Aristotelische Studien.
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Anzahl der angeführten Stellen den unechten Schriften der Aristotelischen
Sammlung angehört, können höchstens eine so vorsichtige
Verwerfung jenes Unterschiedes, und selbst diese kaum begründen.
Liepert 3 ) glaubt die von Bernays aufgestellte Unterscheidung als
„vollkommen gescheitert constatiren zu können“ durch Berufung auf
zwei Stellen der Poetik, deren eine unverkennbar in derselben Bedeutung
\iMra hat, wo in der anderen ndJjog steht; die Vergleichung
dieser, übrigens schon bei Spengel sich findenden Stellen
bildet wohl ein einzelnes Moment in der Frage über den Unterschied,
aber wollte man durch sie allein die Frage entschieden sein lassen,
so würde man durch ein gleichartiges Verfahren in Auslegung der
Aristotelischen Terminologie zu den wunderbarsten Parodoxien gelangen.
Überweg 4 ) stimmt der Bernays’schen Unterscheidung insoweit
bei, dass „jra.Sv;p.ara häufig wiederkehrende Affecte“ bezeichne,
aber gibt nicht zu, dass es darum „eine 'eingewurzelte
Affection’, eine innere Eigenschaft, einen Hang, eine dauernde Eigentliümlichkeit“
bedeute, und erklärt sich schliesslich dahin, dass
„mindestens die NothWendigkeit, vielleicht aber sogar die Möglichkeit
der Bernays’scken Interpretation von ara^ij/zsereov in der
Definition der Tragödie nicht erwiesen“ sei. Zeller 5 ) beschränkt
sich darauf, zu bemerken, dass er in der Unterscheidung von rrd-Joc
und Bernays „weniger“ folgen könne, als in der Auslegung
von rwv roioürcov. Brandis 6 ) nimmt die Bernays’sche Unterscheidung
billigend an, jedoch mit der Bemerkung, dass dieselbe
„wie Spengel nachweist, keineswegs durchgängig festgehalten wird“.
Man wird es hiernach für eine objectiv richtige Bezeichnung des
gegenwärtigen Standes dieser Frage betrachten dürfen, wenn der
“) J. Li e perl, Aristoteles und der Zweck der Kunst. Passau 1862. S. il. Die
beiden Stellen der Poetik sind 24. 1469 b 11 und 11. 1432 6 10.
4 ) Überweg in der Abhandlung „Über den Aristotelischen Begriff der durch
die Tragödie bewirkten Katharsis“, in Fichte’s Zeitschrift für Philosophie.
Bd. 36. S. 260—291. Über die vorliegende Frage der Unterscheidung
zwischen udhSoc und -xSvjpa handelt Überweg S. 271 f.
5 ) Z eil er, die Philosophie der Griechen in ihrer geschichtlichen Entwicklung.
2. Auflage II, 2. S. 619. Anm. 2.
6 ) Brandis, Handbuch der Geschichte der griechisch-römischen Philosophie.
III, 1. S. 134. Anm. 281.