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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

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P  f  i  z  m  a  i  e  r

Man  glaubt,  dass  man  essen  will,  und  ist  nicht  mehr  im  Stande
zu  essen.  In  einigen  Fällen  gibt  es  hier  eine  günstige  Zeit,  in
anderen  Fällen  riecht  man  den  Geruch  von  Speise  und  man  hat  die
Zeit  nicht  nöthig.  Es  scheint  als  ob  eine  Krankheit  der  inneren
Theile  vorhanden  wäre,  und  doch  ist  keine  Krankheit  der  inneren
Theile.  Wenn  endlich  der  Puls  häufig,  der  Mund  bitter,  der  Harn
roth  ist,  so  ist  dies  eine  eingeschlossene  und  verknüpfte  Hitze.
Sie  dringt  zwar  in  die  inneren  Theile,  aber  diese  Hitze  ist  noch
nicht  stark.
Die  Krankheit  wird  in  ihrem  Anfänge  von  dem  Arzte  nicht  erkannt. ­
  Er  hält  sie  irrthümlich  für  eine  Krankheit  der  äusseren  und
inneren  Theile  und  gebraucht  schweisstreibende  und  abführende
Mittel.  Deswegen  erfolgt  starkes  Erbrechen  und  Durchfall.  Aber
selbst  starkes  Erbrechen  und  Durchfall  ändert  nichts  an  den  unregelmässigen ­
  Erscheinungen.
Wenn  der  Geist  kräftig  ist,  so  sind  Körper  und  Gestalt
gleichmässig  wie  früher,  jedoch  der  Puls  ist  unbedeutender  und
häufiger  als  er  früher  gewesen.  Es  besteht  daher  die  Eigenthümlichkeit,
  dass  keine  Fähigkeit  zu  raschem  Vorwärtsschreiten.  Es  ist
eine  unmerkliche  Zunahme  und  dabei  keine  Fähigkeit  zu  schneller
Heilung.
Prüft  man  es  und  spricht  von  Umschränkung  und  Abkürzung
der  Zeit  der  langsamen  Heilung,  so  sind  die  schweren  Fälle  spätestens ­
  in  sechzig  Tagen,  die  leichten  Fälle  spätetens  in  zwanzig
Tagen,  die  zwischen  den  leichten  und  den  schweren  in  der  Mitte
liegenden  Fälle  spätestens  in  vierzig  Tagen  heilbar.  Dass  man  jedoch
in  Bezug  auf  die  Heilung  unterscheiden  muss,  ob  bei  jedesmaligem
Harnen  das  Haupt  schmerzt  oder  nicht  schmerzt,  ob  Empfindlichkeit
gegen  den  Wind  oder  keine  Empfindlichkeit  gegen  den  Wind,  ob
Wohlbefinden  oder  kein  Wohlbefinden,  ist,  weil  jedes  Unrecht  der
Adern  der  Gewebe  durch  den  grossen  Urstotf  des  Lichtes  geheilt
wird.  Schmerzhaftigkeit  des  Hauptes  und  Empfindlichkeit  gegen
de  n  Wind  ist  eine  Erspähung  des  Gewebes.  Wohlbefinden  zur  Zeit
des  Hamens  ist  eine  Äusserung  der  Kammer.
Was  die  Worte  betrifft:  „Diese  Zeichen  erscheinen  in  einigen
Fällen  noch  ehe  Krankheit  eintritt,  im  voraus“,  so  ist  hier  von  den
Zeichen,  welche  auf  die  Lilienkrankheit  deuten,  und  von  anderen
Zeichen  die  Rede.
            
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