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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 54. Band, (Jahrgang 1866)

Bericht  über  die  Sterzinger  Miscellaneen-Handschrift.

303

Bl.  10  enthält  wieder  Lieder:
Wol  auff,  meines  hertzen  trawt  geselle,
der  tag  (wil)  vns  verdringen.
hüt  dich  vnd  mich  vor  vngefell(e),
ich  liör  den  wachter  singen.
der  kündet  vns  den  lichten  tag,
der  mir  mein  liertz  verseret.
ob  vns  iemant  gemeldet  hat,
so  ist  mein  leid  genieret.
hie  ist  betrwbt  mein  states  liertz.
der  tag  wil  vns  entsleiclien,
des  leidet  mein  hertz  solchen  smertz  *),
mein  frewd  wil  mir  entweichen.
Sie  sprach:  „awe  der  leidigen  mer,
muß  ich  mich  von  dir  scheiden!
des  lichten  tag  ich  wol  enper.
der  tut  mir  vil  zu  layde,
wann  ich  doch  liebers  nie  gewan
vnd  tw  noch  ze  ende,
das  nimet  mir  der  liehte  tag.
des  stan  ich  hie  eilende.“
Sie  trwck(t)  in  gar  lieplich  an  ir  brust
mit  weissen  armen  vmslossen.
das  was  ir  baider  will  vnd  lust
gar  freuntlich,  vnverdrossen.
Sie  sprach:  „var  hin,  trawt  geselle  mein,
dein  scheiden  tut  mich  krencken,
vnd  nim  mit  dir  das  hertze  mein,
das  kan  von  dir  nit  wencken.“
Lig  still,  meins  hertzen  trawt  gespil a ),
wann  es  ist  noch  nit  morgen.

1)  smertzen.  Hs.  a )  CI.  Hätzlerin  p.  2.  Bartsch,  über  die  romanischen  und  deutschen
Tagelieder  p.  46.
            
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