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M u s s a f i a
Diese gewähren uns Einsicht in das geistige Lehen jener Höfe, an
welchen die Poesie wie eine edle Beschäftigung und ein höheren
Kreisen angemessener Zeitvertreib gepflegt wurde; Fürsten und
Könige betheiligten sich oft seihst daran und in jedem Falle ermuthigte
ihr Beifall die Thätigkeit der zahlreichen Dichter, welche durch
ihre Schöpfungen die Gunst des Herrn zu erringen suchten. Die
Lieder dieser Dichter tragen zumeist das Gepräge aller höfischen
Poesie, die selten aus dem unmittelbaren Gefühle spontan hervorquillt,
vielmehr sich am liebsten in einem conventionellen Kreise von Gedanken
und Ausdrücken bewegt. Die einzelnen Dichter stehen oft in
inniger Beziehung zu einander, wie die Genossen eines Hauses, die
Mitglieder einer Familie, und eben so ergänzen und erklären sich ihre
Lieder gegenseitig. Solche eigentlich höfische Cancioneros sind demnach
als ein abgeschlossenes Ganzes anzusehen, das nur in seiner
Gesammtheit vollkommen verstanden und in seiner wahren Geltung
gewürdigt werden kann. Ihr Charakter kündigt sich gewöhnlich
seihst in der äusseren Gestalt der Handschriften, welche sie enthalten,
an, indem die letzteren durch die Sorgfalt und Pracht der Ausführung
erkennen lassen, dass sie für die betreffenden Fürsten oder für
andere an deren Hole mächtige Persönlichkeiten verfertigt wurden.
Man kennt einzelne solcher Cancioneros, unter welchen (um
nur von den vorzugsweise cas tili sehen zu reden) das von Baena 9
besondere Berühmtheit erlangt hat. Es enthält die Gedichte des poetischen
Hofes Johann’s II. von Castilien, eines Fürsten, der, selbst
Dichter, von warmer Liebe für alle schönen Künste begeistert war.
Als ein ebenbürtiges Seitenstück zu dieser Liedersammlung darf jene
angesehen werden, welche uns mit den Dichtern vom Hofe des Königs
Alfons Y. von Aragon, I. von Neapel, bekannt macht. Die italienischen
Humanisten haben die Unterstützung, welche ihnen von diesem „weisen
und grossmüthigen“ Könige zu theil wurde, redlich belohnt; sie
wussten dessen Verdienste um die Wissenschaft so zu verherrlichen,
i ) Zweimal herausgegeben: 1) El cancioncro de Juan Alfonso de Baena (siyto XV.)
ahora por primera vez dado a luz, con notas y commentarios. Madrid, Rivadeueyra,
1851. gr. 8°. Vorrede und Anmerkungen von Eugenio de Oclioa, Einleitung von
Marquis P. J. Pi dal. 2) El cancioncro de J. A. de B. publicado por Francisquc
Miclicl. Con las notas y los indices de la cdicion de Madrid del ano 18M.
Leipzig, Brockhaus, 18G0. 8°. 2 Bände.