16
B o n i t z
Berichterstatter über die Katharsisfrage im Philologus 7 ) die Unterscheidung
von ndSog und xaSr^ia weder von Bernays für ausreichend
erwiesen noch von anderer Seite für entscheidend widerlegt
erklärt.
Man kann darüber verschiedener Ansicht sein, ob für die
Bernays'sche Auffassung der Aristotelischen Definition der Tragödie
die Unterscheidung zwischen TtaSog und rtd^np-a wirklich die principielle
Bedeutung habe, die Bernays selbst ihr zuschreibt; aber
jedenfalls ist diese Unterscheidung für das Verständnis der Aristotelischen
Terminologie überhaupt in dem Masse wichtig, als die beiden
in Frage kommenden Worte bei Aristoteles einen ungemein weiten
Umfang des Gebrauches haben und ein von Aristoteles in ihrer
Bedeutung eingehaltener, so wesentlicher und entscheidender Unterschied
schwerlich ohne Folgen für die weitere Entwicklung des
griechischen philosophischen Sprachgebrauches geblieben sein würde.
Es wird daher nicht als unnütz erscheinen, die von Bernays aufgestellte
Unterscheidung einer erneuten Prüfung zu unterziehen. Geschähe
dies in der Weise, dass ausschliesslich die von Bernays und
die von der entgegengesetzten Seite beigebrachten Stellen in Betracht
gezogen würden, so würde das auf solchem Wege etwa gewonnene
Ergebnis dem berechtigten Zweifel Raum geben, dass es durch die
Beachtung anderer Stellen könnte gefährdet oder beseitigt werden.
Eine gegründete Überzeugung über das Verhältnis der Bedeutung
und des Gebrauches dieser beiden Worte wird sich erreichen lassen,
wenn ich versuche, das eine ungleich häufigere dieser beiden Worte,
nämlich naSog, in der ganzen vielverzweigten Mannigfaltigkeit seiner
Anwendung bei Aristoteles darzulegen und dabei in Betracht zu
ziehen, inwieweit r.äSrntLc/. sich neben demselben wie ein untrenn-7
) Philologus Bd. 21. S. 496—534. „Die tragische Katharsis bei Aristoteles
und ihre neuesten Erklärer“ von A. Dö r i n g. S. 514: „Sehr schwierig ist
die Feststellung des Aristotelischen Sprachgebrauches in Betreff dieser
Unterscheidung von niäog und jräSvjpa. Bernays hat dafür S. 194 ff. Belege
beigebracht, die freilich den Zweifel nicht beseitigen können; wenn
aber Spengel S. 39 die von Bernays angeführten Stellen ohne weiteren
Beweis für seine entgegengesetzte Ansicht in Anspruch zu nehmen scheint,
so kann ein solches Verfahren doch unmöglich der Wissenschaft förderlich
sein.“ S. 516: „Doch lässt sich nicht läugnen, dass auch Bernays’ Behauptung
nicht eigentlich bewiesen ist.“