Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

Beiträge  zur  altern  deutschen  Sprache  und  Literatur.

279

den  mannigfachen  Gnaden,  die  uns  in  der  heiligen  Schrift  erzählt
werden,  womit  nach  dem  Inhalte  nur  die  Vorhersagungen  und  Vorbedeutungen ­
  auf  die  Ankunft  des  Erlösers  gemeint  sein  können.  Diese
selbst,  das  Lehen  und  die  Wunder  Jesu,  welche  doch  im  Liede  ausführlich ­
  enthalten  sind,  sind  offenbar  durch  einen  Schreiber  im  Titel
ausgelassen  worden,  was  schon  der  Umstand  beweist,  dass  von  der
zweiten  Strophe  nur  zehn  Verse  vorhanden  sind,  während  alle  andern
deren  zwölf  haben  und  dass  überhaupt  in  ihr  die  Verstümmlung  des
Originals  besonders  in  dem  Verse  uzer  genesi  und  uz  libro  reguni
über  allen  Zweifel  erhaben  ist.  Meine  Erzänzung  2,  7—8  mit  Christi
leben  und  mirabilia  erscheint  daher  wohl  begründet  und  dem  Geiste
und  Inhalt  des  Ganzen  entsprechend.  So  oder  doch  wenigstens  sehr
ähnlich  muss  auch  das  Fehlende  der  Strophe  gelautet  haben,  und  da
wird  es  auch  leicht  begreiflich,  wie  der  Berichterstatter  in  der  Vita
Altmanni  dem  ganzen  Gedichte  den  Titel  de  miraculis  Christi  gab.
Herr  IJoffmann  hat  zwar  behauptet  (Geschichte  des  deutschen
Kirchenliedes,  Hannover  18S4,  S.  28),  dass  nur  die  beiden  Strophen
XVII  und  XVIII  von  den  Wundern  Christi  handeln  und  hatte  hierin
auch  in  so  weit  recht,  als  er  nur  die  menschliche  Natur  und  die
wundervollen  Thaten  des  Erlösers  während  seines  Erdenlebens  in
Betracht  zog.  Unser  Verfasser  ging  aber  von  einem  höheren  Standpunkte ­
  aus  und  wollte  in  seinem  Liede  nicht  nur  diese  schildern,
sondern  auch  jene,  welche  Christus  als  wahrer  Gott  noch  vor  seiner
Menschwerdung  gewirkt  hat.  Deshalb  sagte  er  auch  gleich  am
Anfänge:  er  wolle  von  dem  rehten  anegenge,  d.  i.  von  dem  eigentlichen ­
  Urheber  der  Welt  und  seinen  mannigfachen  Gnaden  oder
Wundern  reden,  durch  welche  Gott  die  Erlösung  der  Menschheit
vorbedeutete  und  vollbrachte.  Nicht  blos  jene,  sondern  auch  diese
wurden  aber  von  jeher  als  Wunder  bezeichnet  und  insbesonders
Christus  zugeschrieben.  Dass  Christus  als  der  Schöpfer  der  Welt
betrachtet  wurde,  habe  ich  bereits  in  der  Anmerkung  zu  4,  1
nachgewiesen.  Damit  will  ich  jedoch  durchaus  nicht  gesagt  haben,
als  habe  Christus  allein  die  Welt  erschaffen.  Immer  ist  es  die  Sancta
Trinitas,  welche  vereint  Alles  schafft,  erhält  und  regiert.  Gott  hat
von  Anbeginn  durch  seine  Allmacht,  Weisheit  und  Güte  Alles  hervorgebracht. ­
  Der  Allmacht  wird  die  Schöpfung  im  Allgemeinen,  der  Weisheit ­
  die  Ausführung,  die  dispositio  rerum,  dem  heiligen  Geiste  die
vivificatio  vel  ornatio  omnium  zugeschrieben.  In  diesem  Sinne  nennt
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.