Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

72

R  o  e  a  I  e  r

vor  sicli  gegangen,  ihr  Anfangspunct  ist  nicht  verzeichnet  worden.
Lange  mochte  man  nur  einen  Theil  des  Jahres  in  den  Thälern,  auf
den  Fluren  weiden,  und  den  Hämus  noch  als  die  feste  Heimat,  als
den  väterlichen  Herd  angelten,  bis  man  zur  bleibenden  Ansiedlung  im
Norden  schritt.  So  wandern  noch  heute  die  Mokane  (Hirten)  der
Moldau  nicht  nur  in  die  Dobrudscha,  sondern  bis  nach  Macedonien
und  Griechenland;  ihr  Aufenthalt  ist  vorübergebend,  aber  würden
sie  eines  Tages  sich  bleibend  niederlassen,  so  würde  man  im
Westen  Europas  von  dieser  friedlichen  langsamen  Occupation  selbst
beute  noch  spät  und  dürftig  Kunde  erhalten.  Durch  diese  Hypothese
würde  sich  der  auffallende  Umstand  erklären,  wie  im  Norden  der
Donau  Walachen  erst  im  dritten  Jahrzehnt  des  13.  Jahrhunderts  begegnen, ­
  von  da  an  bald  in  auffallender  Menge  auftreten  konnten  '),
während  sie  im  Süden  der  Donau  seit  dem  6.  Jahrhunderte  bei
mancherlei  Lücken  der  Berichte  doch  zusammenhängender  wahrgenommen ­
  werden.
Auch  in  der  historischen  Zeit  der  Romänen  erscheinen  Colonisationen
  und  Wanderungen  von  Hirt  und  Herde  als  durchaus  nichts
Ungewöhnliches.  Wir  wollen  einige  davon  hervorheben,  weil  sie  der
angeregten  Meinung  der  norddanubischen  Rückwanderung  ein  bestätigendes ­
  Gewicht  zu  leihen  scheinen.  Da  ist  eine  Ansiedelung  von
Walachen  in  der  Marmaros  unter  dem  ungarischen  König  Ladislaus
IV.  dem  Rumänien  im  Jahre  1284  bezeugt  und  diese  sind  allem
Anscheine  nach  ein  Theil  derjenigen,  welche  in  der  Nähe  Konstantinopels ­
  gewohnt  hatten.  Der  Tartarenchan  Nogaj  trug  sich  im  bezeichneten
  Jahre  mit  einem  Verheerungszuge  gegen  den  griechischen

t)  In  (1er  Urkunde  Bela’sIV.,  welcher  dem  Johanniterorden  den  Severiner  Banat
und  Rumänien  schenkte,  besteht  im  ersteren  ein  den  ungarischen  Königen
unterstehendes  Kniisenthum  des  Lyrtivy,  die  Walachcn  wohnen  in  der  terra
Lityra,  in  Rumänien  spater  die  grosse  Walachei  genannt,  ein  walachischcr
Wojwode  Szeneslaus  gleichfalls  als  Unterthan  der  ungarischen  Krone
(Fejer  IV,  i  ,  447  ft'.).  Über  die  walachischen  Kniisen  vgl.  den  Aufsatz  J.
Kemeny's  im  Siebenbiirgischen  Magazin.  So  sehr  es  mir  widerstrebt  zu
polemisiren*  so  kann  ich  die  Bemerkung  hier  nicht  unterdrücken,  dass
sich  die  romanischen  Geschichtschreiber  um  so  sichere  Quellen  als  Urkunden ­
  nicht  im  entferntesten  bekümmern,  und  alles  mit  nationalem  Hochmute
durch  einige  Phrasen  abzuthun  wähnen;  so  sind  die  Anfänge  walachischcr
Geschichte  von  ihnen  durchaus  mit  empörendem  Leichtsinn  behandelt.  Vgl.
Peler  Maior,  Sinkai,  Cngalnicean  u.  a.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.