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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

Beitrage  zur  älteren  deut:chen  Sprache  und  Literatur.

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Man  sieht  also,  dass  die  Meinungen  der  ersten  Fachmänner
über  diesen  Gegenstand  getheilt  sind,  wesshalb  es  nöthig  erscheint,
die  Gründe  für  unsere  Ansicht,  da  dies  bisher  noch  nirgend  geschehen ­
  ist,  ausführlich  anzugeben.
Von  besonderer  Wichtigkeit  muss  uns  das  Urtheil  MüllenhofFs
und  Schade’s  sein,  weil  diese  sich  am  längsten  und  eingehendsten
mit  der  Literatur  dieser  Zeit  und  namentlich  mit  unserem  Gedichte
beschäftigt  haben.  Beide  gelangten  nach  gründlichem  Studium  zu
demselben  Ergebnisse  wie  wir.  Auffallend  ist  hierbei  nur,  dass  sie
aus  den  zwei  ersten  Eingangsstrophen,  welche  allerdings  durch  die
Überlieferung  sehr  gelitten  haben,  nichts  zu  machen  wussten  und  sie
für  unecht,  für  einen  späteren  Zusatz  des  Schreibers  erklärten.  Da  aber
gerade  in  diesen  beiden  Strophen  die  Beweise  für  manche  der  folgenden ­
  Behauptungen  liegen,  so  ist  es  vor  Allem  notliwendig,  ihr  richtiges ­
  Verständniss  zu  vermitteln  und  daraus  ihre  Echtheit  darzuthun.
Man  hat  durchaus  kein  Recht,  Theile  eines  Gedichtes  oder
einzelne  Strophen  als  unecht  oder  unterschoben  auszuscheiden,
sobald  nachgewiesen  werden  kann,  dass  sie  dem  Geiste  des  Ganzen, ­
  sowohl  was  den  Inhalt  als  die  Sprache  betrifft,  nicht  widersprechen. ­

Ich  glaube  durch  meine  Herstellung  des  Testes  und  die  denselben ­
  begleitenden  Anmerkungen  gezeigt  zu  haben,  dass  die  im  Eingänge ­
  erwähnte  Notiz  im  Leben  Altmann’s  sich  auf  Ezzo’s  Gedicht,
jene  in  den  genannten  Eingaugsstrophen  aber  auf  ein  früheres  bezieht, ­
  das  von  der  Bamherger  Geistlichkeit  verfasst  wurde.  —  Schade
(Vet.  Mon.  p.  31),  Müllenhoff  (Üenkni.  S.  342)  und  nach  diesen
Ph.  Wackernagel  (das  deutsche  Kirchenlied,  Leipzig  1865  S.  32),
behaupten  jedoch,  dass  beide  Stellen  sich  vereinigen  lassen  und  auf
das  Gedicht  von  deD  Wundern  Christi  zu  beziehen  seien.  Der  Grund
dieser  Ansicht  beruht  wahrscheinlich  darin,  dass  man  bisher  die  Nebenbedeutung ­
  des  Zeitwortes  beginnen  im  Vers  1,  5,  eines  liedes  si
(die  phaphen)  begunden,  ward  si  diu  buoch  cliunden,  nichtgehörig
berücksichtigte  und  selbe  nur  als  „anfangen“  nicht  aber,  wie  es  hier
notliwendig  geschehen  muss,  als  „anfangen  und  zugleich  vollenden“
auffasste,  und  so  die  Bamberger  Geistlichen  völlig  ausser  Acht  liess.
Diese  und  nichtEzzo  allein  waren  es,  welche  das  Lied  zu  Stande
brachten,  und  zwar  weil  si  diu  buoch  chunden.  Bios  anfangen  hätten ­
  sie  es  auch  können,  ohne  besonders  unterrichtet  oder  gelehrt  zu
            
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