Mussafia, Ein Beitrag- zur Bibliographie der Cancioneros etc.
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Ein Beitrag zur Bibliographie der Cancioneros aus der
Marcusbibliothek in Venedig.
Von dem c. M. Adolf Mussafia.
Über das Wesen der spanischen Kunstlyrik und die richtige
Beurtheilung der verschiedenen Liederbücher hat Ferdinand Wolf
zu wiederholten Malen, zuletzt in seinen „Studien zur Geschichte der
spanischen und portugiesischen Nationalliteratur“, Berlin 1859,
S. 187—229, mit gewohnter Gründlichkeit und Ausführlichkeit
gehandelt. Neulich hat dann Amador de los Rios beinahe den ganzen
VI. und einen Theil des VII. Bandes seiner Historia critica de la literatura
espanola (Madrid 1861—1865) diesem Gegenstände gewidmet.
Letzterer Gelehrte unterscheidet hauptsächlich zwischen &e\\ Cancioneros
generales und particulares, je nachdem die Liederbücher
von verschiedenen Dichtern oder von einem einzelnen herrühren.
Wichtiger, weil in das innere Wesen der Sache mehr eindringend,
ist die von Wolf empfohlene Sonderung. Seinen Erörterungen zufolge
soll nämlich vor allem genau unterschieden werden zwischen jenen
Cancioneros, welche Gedichte eines Einzelnen oder Sammlungen
von Kunstgedichten aus verschiedenen Orten und Zeiten enthalten,
und jenen welche uns die Erzeugnisse einer geschlossenen poetischen
Gesellschaft an einem bestimmten Hole vorführen. Der Werth
der erstercn ist lediglich vom literarisch-ästhetischen Standpunkte zu
beurtheilen, während die Bedeutung der letzteren zugleich, und vielleicht
in noch höherem Maasse, im culturhistorisehen Momente liegt.
Sitzb. d. phil.-bist. CI. LIV. Bd. I. Hft. 6