Über die Wahl des Königs Adolf von Nassau.
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Über die Wahl des Königs Adolf von Nassau.
Von dem c. M. Dr. Ottokar Lorenz.
Wenige Gegenstände der späteren deutschen Geschichte des
Mittelalters haben in den letzten Jahren eine so häufige Erörterung
und Darstellung erfahren, wie die Königswahl des nassauischen Grafen,
die ganz besonders geeignet schien, die kurfürstlichen Missbrauche
und die schamlosen Erpressungen bloss zu legen, welche zum
Nachtheile der Krone und Reichsgewalt von den ausschliesslich bevorrechteten
Sieben geübt worden sind. Gegen diese Vorgänge und in
Folge dessen gegen den König selbst, der sich nicht gescheut hatte,
um solchen Preis die Krone zu erwerben, machte sich insbesonders
seit Böhmers schlagenden Bemerkungen eine fast leidenschaftliche
Härte des Urtheils geltend, und fast schien es allen Darstellern der
Geschichte König Adolfs schon unerlässlich, nur mit Zuhilfenahme
einiger moralischer Entrüstung von diesen Ereignissen zu sprechen.
Man bedachte kaum, dass die Handsalben, wie die Reimchronik Ottokar’s
mit unvergleichlichem Humor die Bestechungen der Kurherren
zu nennen pflegt, denn doch schon vor dieser Zeit nicht mehr zu den
Seltenheiten gehörten, und am allerwenigsten gab man sich die
Mühe den politischen Absichten und allgemeineren Bestrebungen der
Zeit neben diesen persönlichen Erscheinungen des Eigennutzes die
entsprechende Aufmerksamkeit zu widmen. Allerdings zeichnete sich
die Wahl Adolfs vor späteren und früheren Wahlen dadurch aus,
dass sie von Seite der meisten Kurfürsten benutzt wurde, nicht blos
augenblickliche Bedürfnisse und Wünsche zu befriedigen, sondern
vor allem auch gewisse territoriale und fürstliche Bestrebungen zum
Abschlüsse zu bringen, allein man wird doch bald sehen, dass auch
diese Verhältnisse nur sehr einseitig erörtert worden sind und dass
der Gegenstand im ganzen wohl einer erneuerten Prüfung, vielleicht
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