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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 55. Band, (Jahrgang 1867)

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L  u  d  w  i

spätem  Perioden  die  klaren  Spuren  des  gesummten  Entwicklungsganges ­
  der  von  einander  begrifflich  scharf  zu  trennenden  Sprachstufen
  klar  neben  einander  fortbestanden.  Wir  unterscheiden  die
Zeit  der  Wurzel,  die  Zeit,  in  der  eine  oder  mehr  Wurzeln  sich  zu
pronominaler  Bedeutung  abschwächten,  die  Verwendung  des  Pronomens; ­
  die  Verschmelzung  desselben  mit  der  Wurzel,  d.  i.  die  Entstehung ­
  des  Wortes.  Weiter  trat  dann  Verlust  der  pronominalen
deiktischen  Bedeutung  bei  dem  betreffenden  Elemente  ein,  das  dafür
die  ursprünglich  bei  der  blossen  Wurzel  schon  mitgedachten  Begriffe ­
  des  Agens,  Actum  etc.  übernahm.  So  ward  das  Pronomen  zum
Wortbildungssuffix.  Die  Spuren  dieser  Periode  liegen  in  den  Compositis
  vor,  von  denen  manche  ältere  für  Sprachgeschichte  vom  höchsten ­
  Werthe  sind.  Die  letzte  Verwendung  der  bildenden  Elemente
ist  die  zur  Flexion.  (Ausführlicheres  hierüber  in  unserm  Artikel:  Ovyvinuti
  reckych  vet  podmfnecnych  s  predbeznou  üvahou  o  historii
skladby  im  Krok  II.  Jahrgang,  4.  Heft,  Prag  1865.)
Das  Räthsel  aber  der  Sprechthätigkeit,  d.  h.  nicht  der  Fähigkeit
Begriff  und  Laut  so  im  Geiste  zu  verknüpfen,  dass  das  eine  mit  einer
gewissen  Sicherheit  und  Leichtigkeit  (wohlgemerkt  nicht  Nothwendigkeit)
  das  andere  reproduciert  (die  Fähigkeit  lässt  sich  eben  nur  anerkennen), ­
  sondern  des  Betätigens  des  zur  Wirklichkeit  Werdens  dieser
Fähigkeit  oder  mit  andern  Worten  das  Räthsel  des  historischen  Vorganges ­
  bei  dem  Entstehen  des  Sprechens  (zwei  Dinge  die  von  Philosophen ­
  zum  Theil  mit  merkwürdiger  Unbefangenheit  verwechselt
werden),  dieses  werden  wir  naturgemäss  auf  einen  möglichst  engen
Raum  beschränken  müssen;  denn  bei  jeder  neuen  Schöpfung  von
Laut-  und  Begriffsverbindungen  müsste  es  sieh  erneuen.  Es  liegt  aber
in  der  Natur  der  Sache,  dass  der  Sprechende,  wie  er  im  Denken,  um
sich  das  Neue  zu  erklären,  herumsucht  in  dem  Vorrathe  seines  Wissens, ­
  wie  beschränkt  es  auch  sein  mag,  nach  dem,  was  dem  Neuen
das  Adäquateste  ist,  ebenso  zur  Bezeichnung  desselben  das  ihm  bereits
geläufige  Sprachmaterial  benützt.  Englische  Missionäre  der  Südsecinseln
  haben  geglaubt  (vielleicht  wegen  des  ausnahmsweise  engen
Umfanges  von  Kenntnissen  bei  der  ausserordentlich  geringen  Mannigfaltigkeit ­
  der  Sinnengegenstände,  die  jene  grossentheils  sehr  kleinen
Eilande  bieten),  es  ausdrücklich  liervorheben  zu  müssen,  dass  die
Einwohner  jener  Eilande  für  Gegenstände,  die  ihnen  völlig  neu  sind
(und  dergleichen  mussten  ihnen  anfangs  wenigstens  von  den  Euro-
            
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