Bericht über die Sterzinger Miscellaneen-Handschrift.
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Bl. 10 enthält wieder Lieder:
Wol auff, meines hertzen trawt geselle,
der tag (wil) vns verdringen.
hüt dich vnd mich vor vngefell(e),
ich liör den wachter singen.
der kündet vns den lichten tag,
der mir mein liertz verseret.
ob vns iemant gemeldet hat,
so ist mein leid genieret.
hie ist betrwbt mein states liertz.
der tag wil vns entsleiclien,
des leidet mein hertz solchen smertz *),
mein frewd wil mir entweichen.
Sie sprach: „awe der leidigen mer,
muß ich mich von dir scheiden!
des lichten tag ich wol enper.
der tut mir vil zu layde,
wann ich doch liebers nie gewan
vnd tw noch ze ende,
das nimet mir der liehte tag.
des stan ich hie eilende.“
Sie trwck(t) in gar lieplich an ir brust
mit weissen armen vmslossen.
das was ir baider will vnd lust
gar freuntlich, vnverdrossen.
Sie sprach: „var hin, trawt geselle mein,
dein scheiden tut mich krencken,
vnd nim mit dir das hertze mein,
das kan von dir nit wencken.“
Lig still, meins hertzen trawt gespil a ),
wann es ist noch nit morgen.
1) smertzen. Hs. a ) CI. Hätzlerin p. 2. Bartsch, über die romanischen und deutschen
Tagelieder p. 46.