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Lorenz
Mainz war vollkommen Herr der Situation, und in diesem Sinne war
die österreichische Partei allerdings überlistet, eine Vorstellung, die
dann zu den Combinationen und plumpen Entstellungen der Schriftsteller
dieser Richtung Anlass gegeben hat, welche wir bekämpft
haben. Hier ist es nun am Platze sich an Herzog Albrecht seihst zunächst
zu erinnern. Dass sein Abzug aus Österreich hei dem herannahenden
Wahltage mit seinen Verhandlungen am Münchner Hof im
Zusammanhange stand, ist klar: er wird also um die Mitte Aprils aufgebrochen
sein. Von einer Armee, die er mit sieh geführt, findet
sich keine Spur, doch mag sein Gefolge ansehnlich gewesen sein,
(vgl. Droysen S. 17. N. 2) Was uns die Schriftsteller erzählen,
reduzirt sich auf folgendes, das wir kurz zusammen fassen. Konrad
von Sindelfingen sagt, dass Albrecht am 28. April in Grüningen auf
dem Wege nach Frankfurt sich befand (Böhmer Fontes II. 471).
Damit stimmt die Reimchronik, die ebenfalls berichtet sein will, und
solche Dinge pflegt sie zu wissen, dass er mit seinen Begleitern in
Windsheim lag *)• Österreichische gleichzeitige oder nahestehende
Annalen dagegen geben keine Kunde von seinem Aufenthalte zur Zeit
der Wahl. In Colmar langt er sodann mit 1500 Reitern am 14. Mai
an (Fontes II. 30. Böhmer auch Regesten S. 488). Der Zeitraum
genügt reichlich um ihn das Wahlresultat in der Nähe von Frankfurt
abwarten zu lassen. Hierin liegt also der Beweis, dass Albrecht bis
zuletzt die Hoffnungen nicht aufgegeben habe. Und damit stimmt
*) Der vielbesprochene Ort der Reimchronik „Veintshaim“ ist nach einer glücklichen
von Herrn Th. v. Karajan gemachten Conjectur, nachdem die hiesigen Handschriften
kein Resultat ergeben haben, Wintshaim zu lesen, nicht Bensheim und
nicht Weinheim. Windshaim liegt in Mittelfranken und wäre von Frankfurt eben
nicht allzuweit entfernt, um es bei günstigem Gange der Ereignisse rasch erreichen
zu können. Freilich lässt sich der Aufenthalt in Windshaim nicht ganz
leicht mit der Angabe des Conrad. Sindelf. Grünigen 28. April vereinigen, doch
könnte wohl vielleicht im Datum ein Irrthum herrschen, oder sollte es vielleicht
heissen, dass er am 28. April bereits am Rückweg nach Oberschwaben und dem
Eisass sich befand? Wie dem auch sei, Windshaim dürite man jedenfalls sonach als
den nördlichsten Punkt ansehen, den Herzog Albrecht auf seinem Marsche gegen
Frankfurt erreichte. Dort dürften ihn die Hiobsposten aus Frankfurt getroffen
haben, sei es dass er schon auf die Nachricht, des Pfalzgrafen Wahltag vom 23.
sei gänzlich unbesucht geblieben, umgekehrt, sei es, dass er das Resultat des
Mainzer Wahltags und die Nachricht der Erhebung Adolfs abgewartet habe. Nach
Browers Trierer Annalen a. a. 1292 möchte man fast das erstere glauben. Nach
seinem Eintreffen in Colmar (14. Mai) ist beides möglich.