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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

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Lorenz

Herüberlegen  endlich  den  Bericht  der  Reimchronik  im  wesentlichen
zn  adoptiren  •).  Inzwischen  erschien  der  III.  Band  von  Kopp's  grossem ­
  Werke  der  Geschichte  der  eidgenössischen  Bünde,  worin  die
Wahl  Adolfs  von  Nassau  getreu  dem  überall  durchgreifenden  Principe ­
  dieses  Werkes:  nur  den  Urkunden  entscheidendes  Gewicht  beizulegen, ­
  geschildert  wird.  Mit  der  Vorsicht,  welche  Kopp  stets  den
Geschichtsschreibern,  und  wären  es  auch  die  ältesten,  insbesondere
aber  der  Reimchronik  gegenüber  bewahrt,  lässt  er  auch  hier  fast
ausschliesslich  die  Urkunden  sprechen,  und  bescheidet  sich  lieber  ein
dürftiges,  als  ein  zweifelhaftes  Bild  von  jenen  Ereignissen  aufzustellen. ­
  Man  wird  daher  selten  und  auch  in  dem  vorliegenden  Falle  kaum
in  der  Lage  sein,  in  einen  erheblichen  Widerspruch  gegen  Kopp’s
Aufstellungen  zu  gerathen,  die  Frage  ist  nur,  ob  sich  nicht  auf  den
gleichen  urkundlichen  Grundlagen  eine  vollständigere  Darstellung
gewinnen  liesse.  Kopp's  rein  chronologische,  regestenartige  Methode
die  urkundlichen  Nachrichten,  wie  die  Perlen  an  einer  Schnur  zusammen ­
  zu  fassen,  verhindert-ihn  häufig  auch  die  nächstliegenden
Beziehungen  der  urkundlichen  Erfahrungen  zu  entdecken  und  wir
treffen  ihn  daher  fast  nie  auf  der  Spur  einer  jener  nothwendigen
Combinationen,  aus  welchen  Absichten  und  Zwecke  der  bandelnden
Personen  hervortreten 3 ).  Die  kurzen  Angaben  über  Adolfs  Wahl
sind  daher  durchaus  zuverlässig,  wir  fänden  es  nur  traurig,  wenn
man  nicht  mehr  zu  wissen  behaupten  dürfte,  als  Kopp.  Seither  sind
aber  von  Herrn  Wilhelm  Preger  in  München 3 )  und  von  Dr.  L.  Ennen
in  Köln  einige  wichtige  neue  Mittheilungen  von  Urkunden  gemacht
worden,  die  eine  abermalige  Besprechung  des  ganzen  Gegenstandes
nothwendig  machen.  Die  Entdeckung  L.  Ennen’s  und  seine  den
Urkunden  vorausgeschickten  Erörterungen  (die  Wahl  Adolfs  von
Nassau)  haben  nun  das  unzweifelhafte  Verdienst,  dass  durch  dieselben ­
  jene  österreichischen  Überlieferungen  definitiv  beseitigt  sind,  und
dass  in  allen  wesentlichen  Punkten  die  Berichte  der  Reimchronik  und

*)  Vgl.  besonders  S.  212  ff.  Die  vorübergehende  Freundschaft  zwischen  Albrecht
und  dem  Erzbischof  Gerhard  von  Mainz  gilt  dem  Verfasser  als  unumstösslich,
  —  wohl  in  Folge  der  angeblichen  Sendung  Katzenelnbogens,  worüber
nachher.
2 )  Kopp  III.  1.  S.  24  ff.
3 )  Preger,  Albrecht  von  Österreich  und  Adolf  von  Nassau.  Programm  des  kgl.
Maximilians  Gymnasiums  in  München  1865.
            
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