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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

Über  die  Wahl  des  Königs  Adolf  von  Nassau.

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Über  die  Wahl  des  Königs  Adolf  von  Nassau.
Von  dem  c.  M.  Dr.  Ottokar  Lorenz.
Wenige  Gegenstände  der  späteren  deutschen  Geschichte  des
Mittelalters  haben  in  den  letzten  Jahren  eine  so  häufige  Erörterung
und  Darstellung  erfahren,  wie  die  Königswahl  des  nassauischen  Grafen, ­
  die  ganz  besonders  geeignet  schien,  die  kurfürstlichen  Missbrauche ­
  und  die  schamlosen  Erpressungen  bloss  zu  legen,  welche  zum
Nachtheile  der  Krone  und  Reichsgewalt  von  den  ausschliesslich  bevorrechteten ­
  Sieben  geübt  worden  sind.  Gegen  diese  Vorgänge  und  in
Folge  dessen  gegen  den  König  selbst,  der  sich  nicht  gescheut  hatte,
um  solchen  Preis  die  Krone  zu  erwerben,  machte  sich  insbesonders
seit  Böhmers  schlagenden  Bemerkungen  eine  fast  leidenschaftliche
Härte  des  Urtheils  geltend,  und  fast  schien  es  allen  Darstellern  der
Geschichte  König  Adolfs  schon  unerlässlich,  nur  mit  Zuhilfenahme
einiger  moralischer  Entrüstung  von  diesen  Ereignissen  zu  sprechen.
Man  bedachte  kaum,  dass  die  Handsalben,  wie  die  Reimchronik  Ottokar’s
  mit  unvergleichlichem  Humor  die  Bestechungen  der  Kurherren
zu  nennen  pflegt,  denn  doch  schon  vor  dieser  Zeit  nicht  mehr  zu  den
Seltenheiten  gehörten,  und  am  allerwenigsten  gab  man  sich  die
Mühe  den  politischen  Absichten  und  allgemeineren  Bestrebungen  der
Zeit  neben  diesen  persönlichen  Erscheinungen  des  Eigennutzes  die
entsprechende  Aufmerksamkeit  zu  widmen.  Allerdings  zeichnete  sich
die  Wahl  Adolfs  vor  späteren  und  früheren  Wahlen  dadurch  aus,
dass  sie  von  Seite  der  meisten  Kurfürsten  benutzt  wurde,  nicht  blos
augenblickliche  Bedürfnisse  und  Wünsche  zu  befriedigen,  sondern
vor  allem  auch  gewisse  territoriale  und  fürstliche  Bestrebungen  zum
Abschlüsse  zu  bringen,  allein  man  wird  doch  bald  sehen,  dass  auch
diese  Verhältnisse  nur  sehr  einseitig  erörtert  worden  sind  und  dass
der  Gegenstand  im  ganzen  wohl  einer  erneuerten  Prüfung,  vielleicht
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