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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

Dacier  und  Romanen.

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werden  die  bulgarischen  Slaven  in  der  Walachei,  Moldau  und  im
südlichen  Siebenbürgen  nich  mehr  genannt.  Waren  noch  welche
vorhanden,  so  ist  ihre  Anzahl  jedenfalls  überaus  unansehnlich  gewesen. ­
  Dennoch  ist  das  slavische  Element  intensiv  und  extensiv  das
stärkste  in  der  romäniselien  Sprache,  die  sich  dessen  erst  jetzt  mit
Absicht  mehr  und  mehr  entäussert.  Darum  ist  es  wieder  naturgemässer
anzunehmen,  dass  diese  Imprägnirung  des  Walachischen  durch  das
Slavische  im  Süden  der  Donau  erfolgte,  wo  das  Slaventum  durch
Zahl  und  Bestand  den  nördlichen  Volkssplittern  überlegen,  einen  nachhaltigeren ­
  und  durchdringenderen  Einfluss  zu  gewinnen  vermochte.
Man  hat  zugleich  mit  Recht  bemerkt,  dass  fast  alle  Ämter  und
Würden  in  den  romanischen  Staaten,  die  seit  dem  vierzehnten  Jahrhundert ­
  im  Norden  der  Donau  errichtet  worden  sind,  slavische  Namen
trugen.  Da  gab  es  die  grossen  Würdenträger  des  Ban,  des  Veliki
Vornik,  Postelnik,  Klucer,  Stolnik,  Komoruik,  Pgharnik.  Da  waren
die  boieri  de  statu  oder  Bojaren  des  Rates,  die  Ispravnici  oder
Praefecten  u.  s.  w.  sämmtlich  slavische  Titulaturen.  Woher  sollten  die
Romanen  diesen  slavischen  Hofstaat  entlehnt  haben,  wenn  nicht  von
den  bulgarischen  Zaren.  Ist  es  vielleicht  wahrscheinlicher,  dass  sie
ihn  von  armen  vereinzelten  Slavendörfern  im  Norden  der  Donau
adoptirten?
Zugleich  sind  manche  lateinische  Worte  im  jetzigen  Bulgarisch ­
  Zeugen  von  Berührungen  desselben  mit  einem  romanischredenden ­
  Volke  im  Süden  der  Donau.
Die  griechischen  Elemente  weisen  gleichfalls  auf  einen  langen
Zusammenhang  mit  griechisch-redender  Volksmenge  hin,  denn  die
wenigsten  der  Gräeismen  sind  erst  aus  dem  Hofleben  griechischer
Hospodare  des  17.  Jahrhunderts  in  die  Sprache  verpflanzt  worden;
sie  wurden  in  dem  Grade  häufiger,  als  dieser  Verkehr  mit  Griechen
länger  währte;  daher  besitzt  das  Macedowalachische  ungleich  mehr
griechisches  Sprachgut  als  der  nördliche,  vom  Griechentum  länger
getrennte  Dialekt  ‘).
Die  albanesischen  Bestandteile  im  Walachischen  hat  man  auch
aus  einer  anderen  Quelle,  als  aus  der  rnitlelalterlichen  Nachbarschaft
von  Walachen  und  Albanesen  herzuleiten  gesucht.  Es  sei  nämlich  im

i)  Meine  Abhandlung,  die  griechischen  und  türkischen  ßestandtheile  im  Romanischen. ­
  S.  4,  21.
            
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