Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

222

Lorenz

cabilis  compositionis  attemptabimus  —  sollte  vor  derartiger  Interpretation ­
  abschrecken,  denn  davon  könnte  doch  zwischen  solchen,
von  denen  der  eine  den  ganzen  Besitz  des  andern  begehrt,  nicht
geredet  werden.  Die  Allgemeinheit  der  Thesis  erklärt  sich  einfach
daraus,  dass  die  Länder,  von  denen  hier  geredet  ist,  eben  in  demselben ­
  Vertrage  vom  Könige  Ottokar  abgetreten  worden  sind,  auf
Grund  welches  der  König  sein  Pfandrecht  auf  Österreich  geltend
zu  machen  suchte.  Da  ihm  dasselbe  verweigert  worden,  so  hält
er  sich  nun  natürlich  an  die  Rechtsnachfolger  Rudolf  s,  dem  ja  die
Länder  —  nach  böhmischer  Auffassung  —  abgetreten  und  zwar
unter  den  erwähnten  Bedingungen  hingegeben  worden  sind.  Wir
haben  also  zwischen  dieser  Urkunde  und  der  Angabe  der  böhmischen
Schriftsteller  eine  wohlverständliche  Beziehung  zu  ersehen,  und  erfahren ­
  auf  diese  Weise  zugleich,  dass  die  böhmische  Regierung  ihre
Absichten  bei  dem  neuen  Könige  zu  erreichen  suchte,  nachdem  sie
über  denselben  Punkt  mit  Albrecht  offenbar  vergeblich  unterhandelt
hatte.  Inzwischen  war  es  dem  böhmischen  Könige  gelungen,  vom
Könige  Adolf  nachher  noch  eine  weitere  Pfandschaft  zu  erwerben,
welche  die  territorialen  Gelüste  Böhmens  noch  nach  einer  andern
Seite  befriedigen  sollte.  Da  der  Brautschatz  der  Königin  Guta  nach
dem  Zugeständnisse  Adolfs  auf  Grund  des  Vertrages  von  1276
und  nicht  nach  den  nachträglichen  Bestimmungen  von  1277  geordnet ­
  werden  sollte,  so  war  zunächst  das  Gebiet  von  Eger  frei
gemacht.  Damit  es  Böhmen  nicht  aus  der  Hand  zu  lassen  genöthigt
sei,  verpfändete  es  Adolf  dem  Könige  Wenzel  unter  besonderen,
von  jener  Frage  gänzlich  unabhängigen  Bedingungen  bereits  am
11.  Mai  1292  (Böhmer  Nr.  2)  zugleich  mit  anderen  Reichsgebieten,
dem  Pleissner  Land,  Burg  und  Stadt  Alteuburg,  Chemnitz,  Zwickau.
Das  alles  war  mehr,  als  Herzog  Albrecht  hätte  bieten  können  und
wollen,  es  gab  den  Ausschlag  dafür,  dass  die  böhmische  Wahlstimme
von  der  Sache  Albrecht’s  abfiel.  Allein  am  13.  April  1292,  als  Pfalzgraf ­
  Ludwig  dem  österreichischen  Herzoge  das  oftberührte  Versprechen ­
  gab,  konnte  man  noch  nicht  in  den  Kreisen  dieser  Partei  die
Hoffnung  völlig  aufgegeben  haben,  Wenzeln  doch  noch  durch  Zugeständnisse ­
  zu  gewinnen,  und  am  wenigsten  war  man  hier  darüber
unterrichtet,  dass  die  böhmische  Politik  bereits  zwei  andere  Kurfürsten ­
  mit  sich  vereinigt  hatte,  ein  Umstand,  der  es  eben  dem
Könige  Wenzel  möglich  machte,  so  grosse  Forderungen  zu  stellen.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.