Beiträge zur altern deutschen Sprache und Literatur.
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den mannigfachen Gnaden, die uns in der heiligen Schrift erzählt
werden, womit nach dem Inhalte nur die Vorhersagungen und Vorbedeutungen
auf die Ankunft des Erlösers gemeint sein können. Diese
selbst, das Lehen und die Wunder Jesu, welche doch im Liede ausführlich
enthalten sind, sind offenbar durch einen Schreiber im Titel
ausgelassen worden, was schon der Umstand beweist, dass von der
zweiten Strophe nur zehn Verse vorhanden sind, während alle andern
deren zwölf haben und dass überhaupt in ihr die Verstümmlung des
Originals besonders in dem Verse uzer genesi und uz libro reguni
über allen Zweifel erhaben ist. Meine Erzänzung 2, 7—8 mit Christi
leben und mirabilia erscheint daher wohl begründet und dem Geiste
und Inhalt des Ganzen entsprechend. So oder doch wenigstens sehr
ähnlich muss auch das Fehlende der Strophe gelautet haben, und da
wird es auch leicht begreiflich, wie der Berichterstatter in der Vita
Altmanni dem ganzen Gedichte den Titel de miraculis Christi gab.
Herr IJoffmann hat zwar behauptet (Geschichte des deutschen
Kirchenliedes, Hannover 18S4, S. 28), dass nur die beiden Strophen
XVII und XVIII von den Wundern Christi handeln und hatte hierin
auch in so weit recht, als er nur die menschliche Natur und die
wundervollen Thaten des Erlösers während seines Erdenlebens in
Betracht zog. Unser Verfasser ging aber von einem höheren Standpunkte
aus und wollte in seinem Liede nicht nur diese schildern,
sondern auch jene, welche Christus als wahrer Gott noch vor seiner
Menschwerdung gewirkt hat. Deshalb sagte er auch gleich am
Anfänge: er wolle von dem rehten anegenge, d. i. von dem eigentlichen
Urheber der Welt und seinen mannigfachen Gnaden oder
Wundern reden, durch welche Gott die Erlösung der Menschheit
vorbedeutete und vollbrachte. Nicht blos jene, sondern auch diese
wurden aber von jeher als Wunder bezeichnet und insbesonders
Christus zugeschrieben. Dass Christus als der Schöpfer der Welt
betrachtet wurde, habe ich bereits in der Anmerkung zu 4, 1
nachgewiesen. Damit will ich jedoch durchaus nicht gesagt haben,
als habe Christus allein die Welt erschaffen. Immer ist es die Sancta
Trinitas, welche vereint Alles schafft, erhält und regiert. Gott hat
von Anbeginn durch seine Allmacht, Weisheit und Güte Alles hervorgebracht.
Der Allmacht wird die Schöpfung im Allgemeinen, der Weisheit
die Ausführung, die dispositio rerum, dem heiligen Geiste die
vivificatio vel ornatio omnium zugeschrieben. In diesem Sinne nennt