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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

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Lorenz

zwar  nicht  fixiren  lässt,  die  aber  unzweifelhaft  in  den  Zusammenhang ­
  dieser  erwähnten  noch  ins  Jahr  1291  gehörenden  Ereignisse
passt.  Dass  diese  Verhandlungen  durch  Albert  von  Hohenberg  wirklich ­
  stattgefunden  haben,  wer  möchte  der  Reimchronik  die  einfache
Thatsache  davon  nicht  glauben?  und  wir  hoffen  jedenfalls  nicht,
dass  man  uns  deshalb  Inconsequenz  in  der  Behandlung  der  Nachrichten ­
  der  Reimchronik  vorwerfen  wird.  Denn  ihre  thatsächlichen
Angaben  nehmen  wir  ja  gerne  an.  Es  hat  sich  als  richtig  erwiesen,
dass  Herren  (Botschaften)  aus  dem  Reiche  an  Albert’s  Hof  gekommen ­
  waren,  warum  sollte  Ottokar  nicht  eben  so  gut  darüber  unterrichtet ­
  gewesen  sein,  dass  der  Hohenberger  am  böhmischen
Hofe  war?  Man  kann  dem  Bedienten  eines  Diplomaten  gerne  glauben, ­
  dass  sein  Herr  heute  da  und  morgen  dort  gewesen,  ohne  die
Geheimnisse  deshalb  für  wahr  zu  halten,  welche  derselbe  Mensch
von  dem  Inhalte  der  diplomatischen  Missionen  geschwätzig  erzählt.
Die  Frage  ist  kurz  die,  um  was  drehten  sich  die  Unterhandlungen
und  woran  zerschlugen  sie  sich  schliesslich.  Nun  sagt  die  Chronik
von  Königssaal  (Dobner  V.  93,  vgl.  die  Darstellung  Preger’s  a.  0.
S.  6),  „dass  zwischen  dem  Herzog  Albrecht  und  seinem  Schwager
von  Böhmen  der  Streit  über  die  Aussteuer  seiner  Gemahlin  nicht
beglichen  worden  war  und  dass  Albrecht  die  Ansprüche,  welche
Wenzel  in  dieser  Beziehung  fortwährend  erhob,  zurückgewiesen
habe.  Er  spricht  auch  von  einer  Zusammenkunft  beider  Fürsten  in
Znaim,  wo  dieselben  jedoch  unversöhnt  von  einander  geschieden
wären“.  Dazu  ist  allerdings  auch  die  diese  Gedanken  breiter  austretende ­
  Erzählung  des  Chronicon  Francisci  (II.  41)  zu  vergleichen,
wo  es  ganz  bestimmt  und  nicht  ohne  Verstand  heisst,  „Herzog
Albrecht  habe  den  an  Böhmen  von  seinem  Vater  verpfändeten  Theil
Österreichs  mit  Gewalt  an  sich  gerissen.“  Diese  Angaben  richtig  zu
interpretiren  hat  keine  Schwierigkeiten,  und  alle  Nebenumstände,
deren  Erörterung  kaum  zu  einem  irgend  nennenswerthen  Resultate
führte,  wie  die  Zusammenkunft  in  Znaim,  bei  Seite  gelassen,  wird
man  das  Wesen  des  Streites  leicht  zu  erkennen  vermögen,  sofern
man  sich  der  Verträge  erinnert,  welche  bei  der  Occupation  Österreichs ­
  von  den  Vätern  geschlossen  worden  waren.  Denn  in  dem
ersten  Friedensschluss  zwischen  König  Rudolf  und  Ottokar  war
wirklich  als  Mitgift  für  die  Tochter  Rudolfs  das  österreichische
Gebiet  nördlich  von  der  Donau  an  Böhmen  als  Pfand  gewiesen  wor-
            
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