Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

Über  die  Wahl  des  Königs  Adolf  von  Nassau.  215
tentionen  des  Pfalzgrafen  Ludwig  zusammenliing  und  ihre  Berührungspunkte ­
  in  den  Interessen  dieses  Kurfürsten,  nicht  aber  des
Mainzers  hat,  beweist  wohl  auch  der  Umstand,  dass  Herzog  Albreclit
gerade  in  der  Zeit  der  Anwesenheit  jener  Herren  aus  dem  Reiche
dem  Rheinpfalzgrafen  und  Baiernherzog  eine  umfassende  Wahlcapitulation
  zugesteht.  Auch  auf  dieser  Seite,  gleichwie  auf  der  der
Gegner,  wird  also  vor  der  Wahl  und  um  die  Wahl  unterhandelt,  und
werden  die  Bedingungen  der  Candidatur  verbrieft.  Am  215.  März
verpflichtete  sich  Herzog  Albreclit,  wenn  er  zum  römischen  Könige
gewählt  würde,  den  Pfalzgrafen  Ludwig  mit  einer  Reihe  von  militärisch ­
  wichtigen  Burgen  zu  entschädigen,  ausserdem  aber  in  dem
Besitze  der  Conradinischen  Erbschaft  vollinhaltlich  zu  bestätigen.  Man
sieht,  der  Pfalzgraf  war  zwar  viel  bescheidener  in  seinen  Ansprüchen,
als  Köln  oder  Mainz,  allein  im  Wesen  ist  hier  wie  dort  dasselbe;  vor
der  Wahl  werden  die  Bedingungen  festgestellt,  unter  welchen  der
eine  und  der  andere  Candidat  seine  Wähler  erkauft,  und  damit  daran
auch  nicht  das  mindeste  zweifelhaft  bleibe,  werden  wir  nachher  noch
aus  den  näher  zu  besprechenden  sächsisch-böhmischen  Verhandlungen ­
  ersehen,  dass  man  auch  hier  das  Abschliessen  und  Vertragen
vor  der  Wahl  als  das  selbststverändliche  ausdrücklich  documentirte.
(Ludewig  Rel.  V.  416.)
So  bestand  also  in  März  keinerlei  Geheimniss  mehr  darüber,
dass  Pfalz  und  Mainz  in  vollem  Widerspruch  gegen  einander  die
Wahlangelegenheiten  betrieben.  Die  Pfalz  war  ihrem  österreichischen
Candidaten  treu  geblieben,  gegen  welchen  die  geistlichen  Kurfürsten
bereits  offen  Partei  ergriffen  hatten.  Lässt  sich  nun  aber  der  so  constatirte
  Gegensatz  nicht  noch  weiter  zurück  verfolgen?  Allerdings
findet  sich  eine  deutliche  Spur  davon  schon  in  den  letzten  Monaten
des  vorhergegangenen  Jahres.  Denn  Erzbischof  Gerhard  von  Mainz
berief  bereits  am  7.  September  1291  den  König  Wenzel  von  Böhmen
zur  Wahl  eines  neuen  römischen  Königs  auf  den  2.  Mai  1292  nach
Frankfurt  (Böhmer  R.  S.  163.)  Es  scheint  mir  nicht  der  mindeste

dem  Gesichtspunkte  österreichischer  und  nichtösterreichischer  Parteien  zu  erklären ­
  sei,  sondern  in  dem  Gegensätze  zwischen  der  grossfürstlichen  hauptsächlich ­
  kurfürstlichen  Politik  und  dem  Aufstreben  der  kleinen  Fürsten  und  Herren,
vornehmlich  der  Grafen,  sich  bewege  —  allein  solche  Dinge  sind  zu  allgemein,  als
dass  man  auf  ihr  rasches  Verständniss  bauen  könnte.  An  diesem  Orte  übergehe  ich
daher  jede  weitere  Folgerung  daraus.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.