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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 54. Band, (Jahrgang 1866)

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M  u  s  s  a  f  i  a

Diese  gewähren  uns  Einsicht  in  das  geistige  Lehen  jener  Höfe,  an
welchen  die  Poesie  wie  eine  edle  Beschäftigung  und  ein  höheren
Kreisen  angemessener  Zeitvertreib  gepflegt  wurde;  Fürsten  und
Könige  betheiligten  sich  oft  seihst  daran  und  in  jedem  Falle  ermuthigte
  ihr  Beifall  die  Thätigkeit  der  zahlreichen  Dichter,  welche  durch
ihre  Schöpfungen  die  Gunst  des  Herrn  zu  erringen  suchten.  Die
Lieder  dieser  Dichter  tragen  zumeist  das  Gepräge  aller  höfischen
Poesie,  die  selten  aus  dem  unmittelbaren  Gefühle  spontan  hervorquillt,
vielmehr  sich  am  liebsten  in  einem  conventionellen  Kreise  von  Gedanken ­
  und  Ausdrücken  bewegt.  Die  einzelnen  Dichter  stehen  oft  in
inniger  Beziehung  zu  einander,  wie  die  Genossen  eines  Hauses,  die
Mitglieder  einer  Familie,  und  eben  so  ergänzen  und  erklären  sich  ihre
Lieder  gegenseitig.  Solche  eigentlich  höfische  Cancioneros  sind  demnach ­
  als  ein  abgeschlossenes  Ganzes  anzusehen,  das  nur  in  seiner
Gesammtheit  vollkommen  verstanden  und  in  seiner  wahren  Geltung
gewürdigt  werden  kann.  Ihr  Charakter  kündigt  sich  gewöhnlich
seihst  in  der  äusseren  Gestalt  der  Handschriften,  welche  sie  enthalten, ­
  an,  indem  die  letzteren  durch  die  Sorgfalt  und  Pracht  der  Ausführung ­
  erkennen  lassen,  dass  sie  für  die  betreffenden  Fürsten  oder  für
andere  an  deren  Hole  mächtige  Persönlichkeiten  verfertigt  wurden.
Man  kennt  einzelne  solcher  Cancioneros,  unter  welchen  (um
nur  von  den  vorzugsweise  cas  tili  sehen  zu  reden)  das  von  Baena  9
besondere  Berühmtheit  erlangt  hat.  Es  enthält  die  Gedichte  des  poetischen ­
  Hofes  Johann’s  II.  von  Castilien,  eines  Fürsten,  der,  selbst
Dichter,  von  warmer  Liebe  für  alle  schönen  Künste  begeistert  war.
Als  ein  ebenbürtiges  Seitenstück  zu  dieser  Liedersammlung  darf  jene
angesehen  werden,  welche  uns  mit  den  Dichtern  vom  Hofe  des  Königs
Alfons  Y.  von  Aragon,  I.  von  Neapel,  bekannt  macht.  Die  italienischen
Humanisten  haben  die  Unterstützung,  welche  ihnen  von  diesem  „weisen ­
  und  grossmüthigen“  Könige  zu  theil  wurde,  redlich  belohnt;  sie
wussten  dessen  Verdienste  um  die  Wissenschaft  so  zu  verherrlichen,

i )  Zweimal  herausgegeben:  1)  El  cancioncro  de  Juan  Alfonso  de  Baena  (siyto  XV.)
ahora  por  primera  vez  dado  a  luz,  con  notas  y  commentarios.  Madrid,  Rivadeueyra,
1851.  gr.  8°.  Vorrede  und  Anmerkungen  von  Eugenio  de  Oclioa,  Einleitung  von
Marquis  P.  J.  Pi  dal.  2)  El  cancioncro  de  J.  A.  de  B.  publicado  por  Francisquc
Miclicl.  Con  las  notas  y  los  indices  de  la  cdicion  de  Madrid  del  ano  18M.
Leipzig,  Brockhaus,  18G0.  8°.  2  Bände.
            
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