  könne.  Diese  war
aber  hier  gewiss  hinlänglich  vertreten,  indem  sich  bei  der  Wallfahrt
nicht  nur  mehrere  Bischöfe  und  andere  hohe  geistliche  Würdenträger, ­
  sondern  auch  sehr  viele  hochansehnliche  Personen  aus  dem
Laienstande  mit  ihrem  Gefolge,  kurz  mehr  als  7000  Menschen,  einfanden. ­
  Alle  diese  sollen,  und  zwar  n  u  n,  wie  es  ausdrücklich  heisst,  ihr
Erbe,  d.  i.  das  gelobte  Land  und  Jerusalem  wieder  schauen,  nachdem
sie  erlöst  seien  de  juejo  Pharaonis.  Diese  Stelle  so  wie  überhaupt  die
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.