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R o e s 1 e r
Unbekannt ist der Zeitpunct, in welchem die Romanen in Istrien
zuerst erschienen, gewiss und unleugbar ist der romänische Ursprung
der dortigen Cicen und Valdarsaner, die heute ein beinahe entnationalisiertes,
unter Slaven und Italienern sicli auflösendes Element
bilden '). Auch hier sind weit ausgedehnte Wanderungen der Hirten
Illyriens oder des Hämus anzunehmen. Viele andere Häuflein mögen
schon früher in anderen Nationalitäten untergegangen sein, so diejenige
Abtheilung, welche in der Poscliegaer Gespanschaft Slavoniens wohnte
und der Gegend, die sie bewohnte, den Beinamen „kleine Walachei“
verschaffte*) oder jene zwischen dem Ibar und der Drina im südlichen
Serbien, wo der Name „Altwlachien“ noch jetzt lebendig ist 3 ).
Noch heute gibt es macedoromänische Sprachinseln in Ungarn.
XIX.
Sehen wir nun von allen Umständen ah, deren Kenntnis wilder
Geschichte verdanken, und erwägen andere, denen gleiche
Bedeutung zukömmt. Nehmen wir den Fall an, die Walachen
oder Romänen hätten ununterbrochen ihre Wohnsitze im Norden
der Donau bewahrt, werden wir Spuren davon nicht an ihnen bemerken
müssen? Konnte denn die vielfältige mehrhundertjährige
Berührung mit fremden Völkern, deren Herrschaft sie trugen, ohne
Einwirkung auf ihre Sprache bleiben? müssen hingegen nicht auch
Ortsnamen allenthalben noch das alte römische Gepräge durch den
trübenden Rost der Zeit durchfühlen lassen? Denn diese Erscheinungen
bieten alle jene einmal romanisierten Länder, in denen die
Grün dlage des Volkstums römisch gebliehen. Die fremden Elemente
konnten sich ihm aufdrängen, sich in dieses einwühlen, es überschwemmen,
endlich wurden sie doch, weil sie minder zahlreich
waren, weil sie an Bildung zurückstanden, entweder ausgestossen,
oder in dem römischen absorbirt. So geschah es in Frankreich,
') Fr. Miklosieh, Das slavische Element im Rninunischen. Wien 1861, S. 56.
s ) Biisching, Erilbcselu-eilmng 1797.
3 ) V. St. Karadschitsch Serb. Wörter!). 1827. S. 56 Orapil B.iax „Ohne
Zweifel von dein früher dort angesehenen Skordiskern“? (Schafarik Slav.
Alt. I 237).