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D i e m e r
Lied sei, welches Ezzo auf der Fahrt nach Jerusalem von den Wundern
Christi verfasst hat. Mit der einfachen Äusserung Schade’ s, dass
es, wie es von ihm hergestellt wurde, das Lied Ezzo’s sein könne,
oder mit dem Beweise MüllenholFs (Denkm. 340—342), dass es
wirklich eine cantilena, ein Lied sei, wird die Verfasserschaft Ezzo's
noch nicht erwiesen.
Vor Allem dürfte Manche der Umstand irre machen, dass
unser Lied von dem Verfasser selbst, gar nicht als liet, sondern nur
als eine rede, die er vortragen wolle, bezeichnet wird, daher nicht
Ezzo’s cantilena sein könne. Dieses Bedenken wird einfach dadurch
beseitigt, dass, wie ich in meiner Anmerkung 1, 1 zur Genesis und
Exodus dargethan habe, sich ein Unterschied der Bedeutung von liet
und von rede durchaus nicht nachweisen lässt, ja dass selbst oft ein
und dasselbe Gedicht von dem Verfasser bald liet bald rede genannt
wird.
Gehen wir nun auf die zwei ersten Strophen über, so ist ihr Sinn
nach unserer Auslegung kurz der: So wie einst die Geistlichen in
Bamberg auf Befehl Günthers ein schönes Lied dichteten, wozu Ezzo
den Text und Willo die Melodie lieferten, und dies eine solche
Wirkung hervorbrachte, dass viele Zuhörer in den Mönchsstand traten,
so will auch ich euch allen, so gut als ich es vermag, ein
wahres Lied vortragen. Man sieht, der Verfasser tritt hier als eine
von den obgenannten und insbesonders von Ezzo völlig verschiedene
Persönlichkeit auf. Es kann also das unmittelbar darauf folgende
Lied nicht von Ezzo sein. Auf diesen gewichtigen Grund gestützt hat
schon Heinrich Hoffmann von Fallersleben geläugnet, dass unser Lied
von Ezzo sein könne. Wahrscheinlich aus diesem Grunde hat auch
W. Wackernagel Literatur Gesell., S. 86, ungemein vorsichtig wie
er ist, Ezzo’s Verfasserschaft nicht anerkannt , sondern meinte
nur: „dass dessen Lied von den Wundern Christi dem Verfasser
unseres Gedichtes Vorgelegen und Einfluss darauf geübt haben
mochte.“ Auch Schade Vet. Mon. S. 33 sagt 1860 noch, dass Ezzo und
der Verfasser unseres Gedichtes verschiedene Personen sein müssen
und stellt S. 36 zugleich die Vermuthung auf, dass das Lied von
der Schöpfung Ezzo’s cantilena sein dürfte, nach welcher unser
Lied verfertigt worden sei.
Man kann nicht läugnen, dass obiger Grund für die Ansicht der
genannten Gegner mit grossem Gewichte in die Wagschale fällt und