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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

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D  i  e  m  e  r

Lied  sei,  welches  Ezzo  auf  der  Fahrt  nach  Jerusalem  von  den  Wundern ­
  Christi  verfasst  hat.  Mit  der  einfachen  Äusserung  Schade’  s,  dass
es,  wie  es  von  ihm  hergestellt  wurde,  das  Lied  Ezzo’s  sein  könne,
oder  mit  dem  Beweise  MüllenholFs  (Denkm.  340—342),  dass  es
wirklich  eine  cantilena,  ein  Lied  sei,  wird  die  Verfasserschaft  Ezzo's
noch  nicht  erwiesen.
Vor  Allem  dürfte  Manche  der  Umstand  irre  machen,  dass
unser  Lied  von  dem  Verfasser  selbst,  gar  nicht  als  liet,  sondern  nur
als  eine  rede,  die  er  vortragen  wolle,  bezeichnet  wird,  daher  nicht
Ezzo’s  cantilena  sein  könne.  Dieses  Bedenken  wird  einfach  dadurch
beseitigt,  dass,  wie  ich  in  meiner  Anmerkung  1,  1  zur  Genesis  und
Exodus  dargethan  habe,  sich  ein  Unterschied  der  Bedeutung  von  liet
und  von  rede  durchaus  nicht  nachweisen  lässt,  ja  dass  selbst  oft  ein
und  dasselbe  Gedicht  von  dem  Verfasser  bald  liet  bald  rede  genannt
wird.
Gehen  wir  nun  auf  die  zwei  ersten  Strophen  über,  so  ist  ihr  Sinn
nach  unserer  Auslegung  kurz  der:  So  wie  einst  die  Geistlichen  in
Bamberg  auf  Befehl  Günthers  ein  schönes  Lied  dichteten,  wozu  Ezzo
den  Text  und  Willo  die  Melodie  lieferten,  und  dies  eine  solche
Wirkung  hervorbrachte,  dass  viele  Zuhörer  in  den  Mönchsstand  traten, ­
  so  will  auch  ich  euch  allen,  so  gut  als  ich  es  vermag,  ein
wahres  Lied  vortragen.  Man  sieht,  der  Verfasser  tritt  hier  als  eine
von  den  obgenannten  und  insbesonders  von  Ezzo  völlig  verschiedene
Persönlichkeit  auf.  Es  kann  also  das  unmittelbar  darauf  folgende
Lied  nicht  von  Ezzo  sein.  Auf  diesen  gewichtigen  Grund  gestützt  hat
schon  Heinrich  Hoffmann  von  Fallersleben  geläugnet,  dass  unser  Lied
von  Ezzo  sein  könne.  Wahrscheinlich  aus  diesem  Grunde  hat  auch
W.  Wackernagel  Literatur  Gesell.,  S.  86,  ungemein  vorsichtig  wie
er  ist,  Ezzo’s  Verfasserschaft  nicht  anerkannt  ,  sondern  meinte
nur:  „dass  dessen  Lied  von  den  Wundern  Christi  dem  Verfasser
unseres  Gedichtes  Vorgelegen  und  Einfluss  darauf  geübt  haben
mochte.“  Auch  Schade  Vet.  Mon.  S.  33  sagt  1860  noch,  dass  Ezzo  und
der  Verfasser  unseres  Gedichtes  verschiedene  Personen  sein  müssen
und  stellt  S.  36  zugleich  die  Vermuthung  auf,  dass  das  Lied  von
der  Schöpfung  Ezzo’s  cantilena  sein  dürfte,  nach  welcher  unser
Lied  verfertigt  worden  sei.
Man  kann  nicht  läugnen,  dass  obiger  Grund  für  die  Ansicht  der
genannten  Gegner  mit  grossem  Gewichte  in  die  Wagschale  fällt  und
            
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