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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

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B  o  n  i  t  z

Berichterstatter  über  die  Katharsisfrage  im  Philologus 7 )  die  Unterscheidung ­
  von  ndSog  und  xaSr^ia  weder  von  Bernays  für  ausreichend ­
  erwiesen  noch  von  anderer  Seite  für  entscheidend  widerlegt
erklärt.
Man  kann  darüber  verschiedener  Ansicht  sein,  ob  für  die
Bernays'sche  Auffassung  der  Aristotelischen  Definition  der  Tragödie
die  Unterscheidung  zwischen  TtaSog  und  rtd^np-a  wirklich  die  principielle
  Bedeutung  habe,  die  Bernays  selbst  ihr  zuschreibt;  aber
jedenfalls  ist  diese  Unterscheidung  für  das  Verständnis  der  Aristotelischen ­
  Terminologie  überhaupt  in  dem  Masse  wichtig,  als  die  beiden
in  Frage  kommenden  Worte  bei  Aristoteles  einen  ungemein  weiten
Umfang  des  Gebrauches  haben  und  ein  von  Aristoteles  in  ihrer
Bedeutung  eingehaltener,  so  wesentlicher  und  entscheidender  Unterschied ­
  schwerlich  ohne  Folgen  für  die  weitere  Entwicklung  des
griechischen  philosophischen  Sprachgebrauches  geblieben  sein  würde.
Es  wird  daher  nicht  als  unnütz  erscheinen,  die  von  Bernays  aufgestellte ­
  Unterscheidung  einer  erneuten  Prüfung  zu  unterziehen.  Geschähe ­
  dies  in  der  Weise,  dass  ausschliesslich  die  von  Bernays  und
die  von  der  entgegengesetzten  Seite  beigebrachten  Stellen  in  Betracht
gezogen  würden,  so  würde  das  auf  solchem  Wege  etwa  gewonnene
Ergebnis  dem  berechtigten  Zweifel  Raum  geben,  dass  es  durch  die
Beachtung  anderer  Stellen  könnte  gefährdet  oder  beseitigt  werden.
Eine  gegründete  Überzeugung  über  das  Verhältnis  der  Bedeutung
und  des  Gebrauches  dieser  beiden  Worte  wird  sich  erreichen  lassen,
wenn  ich  versuche,  das  eine  ungleich  häufigere  dieser  beiden  Worte,
nämlich  naSog,  in  der  ganzen  vielverzweigten  Mannigfaltigkeit  seiner
Anwendung  bei  Aristoteles  darzulegen  und  dabei  in  Betracht  zu
ziehen,  inwieweit  r.äSrntLc/.  sich  neben  demselben  wie  ein  untrenn-7

 )  Philologus  Bd.  21.  S.  496—534.  „Die  tragische  Katharsis  bei  Aristoteles
und  ihre  neuesten  Erklärer“  von  A.  Dö  r  i  n  g.  S.  514:  „Sehr  schwierig  ist
die  Feststellung  des  Aristotelischen  Sprachgebrauches  in  Betreff  dieser
Unterscheidung  von  niäog  und  jräSvjpa.  Bernays  hat  dafür  S.  194  ff.  Belege ­
  beigebracht,  die  freilich  den  Zweifel  nicht  beseitigen  können;  wenn
aber  Spengel  S.  39  die  von  Bernays  angeführten  Stellen  ohne  weiteren
Beweis  für  seine  entgegengesetzte  Ansicht  in  Anspruch  zu  nehmen  scheint,
so  kann  ein  solches  Verfahren  doch  unmöglich  der  Wissenschaft  förderlich ­
  sein.“  S.  516:  „Doch  lässt  sich  nicht  läugnen,  dass  auch  Bernays’  Behauptung ­
  nicht  eigentlich  bewiesen  ist.“
            
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